zwischen/miete: 5 Jahre WG-Partys mit Büchern, Bier und Brezeln!

Huch, die junge Lesereihe zwischen/miete ist ja gar nicht mehr so jung. Dieses Wochenende feiern die gemütlichen WG-Lesungen ihren fünften Geburtstag. Wie immer mit Bier, Brezeln und junger Literatur.

Stuttgart – Ja doch, klar, es wird immer noch gelesen. Ich finde aber eben, dass bei Weitem nicht genug gelesen wird. Und solange ich in der Stadtbahn mehr Menschen mit gesenktem Haupt auf ihr Handy starren sehe, werde ich nicht von dieser Meinung abweichen. Mit der bin ich glücklicherweise nicht allein. Mehr und mehr junge Menschen, auch in Stuttgart, organisieren sich in Buchclubs, besuchen Lesungen und entdecken Welten zwischen zwei Buchdeckeln.

zwischen/miete feiert Geburtstag

Das ist auch der Veranstaltungsreihe zwischen/miete zu verdanken. Diesen Samstag feiert sie ihren fünften Geburtstag. Und macht dabei fast alles so wie immer: Junge Literatur, gelesen in Stuttgarter WGs, für den Fünfer Eintritt gibt es ein Bier und eine Brezel. Man sitzt im Wohnzimmer, in der Küche oder im Schlafzimmer, auf dem Boden, auf Stühlen oder auf der Fensterbank. Und lauscht spannender Literatur. Diesen Samstag, bei zwischen/miete #35, ist Juan S. Guse in einer Wohnung in der Mörikestraße im Süden zu Gast und liest aus seiner hochgelobten Dystopie „Miami Punk“. „Im Anschluss an die Lesung gibt es eine kleine Hinterhof-Geburtstags-Party mit genügend Bier, Brezeln, Bowle und Musik von mayipainther“, sagt Organisatorin Nina Wittmann. Ha ja, bisschen Geburtstag feiern muss dann halt doch sein.

Buch gegen Netflix

Denn: Es ist schon bemerkenswert, dass sich eine Lesereihe über fünf Jahre und 35 Veranstaltungen halten und vor allem weiterentwickeln konnte. „Wir sind sehr froh, dass sich die zwischen/miete so etablieren konnte und seit einem dreiviertel Jahr noch mal einen merklichen Besucheraufschwung erlebt!“, so Nina weiter. „Es ist wunderbar, die Leidenschaft für Literatur vermitteln und teilen zu können. Und natürlich sind wir sind auch ein bisschen stolz auf unsere Reihe und alle Projekte, die wir schon umsetzen konnten. Es ist schön, dass diese Form von Unterhaltung noch immer auf viel Resonanz stößt.“ Durchaus. Die Konkurrenz (aka Netflix) ist bekanntlich stark.

Da lohnt sich jedes Schleppen!

Zwar sind die ursprünglichen Gründer der Reihe mittlerweile nicht mehr an Bord. Dafür kümmern sich neben Nina heute Annig Held und Andrea Friedel – wie gewohnt in Kooperation mit dem Literaturhaus Stuttgart. Und die haben auch schon einiges erlebt: „Volle Wohnzimmer, konzentrierte Stille, Martin Piekars eindrucksvolle Lyrik-Performance bei Glühwein und Keksen. Regen draußen, dichtgedrängtes Zuhören drinnen. Verschüttetes Bier, das Klirren eines zerbrochenen Glases, die wirklich jedes Mal sehr große Freude, wenn sich Autoren, Moderatoren und natürlich unser Publikum für unser Format begeistern. Da lohnt sich jedes Schleppen unseres Equipments – mitsamt der Bierkästen – in manchen 5. Stock!“

Beyond Germanistikstudenten

Klar, so ein Format kommt an. Bei Besuchern wie auch Autoren, die natürlich auch mal den lockeren Rahmen einer kruschteligen WG genießen. Allerdings, so Nina, sei die zwischen/miete längst nicht nur für „die Germanistikstudenten aus dem dritten Semester“, wie sie schmunzelnd sagt. „Von sechzehn bis sechzig ist eigentlich alles dabei. Das Durchschnittsalter dürfte so bei 30 bis 35 liegen.“ Und von denen wird man nach dem Wochenende bestimmt einige mit „Miami Punk“ in der Stadtbahn sehen.

Infos zur Veranstaltung gibt’s hier!

Bilder: Harald Völkl, Kristina Popov

Mehr aus dem Web