Stuttgarter dreht Doku über Frauen in Indien

Musiker, Yogi, Rhetoriker, früher auch mal Politiker – und jetzt Filmemacher: Der 31-jährige Wirbelwind Shammi Singh stellt beim Indischen Filmfestival seine erste Dokumentation über Frauen in Indien vor.

Stuttgart – Die meisten Menschen geben sich damit zufrieden, eine Sache richtig gut zu können. Der VfB kann gut absteigen, Cro kann gut eine Maske anziehen, Pink kann gut Riesling trinken, wie sie am Vortag ihres Stuttgarter Konzerts am Schillerplatz bewies. Shammi Singh ist ein Talent offensichtlich viel zu wenig. Er unterrichtete schon Rhetorik, versuchte sich in der Politik, spielt in einer prügelharten Hardcore-Band und gibt Yoga-Unterricht.

Ist Indien sicher?

Und jetzt geht er mit seinem ersten Dokumentarfilm an den Start: „Women‘s Voice – India‘s Choice“ heißt der Streifen über Frauen, ihre Situation und Rechte in Indien, der beim Indischen Filmfestival in Stuttgart seine Weltpremiere feiert. Von der Idee über das Filmen bis hin zum Schnitt aus Shammis Hand, erzählt der Film anhand von 15 Frauen über die Lebenswirklichkeit in Indien – dem Subkontinent, wie man sagt, der zur selben Zeit in verschiedenen Zeitaltern lebt. „Ich war in den letzten zehn Jahren mehrfach in Indien und wurde oft gefragt, ob es denn überhaupt ein sicheres Reiseland sei“, erzählt Shammi. „Als Mann konnte ich diese Frage aber nur unzureichend beantworten.“ Also entstand die Idee zu diesem Film.

Differenziert, ehrlich, wichtig

Dass Shammi überhaupt so oft in Indien unterwegs war, liegt an seiner Familiengeschichte. Seine Mutter ist Deutsche, sein Vater wurde in Kapurthala im Punjab im Norden Indiens geboren. „Eine weitere Reise nach Indien war eh bereits geplant“, fährt er fort, „also habe ich sie gleich mit dem Filmprojekt verbunden. Es ist mein erster Film und er hat mir die Augen geöffnet.“ Shammi sieht diesen Film als Möglichkeit, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. „Das ist eigentlich immer meine Triebfeder“, sagt er. „Und der Film ist eine wunderbare neue Möglichkeit, das zu versuchen.“ Deswegen ist das Bild, das er entwirft, keineswegs so pessimistisch wie das westliche Bild hinsichtlich der Situation der indischen Frauen gerne mal ist. Sein Film ist differenziert, vielseitig, ehrlich – und sehr wichtig.

Ein deutscher Buddhist in Indien

Leider kam Shammi nicht dazu, Indien durch die Augen seines Vaters zu sehen. Er starb noch vor der ersten Indienreise seines Sohnes. Seither hat sich bei dem ruhigen, redegewandten Stuttgarter viel getan. „Ich weiß mittlerweile, wer ich bin“, sagt er. „Ich wuchs ziemlich deutsch auf, weshalb ich mich bei meinem ersten Besuch in Indien auch nicht wirklich heimisch fühlte. Ich fühlte mich eher wie ein deutscher Buddhist“, lacht er. Mittlerweile hat er aufgehört, in solchen Kategorien zu denken. „Ich bin, was ich bin.“

„Ich bin, was ich bin“: Shammi Singh

Yoga, Lärm und kochen

Und was ist das? Auf jeden Fall viel – Filmemacher, Yogalehrer, Musiker und einiges anderes mehr. „Ich spiele zwar immer noch in einer Band, allerdings aus anderen Gründen“, verrät er. „Früher brauchte ich das, um gewisse Dinge loszuwerden und zur Ruhe zu kommen. Das übernimmt mittlerweile Yoga für mich.“ Das hat nichts damit zu tun, dass er indische Wurzeln hat. Die Yoga-Studios in Stuttgart wären ziemlich leer, wenn das eine Grundvoraussetzung wäre. Aber das Denken in Kulturschubladen ist ihm eh fremd. „Meine Kontakte mit der indischen Gemeinschaft hier in der Region halten sich mittlerweile in Grenzen“, meint er. „Früher als kleiner Junge besuchte ich mit meinem Vater immer den Gurdwara-Tempel in Zuffenhausen. Doch mittlerweile“, lacht er, „beschränkt sich der Kontakt auf meine Einkäufe im indischen Spezialitätenmarkt um die Ecke.“ Sein Linsengericht Dhal soll ein ziemlicher Hammer sein.

„Women‘s Voice – India‘s Choice“ läuft am 19. Juli um 19.30 Uhr im Metropol Kino. Infos zum Festival gibt es hier: www.indisches-filmfestival.de

Bilder: Shammi Singh

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