Zum CSD: Zwei Mamas und ein Kind

Der erste CSD nach der Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare steht vor der Tür, der Kessel erstrahlt seit Tagen in Regenbogenfarben. Mehr als ein guter Grund, um mit zwei Frauen zu sprechen, die seit fünf Jahren verheiratet sind und ihr Glück nun mit einem Kind gekrönt haben.

Stuttgart – Und diese zwei Ladies sind keine Unbekannten: Wasiliki Fotiadou-Möbius und Yvonne Möbius eröffneten vor vier Jahren ihr gemeinsames Café Poffers am Kernerplatz – ihr erstes Baby war geboren, sagen die beiden. Dass die 39-jährigen Frauen genau dort die passende Location fanden, war wohl Schicksal. Denn die erste gemeinsame Wohnung befindet sich im gleichen Viertel. Besser geht nicht, das ist safe. Und noch etwas steht fest: „Wir hatten keine Probleme“, sagt Yvonne wie selbstverständlich. Und Wasiliki, genannt Waso, ergänzt: „Wir haben da aber auch nie drüber nachgedacht.“ Man sei ja auch kein Paar, das in der Öffentlichkeit rummache. Aber Händchen halte man schon. Auf die Frage, ob Homo-Paare heute gesellschaftlich akzeptierter seien, findet Waso: „Ja, auf jeden Fall.“ Doch Yvonne betont noch einmal: „Wir wurden nie benachteiligt, auch geschäftlich nie.“ Ob bei der Bank oder dem Vermieter, die beiden seien immer offen damit umgegangen, hätten auch gesagt, dass sie verheiratet seien – no problem. Vor 20 Jahren war es trotzdem noch nicht ganz so offen und easy wie heute. Das würde aber sicherlich auch am Leben in der Stadt liegen, so das Poffers-Pärchen. „Hier in Stuttgart trifft man alles.“ Früher sei das ja schon „exotischer“ gewesen.

Lebenspartner 1 und Lebenspartner 2 = 3

Und wie war das so, als die beiden Powerfrauen aufeinander trafen? „Wir haben uns am 30. August 2007 kennengelernt“, weiß Waso noch ganz genau. Damals beim Karaoke im Lauras, mittlerweile sei dort das Cavos beheimatet. Und wer hat schöner gesungen? Keine von beiden, heißt es, man sei wegen einem gemeinsamen Freund dort gewesen – so so. Einen Monat später sind sie zusammengekommen, drei Monate drauf direkt zusammengezogen.

Ehe für alle

Verheiratet sind die coolen Café-Chefinnen nun seit fünf Jahren. „Damals als wir geheiratet haben, hieß das ja noch eingetragene Lebenspartnerschaft und wir waren dann Lebenspartner 1 und Lebenspartner 2“, erinnert sich Waso lachend zurück. Kein Wunder, bei dieser doch recht trocken mathematischen Bezeichnung.

Aber was hat sich nun geändert, seit es auch für homosexuelle Paare Ehe heißt?  „Ich finde es schon gut, dass es nun gleichgestellt ist“, betont Yvonne bevor sie abschweift und sich an ihre Hochzeit auf dem Theaterschiff erinnert, als die beiden von einer Türkin getraut wurden. Die Lebenspartnerschaft habe man allein schon wegen der Adoption umtragen lassen müssen. „Wir wollten das mit der Ehe eigentlich zum zehnjährigen Hochzeitsjubiläum ändern. Schließlich waren wir ja schon vorher verheiratet, ob das nun Ehe heißt oder nicht.“

Hier in Deutschland wird viel für die LGBT-Community getan.

Aber die Umbenennung beziehungsweise Gleichstellung habe einiges erleichtert, vor allem auch in puncto Adoption. Und damit ist auch nochmal die gesellschaftliche Akzeptanz gewachsen, sind sich die beiden sicher. „Hier in Deutschland wurde für die LGBT-Community schon viel erreicht, vor allem auch im Vergleich zu südlichen Ländern“, findet Waso, deren Wurzeln in Griechenland liegen. Deshalb dürfe man nicht meckern.

