Weltmänner-
tag: Warum mich Männer langweilen

Auch dieses Jahr ist wieder Weltmännertag. Unsere Autorin hat da eine klare Meinung und findet: Ein Tag für Männer? Wie öde.

Bremerhaven/Stuttgart – Mein lieber Kollege Björn und ich sind uns da eigentlich ziemlich einig. Trotzdem möchte ich auch was dazu sagen – zu dem Tag für Männer. Mit der polarisierenden Überschrift gehe ich mit meinen brennenden BHs und meiner Beinbehaarung schonmal in Deckung. Ganz so einfach ist das nämlich nicht, es gibt nicht nur schwarz und weiß. Nicht nur Männerhass und Feminismus. Feminismus hat nämlich gar nichts mit Männerhass zu tun.

Die Geschichte der Männer

Der 19. November ist internationaler Männertag. Das klingt so, als ob der Mann und seine Männlichkeit die restlichen 364 Tage im Jahr irgendwie untergehen würden. Aber schauen wir doch mal genauer hin: Festival-Line-Ups, Speakerpanels und Unternehmensspitzen sind hauptsächlich männlich besetzt. Kaum ein Bereich in unserem Leben kann ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis vorweisen. Die häufigste Antwort darauf: Es gibt eben keine qualifizierten Frauen in diesem Bereich.

Ich sage: Quatsch.

Wenn ich in Vorlesungen sitze und mir anhöre, welche Designer dies und jenes geprägt haben, bin ich vor allem eins: gelangweilt. Frauen bleiben in der Geschichte weitgehend unsichtbar. Oder wie viele weibliche Autorinnen werden im Deutschunterricht behandelt? Selbst Effie Briest, die Geschichte über ein junges Mädchen, das zwangsverheiratet wird, wurde von wem geschrieben? Exakt, einem Mann. In meiner ganzen Schulzeit und sogar im Studium – immer das gleiche Bild: Männer haben unsere Gesellschaft geprägt und vorangebracht.

Aber geht die Rechnung denn überhaupt auf? Die Hälfte der Weltbevölkerung ist weiblich. Und saßen diese wohl schon immer brav daheim und schauten dabei zu, wie Männer die Welt veränderten? Nein.

„Aber unsere Bundeskanzlerin ist eine Frau!“

Die erste weibliche Bundeskanzlerin war ein großer Schritt in Richtung Gleichberechtigung. Mädchen wuchsen mit dem Vorbild auf, dass auch sie an die Spitze, Führungspositionen besetzen und Bundeskanzlerin werden können. Leider reicht das noch nicht. Der 2017 gewählte Bundestag weist einen Frauenanteil von 31 Prozent auf. Im Bundestag sitzen somit immer noch mehr als doppelt so viele Männer als Frauen. Noch bis zu diesem Jahr wurden Menstruationsprodukte mit 19 Prozent besteuert, Abtreibungen sind illegal und nur bis zum dritten Monat eine gesetzliche Grauzone und Gehälter sind heute noch ungleich.

Es gibt viele, wahnsinnig tolle und inspirierende Frauen und ich möchte mehr davon in Geschichtsbüchern, in Filmen und in den Medien sehen. Und keinen Männertag an dem die gefeiert werden, die sowieso schon den meisten Raum einnehmen.

Was können wir tun?

Ich möchte nicht nur meckern. Ein Tag, der auf Männergesundheit aufmerksam macht, ist großartig. Auch sollten wir einen Blick auf die strukturelle Ungleichheit in sozialen Berufen, Sorgerechtsentscheidungen und Wahrnehmung von Vätern, die in Elternzeit gehen, werfen. Das sind alles wichtige Themen.

Dennoch gilt es, Frauen zu fördern, sie zu Wort kommen zu lassen und wenn es darum geht, Menschen einzuladen, die eine Bühne betreten, dann lasst uns Männern und Frauen den gleichen Raum geben. Setzt Frauen in Führungspositionen und wenn es mal wieder eine Gesprächsrunde nur mit Männern gibt, schreibt den Organisatorinnen. Gebraucht die weibliche Form in eurer alltäglichen Sprache und vor allem: Solidarisiert euch.

Männlichkeit ist ein gesellschaftliches Konstrukt und wenn wir gemeinsam Menschlichkeit, Empathie und Liebe feiern, können wir das nicht nur an einem festgelegten Tag tun, sondern 365 Tage im Jahr.

Titelbild: unsplash/Autri Taheri

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