Wenn die Vergangenheit an der Tür klopft

In der Kolumne #letstalkaboutmentalhealth schreibt unsere Autorin über psychische Gesundheit und Krankheit, den Alltag damit sowie all die kleinen und großen Hürden im Leben. Im dunklen Winter verbringt man Zeit allein Zuhause. Und da kommen manchmal auch die Erinnerungen an die Vergangenheit zurück: Traumaflashbacks. Unsere Autorin erklärt, was das genau ist.

Stuttgart – Es gibt verschiedene Arten von Erinnern. Es gibt die Erinnerungen an Freibadstunden und Sandburgen, wenn der Geruch von Sonnencreme in der Luft liegt. Oder man ist zum ersten Mal von Zuhause fort und erinnert sich an den Duft von frisch gebackenen Plätzchen an Weihnachten. Wir erinnern uns gerne und schwelgen in schönen Bildern. Manchmal sind es zufällige Erinnerungen. Ein Geruch an der Bushaltestelle, ein Déjà-vu in der Bahn oder das Lied beim Einkaufen im Supermarkt. Natürlich gibt es auch unschöne Erinnerungen. Der Weg in den Urlaub, auf dem man sechs Stunden im Stau stand. Der Streit an Weihnachten, als die Tante anfing zu weinen und das Essen verließ. Oder die panische Angst vor der Klausur in der Schule.

Auslöser kann vieles sein

Ich kann mich nicht gut erinnern. Meine Realität spielt sich in der Gegenwart ab und Erinnerungen kann ich meist nur mit Hilfe von Bildern, Tagebüchern oder Texten aufrufen. Traumatische Erlebnisse kann ich nicht kontrolliert abrufen. Und das ist ein großes Problem.

Es gibt Orte, Bilder und Gerüche, die auch bei mir Erinnerungen hervorrufen. Und manchmal sind das Erinnerungen, die ich nicht haben möchte.

Wie ein Schlag ins Gesicht

Traumaflashbacks kommen meist unerwartet und können durch die unterschiedlichsten Reize getriggert werden. Im schlimmsten Fall durchlebt man ein vergangenes Trauma noch einmal – inklusive Körperreaktionen und Gefühlschaos. Manchmal folgen Panikattacken oder Angstzustände. Ganz oft ist es ein Schlag mitten ins Gesicht und es ist schwer den Boden unter den Füßen nicht zu verlieren.

Wichtig ist dann: Ruhe bewahren. Es fühlt sich schrecklich an, aber geht vorbei. So wie jede Emotion kommt und geht. Es ist okay, das Trauma ist Vergangenheit und die Gegenwart ist hier und jetzt.

In einer Therapie kann man solche Situationen lernen zu kontrollieren. Damit nicht völlig der Boden unter den Füßen aufbricht.

Über die Autorin

Mit ganz viel Ehrlichkeit, Feingefühl und Liebe für die Sache schreibt unsere Autorin über das Leben mit psychischen Krankheiten. Warum das nicht immer einfach ist und gegen welche Vorurteile sie ankämpft erzählt sie in der Kolumne #letstalkaboutmentalhealth.

Anmerkung der Redaktion: Wenn du selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leidest oder jemanden kennst, der daran leidet, kannst du dir bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Du erreichst diese telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.

Informationen und Hilfe bei Depressionen:
https://www.deutsche-depressionshilfe.de

Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche: 0800/116 111 Mo. bis Sa. 14-20 Uhr, anonym & kostenlos!

In Stuttgart bietet der Arbeitskreis Leben suizidgefährdeten Menschen, Menschen in Lebenskrisen, Angehörigen, sowie Hinterbliebenen nach dem Suizid eines nahestehenden Menschen Unterstützung an. Telefon  0711/600 620, hier geht es zur Internetseite >>>

Kassenärztliche Therapeuten in Deutschland:
http://www.kbv.de/html/arztsuche.php

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