WG gesucht: Über die Wohnungsnot in Stuttgart

Viele neue Studenten, die ihr Studium in Suttgart beginnen, haben noch kein Zimmer gefunden. Eine Studentin erzählt von ihren Erfahrungen.

Stuttgart – So langsam ist sie richtig genervt. Ramona Stengele, 20, sucht seit nunmehr drei Monaten eine Unterkunft in Stuttgart. Bisher ohne Erfolg: „Ich habe locker hundert Angebote auf der Internetplattform „wg-gesucht“ angeschrieben. Auf die meisten erhielt ich nicht einmal eine Antwort.“ In diesem Semester hat sie ihr Studium in Integriertem Produktdesign an der Hochschule der Medien in Stuttgart-Vaihingen begonnen. Die Zusage dafür hat sie schon lange in der Tasche.

„Eine Notlüge wäre besser gewesen“

Bereits im Juli ging die Studentin auf Zimmersuche und wurde sogar schnell fündig: Unter ihren ersten Versuchen war ein Treffer, die WG-Besichtigung lief gut, die Chemie passte. Dann war sie, wie sie rückblickend sagt, „zu ehrlich“: „Ich habe beim Plaudern erzählt, dass ich den Studienplatz noch nicht zu einhundert Prozent sicher habe.“ Damit war das Zimmer für sie Geschichte. „Mittlerweile denke ich mir, eine Notlüge wäre da besser gewesen.“

4.000 stehen auf der Warteliste des Wohnheims

So wie Ramona geht es dieser Tage auch Tausenden anderen Studenten, die für ihr Studium nach Stuttgart kommen. Mehr als 7.200 Wohnheimplätze stellt das Studierendenwerk Stuttgart zur Verfügung; zu Beginn des Wintersemesters sind die alle belegt. Dafür stehen aktuell 3.840 Studenten auf der Warteliste für einen Platz im Wohnheim. Nimmt man die Warteliste des Studierendenwerks Tübingen-Hohenheim, das unter anderem die Studenten an der Universität Hohenheim betreut, noch dazu, sind es sogar mehr als 4.000 Wartende. Die meisten zieht es in die Wohnhäuser im Stadtinneren, so hoffen mehr als 2.000 Studenten noch auf einen Wohnheimplatz in Stuttgart-Mitte, während es in Ludwigsburg nur 460, in Esslingen und Göppingen sogar gar keine Studenten auf der Warteliste gibt.

Die Wartezeit beträgt bis zu acht Monate

Dass es insgesamt viel zu wenig Platz für die Studenten gibt, wird noch anhand einer anderen Zahl deutlich: Gut 2.000 Zimmer wurden in diesem Semester beim Studierendenwerk Stuttgart frei. Dem gegenüber stehen aber 5.850 neue Anfragen – das kann nicht aufgehen. Die Zahl der Wartenden verringere sich aber noch, sagt Anita Bauer vom Studierendenwerk Stuttgart: „Viele Studenten suchen sich eine private Unterkunft, wenn sie bei uns keinen Platz bekommen. Für einige wird im Laufe des Semesters auch noch ein Zimmer frei.“ Die Wartezeit beträgt momentan sechs bis acht Monate. Deswegen sollen sich Studenten so früh wie möglich für ein Zimmer bewerben, so das Studierendenwerk.

Durchschnittlich 450 Euro für ein Zimmer

Ramona Stengele hat nicht damit gerechnet, dass die Wohnungssuche so schwierig werden würde. Zu der riesigen Zahl an Bewerbern, die sich auf ein WG-Zimmer bewerben, kommen die hohen Mieten. Ihr maximales Budget hat sie von 400 Euro schon auf 450 Euro erhöht. Mehr will sie auch nicht zahlen: „Meine Eltern finanzieren mich größtenteils und irgendwo ist da einfach Schluss.“ Sie will selbstständig sein und den Eltern nicht übermäßig auf der Tasche liegen.

Laut aktuellem Mietspiegel der Stadt Stuttgart sind die Mieten in den vergangenen zwei Jahren wieder um durchschnittlich sechs Prozent gestiegen. Die Miete pro Quadratmeter liegt zwischen 8,80 Euro und 10,19 Euro – je nach Größe der Wohnung. Gemäß einer Studie des Moses-Mendelssohn-Instituts (MMI) zahlen Stuttgarter Studenten durchschnittlich 450 Euro für ihre Unterkunft. Ein Wohnheimplatz in Stuttgart kostet im Schnitt 285 Euro. Zum Vergleich: Die vom BAfög-Amt festgesetzte Wohnkostenpauschale beträgt gerade einmal 250 Euro!

Notunterkünfte wurden nicht genutzt

Wer bis jetzt kein Zimmer und auch keinen Wohnheimplatz bekommen hat, sollte sich auch im Umland der Stadt umsehen, rät das Studierendenwerk. Dort gibt es mehr und meistens auch günstigere Zimmer als in der Stadtmitte. Das bedeutet natürlich längere Wege zur Universität und in die Stadtmitte. Auch eine Zwischenmiete kann zur Überbrückung dienen, bis man eine langfristige Unterkunft gefunden hat.

Das Studierendenwerk bietet in Stuttgart und Esslingen auch sogenannte „Boardinghäuser“ an, in denen Studenten für einen bis sechs Monate unterkommen können. Notunterkünfte habe man in den vergangenen beiden Jahren ebenfalls eingerichtet. In drei freien Zimmern der Wohnanlagen wurden dafür zusätzliche Feldbetten aufgestellt. „Das Angebot haben die Studenten aber nicht angenommen“, so Anita Bauer vom Studierendenwerk. Deswegen gebe es dieses Jahr keine Notunterkünfte mehr.

„Wenigstens ein Bett zum Schlafen“

Ramona Stengele hat auch eine Notunterkunft gefunden. Pendeln kam für sie nicht in Frage, der Weg von ihrem Heimatort am Bodensee sei einfach zu weit. Über Bekannte ihrer Mutter ist sie nun bei einer älteren Dame in Stuttgart untergekommen. Dort wohnt sie momentan im Keller neben den Fitnessgeräten. Das sei natürlich keine Dauerlösung, „aber wenigstens habe ich hier ein Bett zum Schlafen.“