Zu verschenken: So geht fairer Streetstyle im Kessel

Über Fair Fashion und Nachhaltigkeit wird momentan viel geredet. Allerdings auch davon, dass nachhaltige Mode oft doof aussieht oder sich eh niemand leisten kann. Doch ein fairer Streetstyle for free in Stuttgart – das geht! Wie? Das beweist euch unsere Autorin.

Stuttgart – Schon die kleine Jenny Humphrey aus „Gossip Girl“ trug Secondhand und designte ihre eigene Modelinie, indem sie Altes zerlegte und neu zusammennähte. Spätestens seit der Eröffnung des Vintage Markt an der Tübinger Straße ist auch Stuttgart von der Coolness der Secondhand-Mode überzeugt. Das beweist nicht nur unsere Streetstyle-Reihe regelmäßig. Doch Mode aus zweiter Hand frisch gewaschen und aufbereitet von der Stange eines hippen Pop-up-Stores zu kaufen, ist die eine Sache. Komplett auf Konsum zu verzichten, eine ganz andere.

Klamotten für null Euro findest du bei Kleidertauschpartys oder sogar auf der Straße. Diese radikale Art von nachhaltigem Modekonsum ist nicht besonders verbreitet, kämpft sie doch gegen ihren Schmuddel-Ruf: „Das sieht aus wie aus der Altkleidersammlung!“ Dabei geht es bei der Wiederverwendung von Klamotten nicht darum, kein Geld auszugeben, sondern unsere westliche Modeindustrie und Konsumgesellschaft in Frage zu stellen. Wenn du momentan knapp bei Kasse bist, schlägst du natürlich zwei Fliegen mit einer Klappe.

Tauschen statt kaufen

Die Kleidertauschparty – der Ablauf:

Auf dem Übermorgen Markt, an der Volkshochschule Stuttgart, auf der Kulturinsel, im Jugendhaus Mitte – überall wurde und wird noch getauscht (hier gibt’s übrigens unsere Flohmarkt- und Secondhand-Tipps). Wie der Name schon sagt, geht es bei einer Kleidertauschparty darum, aussortierte Klamotten wegzugeben und neue Stücke mitzunehmen. Dabei gilt meist die einfache Regel, dass du so viele neue Teile mitnehmen darfst, wie du abgegeben hast. Also ein altes Teil für ein neues.

Was kann getauscht werden?

Abgeben kannst du alles, was noch in Schuss und tragbar ist. Gebrauchte Unterwäsche und alte Socken also bitte zu Hause lassen. Willkommen sind hingegen gut erhaltene Klamotten, aus denen du herausgewachsen bist, kaum Getragenes oder zeitlose Basics.

Warum nicht einfach eine eigene Kleidertauschparty machen!?

Wie der Name ebenfalls sagt, ist eine Kleidertauschparty meistens eine ziemlich coole Fete. Gute Musik, Snacks und andere modeinteressierte Menschen treffen aufeinander und das macht jede Menge Freude. Wenn gerade kein Tauschevent in deiner Nähe ansteht, kannst du ganz einfach deine eigene Sause starten. Du brauchst dafür lediglich einen Raum, einen großen Spiegel, ausreichend Getränke und Snacks, gute Mucke und liebe Leute, die Bock auf Tauschen haben. Die Kleidung, die keiner mehr möchte und am Ende übrig bleibt, könnt ihr an eine wohltätige Organisation oder einen Umsonst-Laden spenden.

So geht richtig fairer Streetstyle

„Zu verschenken“ – ein Schriftzug, den der aufmerksame Fußgänger im Stuttgarter Westen oder Süden beinahe genauso häufig wie Parkverbotsschilder liest. Die handgeschrieben Zettel heften an Kartons voller Krimskrams, alten Möbeln oder aussortieren Klamotten. Die neue „Zu-verschenken-Mentalität“, die mittlerweile in ganz Stuttgart zu beobachten ist, bewegt sich auf einem schmalen Grat zwischen Vermüllung des öffentlichen Raums und coolem Flohmarkt.

Vermüllung der Straße oder cooler Flohmarkt?

Aussortierte Sachen auf den Gehweg abzustellen, ist eigentlich nur dann erlaubt, wenn dafür bereits eine Abholung organisiert wurde. Von Seiten der Stadt Stuttgart darf nur angemeldeter Sperrmüll auf dem öffentlichen Gehweg zur Abholung bereitgestellt werden. Wenn dort Kisten oder ähnliches stehen, kann es leicht sein, dass hier von Außenstehenden Sperrmüll hinzugelegt würde, so die Stadt. Dies sei dann wilder Müll und der Verursacher müsse diesen auf seine Kosten entsorgen.

Aufgepasst: Wenn du selbst Sachen rausstellen magst, achte daher darauf, dass du sie nicht zu lange draußen stehen lässt. Sobald du merkst, dass niemand etwas mitnimmt, andere ihren Müll dazu stellen oder es regnet, nimm die Sachen wieder rein. Ansonsten nutze den nächsten Sonntagsspaziergang durch dein Viertel doch mal als nachhaltige Shoppingtour. Du wirst vielleicht den ein oder anderen Schatz finden. Und wenn nicht, die nächste Kleidertauschparty kommt bestimmt.

Unsere Autorin hat’s getestet: So kann fairer Streetstyle für 0 Euro aussehen:

Bei diesem Outfit sind das weiße Spitzenkleid und die pastellfarbene Weste Glücksfunde der letzten Kleidertauschparty. Das Kopftuch ist ein Sommerschal, den ich auf der Straße gefunden und kurzerhand zum Kopfschmuck umfunktioniert habe.

Das schwarze Shirt und die klassische schwarze Anzugshose habe ich in einer „Zu verschenken“-Kiste im Stuttgarter Westen entdeckt. Bei der roten Adidas-Jacke konnte ich es erst nicht glauben: „Krass, so was beim Kleidertausch!“

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