Wo machen Stadtkinder diesen Sommer Urlaub?

Alpen statt Kilimandscharo, ÖPNV statt Flieger: Urlaub sieht diesen Sommer anders aus. Aber wie eigentlich? Wir haben in der Stadtkind-Community nachgefragt.

Stuttgart – Sommer, Sonne, Süden: Normalerweise zieht es viele Stuttgarter in diesem Monat nach Filderstadt an den Flughafen und von dort aus in die weite Welt hinaus. Nicht so dieses Jahr. Den Grund kennen wir alle. Laut einer repräsentativen Umfrage des Touristik Forschungsinstituts „CenTouris“ bleiben über 50 Prozent der Deutschen dieses Jahr im eigenen Land. Urlaub im Schwarzwald statt am Amazonas: Das könnte die nächsten Jahre neue Realität werden sind sich die Tourismus-Experten einig.

Urlaub wie in den 60-er Jahren

Auch unsere Stadtkind-Community verreist diesen Sommer am liebsten in Deutschland. Und wer seinen Urlaub doch lieber im Ausland verbringen will, das bestätigt auch „CenTouris“, fährt lieber mit dem eigenen Auto, als in den Flieger zu steigen. Auf dem zweiten und dritten Platz liegen bei unserer Community-Umfrage deshalb auch Frankreich und Österreich, also Urlaubsziele, die in wenigen Stunden erreichbar sind (siehe untere Grafik).

Grafik: Jana Stäbener

Dass man in Deutschland gut Urlaub machen kann, wissen wir schon lange. Aber die Corona-Krise lehrt uns, das auch endlich zu machen und hilft damit vielleicht sogar dem Klima. Laut Recherchen des ZDF gab es zuletzt 1967 so viele Reisen innerhalb der Bundesrepublik. Wir machen Urlaub wie unsere Großeltern und das ist wahrscheinlich gut so. Wenn man die Stuttgarter Stadtkinder fragt, dann am liebsten am schwäbischen Meer (Bodensee), dicht gefolgt vom Nachbar-Bundesland Bayern oder dem idyllischen Schwarzwald (siehe untere Grafik).

Wir haben uns vier Stadtkinder rausgesucht, die von ihren Corona-Urlaubsplänen erzählen:

Grafik: Jana Stäbener

Flitterwochen verschoben

Foto: Privat

„Eigentlich hätten wir diesen Sommer im großen Rahmen geheiratet. Danach war eine Hochzeitsreise an den Kilimandscharo geplant. Beides ist aufgrund der Corona-Krise jetzt ausgefallen. Also geheiratet wurde schon, aber eben nur standesamtlich. Flitterwochen dürfen da aber trotzdem nicht fehlen. Da wir Berge lieben, haben wir uns für die Alpen als Urlaubs-Ziel entschieden. Auch hier hat man atemberaubende Ausblicke, kann lecker essen und unterstützt nebenbei die deutsche Tourismusbranche.“

Wer Verwandte besucht, steigt eher in den Flieger

Foto: Privat

„Als wir nach Tunesien eingereist sind, war das Land vom RKI noch als unbedenklich eingestuft. Deswegen hoffen wir auf eine einfache Wieder-Einreise. Hier konnten sie durch strenge Maßnahmen einen Corona-Ausbruch verhindern, was Lockerungen möglich macht. An manchen Hotels und Restaurants wird beim Eintritt noch die Temperatur gemessen. Hätten wir hier keine Familie, dann wären wir dieses Jahr wahrscheinlich Zuhause geblieben. Aber klar, jetzt sind wir natürlich froh, dass wir die Zeit mit unseren Verwandten verbringen können. Mit viel Sonne, Tauch-Abenteuer und verhältnismäßig wenigen Auflagen.“

Im Urlaub einfach mal das Ländle erkunden

Foto: Privat

„Statt den Festivalbesuchen, die ich mit Freunden geplant hatte, heißt es für mich jetzt: Urlaub im schönen Balkonien. Überlegung war auch, die Familie einer Freundin in der Türkei zu besuchen, aber das lassen wir mal lieber. Glücklicherweise gilt das VVS-Ticket in den diesjährigen Sommerferien ja in ganz Baden-Württemberg. Das werde ich mit Freunden wahrscheinlich ausnutzen und Tübingen, Karlsruhe oder Konstanz besuchen. Oder wir spielen Touri in Stuttgart. Das könnte auch ganz lustig werden…“

Wenn der Urlaubs-Ort auf einmal Risikogebiet wird

Foto: Privat

„Gerade sind wir von Andalusien nach Mallorca geflogen. Die Reise war im Januar schon geplant und deswegen konnten wir sie auch nicht kostenfrei stornieren. Als Spanien dann zum Risikogebiet erklärt wurde, war das natürlich schon ein komisches Gefühl und wir hatten auch ein bisschen Angst. Ich habe jetzt jedenfalls meinem Chef Bescheid gesagt, dass unsere Wieder-Einreise am 29. August eventuell problematisch werden könnte, weil wir in Spanien sind. Was uns jetzt bleibt, ist den Urlaub trotzdem zu genießen und das Beste aus der Situation zu machen.“

Titelbild: Unsplash / Holly Mandarich

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