Für die Eltern der beiden sei es auch nie ein Problem gewesen. „Meine Eltern haben Waso sofort akzeptiert und sind happy“, freut sich Yvonne. Bei den Südländern sei das ein bisschen anders, so Waso. „Aber meine Mutter hat es auch akzeptiert.“ Mittlerweile feiern auch alle zusammen Weihnachten.

„Wird euer Sohn jetzt schwul?“

Klar, dass dann auch irgendwann der Kinderwunsch wuchs. Da das erste Kind, das süße Poffers, aber so viel Zeit beanspruchte, zog sich das Ganze länger hin als nötig. „Wir wollten eigentlich von Anfang an Kinder, aber uns war auch bewusst, dass es ein langer Weg werden würde. „Wer bekommt das Kind? Fragen wir einen Kumpel, ob er Spender sein möchte?“ Da seien viele Fragen und Überlegungen im Raum gestanden. „Wir wollten aber, dass es unser Baby ist, deshalb haben wir uns für die Spenderklinik entschieden.“ Und da Wasos Kinderwunsch „einen Ticken“ größer war, sollte und hat auch sie das Kind bekommen.

Die glücklichen Eltern: Mama Yvonne und Mama Waso (von links)

Heute ist Sohnemann Iordi fast vier Monate alt. Schwangerschaft und Geburt verliefen reibungslos. Etwas holpriger hingegen – wie oben beschrieben – die Adoption und „richtig doof“ finden die beiden auch, dass Yvonne nicht in der Geburtsurkunde steht. Aber eben auch nur, weil sie offensichtlich nicht der biologische Vater ist. Dort können nur Mann und Frau eingetragen werden. „In dem Bereich sollte noch etwas passieren“, finden die beiden. Es gehe schließlich auch ums Gefühl. „Und ich finde es einfach nicht fair, dass man jeden x-beliebigen Mann nur weil er ein Mann ist, hätte eintragen können, aber mich nicht“, so Yvonne. Die beiden seien doch die Eltern und dann noch die Adoption, das sei schon ein riesen Hickhack und wahnsinniger Kostenpunkt – „da ist schon extrem“.

Man muss erstmal sein eigenes Leben im Griff haben, bevor man sich für ein Kind entscheidet. Mit was für Schwierigkeiten soll es denn aufwachsen, wenn man nicht selbst genug Eier hat, um so zu leben wie man fühlt – auch in der Öffentlichkeit.

Waso hatte sich vor der Schwangerschaft übrigens in verschiedenen Foren kundig gemacht, wie etwa „Lesben mit Kinderwunsch“ auf Facebook. Diese könne sie auch nur gut heißen. Ganz im Gegenteil zu dieser einen Frage, mit der sie in letzter Zeit des öfteren konfrontiert wurde: „Wird euer Sohn jetzt schwul?“

So ein Bullshit!

„Das wurde ich nun schon dreimal gefragt“, berichtet Waso. „So ein Bullshit“, platzt es aus ihr heraus. Sie wolle doch einen richtigen Kerl aus Iordi machen, was er dann draus macht, wisse sie aber auch nicht, scherzt sie. „Was ist das für ein Gedankengang?“, fragt sich die 39-Jährige kopfschüttelnd. „Die Leute sagen: Der kann ja nur schwul werden bei zwei Müttern. Und was ist dann mit alleinerziehenden Müttern? Ich sage dann immer: Meine Eltern sind doch auch Heteros.“ Gut sei, dass sich die Leute Gedanken machen, „aber halt leider in die falsche Richtung!“

CSD in Stuttgart

Waso und Yvonne können für den CSD am Wochenende vor allem die Hocketse auf dem Markt- und Schillerplatz empfehlen. Ansonsten laden nach und während der Parade die Sattlerei und der Österreichische Platz zu Partys ein.

Der diesjährige Marsch für die vollständige rechtliche Gleichberechtigung und gesellschaftliche Akzeptanz startet um 15.30 Uhr. Zur diesjährigen Demonstration werden erneut über 90 Formationen mit weit mehr als 5000 Teilnehmenden im Zug erwartet.

Von 18.15 bis 19 Uhr findet die Kundgebung zu den LSBTTIQ-Forderungen auf dem Schlossplatz statt.

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