Wo Kunst auf Wohnen und Haarstyling trifft

Was passiert, wenn Kunst, Wohnen und Haarstyling aufeinandertreffen? Es entsteht eine interessante Location – die Galerie haar-wohn + kunst-raum im Stuttgarter Süden. Wir haben uns dort für euch mal umgesehen.

Stuttgart – Behutsam greifen die schwarzweißen Hände nach den farbigen Fischen und umschließen die Tiere mit ihren Fingern. „Die Fische symbolisieren die Flüchtlingsboote und die Hände stellen die Europäer dar, wie sie vorsichtig die Geflüchteten aufnehmen“, erklärt Claudia Fuchs, die das Bild gemalt hat.

Eine Location für alles

Jedes Gemälde in der Galerie haar-wohn + kunst-raum erzählt seine eigene Geschichte. Und Claudia Fuchs, Creative Director und Malerin, kennt die Hintergründe zu jedem Werk und teilt sie den Besuchern gerne mit.

Im April feierte die Galerie ihre Eröffnung. Und die Location an der Hauptstätterstraße 106 A deckt, wie der Name schon vermuten lässt, die Bereiche Kunst, Wohnen, Raum und Haare ab. Neben den Bildern und Möbeln, die die Besucher auch kaufen können, sorgt Friseur Jean Braeuninger für den haarigen Part.

Claudia und Jean sind seit mehr als 20 Jahren befreundet, haben dreimal in einer WG zusammengewohnt und dort angefangen, Möbel und Klamotten untereinander zu tauschen. Die beiden kennen sich gut und sind sich auch in stilistischen Fragen einig.

Als Jean neue Räumlichkeiten brauchte, da der Laden, in dem er davor gearbeitet hat, verkauft wurde, packten die beiden die Gelegenheit beim Schopfe und taten sich zusammen. Die neuen Räume bieten genug Platz für beide, so dass Jeans Kunden auch beim Haareschneiden ihre Ruhe haben. Eine Sache, die dem Friseur sehr wichtig ist, denn der Kunde stehe bei ihm an erster Stelle.

Berlinfeeling in Stuttgart

Von der vielbefahrenden Straße bekommen die Besucher nur wenig mit. „Man soll reinkommen und sich wohlfühlen. In den Räumen herrscht eine tolle Energie, das empfinden auch die Kunden. Die sind ganz begeistert von der Location “, sagt Claudia. Die Künstlerin ist meistens von Mittwoch bis Samstag in ihrem Atelier – und dann steht auch die Galerie den Besuchern offen. „Die Räume sind für jeden zugänglich, die Leute können unverbindlich herkommen, sich die Möbel und Bilder anschauen und sich beraten lassen“, sagt Claudia.

Die Idee, Galerie und Friseursalon in einer Räumlichkeit unterzubringen, ist ungewöhnlich. „Wir decken viele Interessen ab, Haare und Haarprodukte, außerdem Kunst und Vintage. Das Konzept könnte gut auch aus Berlin kommen. Wir bieten einen Shop in Shop an, aber trotzdem herrscht hier eine private Atmosphäre. Und das gibt es selten in Stuttgart “, sagt Claudia.

Stammkunden sind wichtig

Jean ist ein alter Hase im Frisurenbusiness. Vor 25 Jahren hat er seinen Meister gemacht, arbeitete erst in Hohenlohe, dann 10 Jahre in Heilbronn und seit 11 Jahren ist er in Stuttgart ansässig. Seine Stammkunden sind mit ihm mitgezogen, einige folgen ihm, seitdem er seine Lehre angefangen hat. Und das weiß Jean zu schätzen: „In der Branche sind treue Kunden wichtig, denn es gibt mittlerweile sehr viele Friseure.“

Die neuen Räumlichkeiten haben für ihn in Sachen Kundenfindung einen großen Vorteil, denn der Friseursalon ist von außen deutlich erkennbar. „Durch die Lage kommen auch Menschen, die einfach an uns vorbei gelaufen und neugierig geworden sind. In meinem vorherigen Laden hat man von außen leider gar nichts gesehen“, sagt Jean.

Die Frisur muss zum Typ passen

Bei seinen Kunden achtet Jean darauf, dass die Haare auch zu dem jeweiligen Typ passen. „Ich orientiere mich nicht an Trends, sondern schaue mir die Haare und die Person an und versuche, möglichst gesunde und natürliche Frisuren zu machen. Und mir ist es wichtig, dass die Haare gesund bleiben und ich sie nicht tot färbe.“

Auch Claudia lässt sich von ihrem guten Freund die Haare schneiden und ist mit dem Resultat zufrieden. „Ich muss meine Haare gar nicht föhnen, denn er schneidet sehr lang und intensiv, so dass es, wenn die Frisur raus wächst, trotzdem gut aussieht“, sagt sie.

Die Räume werden vielfältig genutzt

In Zukunft möchte das Team die Räumlichkeiten an Künstler vermieten und für Firmenworkshops zur Verfügung stellen. „Da sind wir relativ offen und noch am Ideen sammeln. Ich könnte mir auch vorstellen, die Räume für Yoga-Kurse anzubieten oder eine Matinee zu veranstalten“, sagt Claudia.

Geplant ist demnächst ein Event mit dem japanischen Bildhauer Hirofumi Fujiwara, der gerade ausgezeichnet wurde und 40 Zentimeter große filigrane Figuren herstellt. „Es gibt mittlerweile Künstler, die sich bei mir gemeldet haben, die gerne ausstellen möchten, und da achten wir darauf, dass es vom Stil auch reinpasst“, so Claudia.

Mit ihrem Platz im Stuttgarter Süden sind die beiden zufrieden. „Das Viertel ist für Stuttgart-Insider toll und hier passiert gerade viel. Man kennt sich und grüßt sich. Ich bin gerne am Marienplatz, im Galao, im Condesa – wir sind in einer guten Nachbarschaft.“

Mehr Infos unter www.facebook.com/haarwohnkunstraum/

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