Wein-Kolumne: Remstal-Radtour mit vier Pausen

In der dritten Ausgabe seiner Wein-Kolumne nimmt euch Axel Aßfalg mit auf eine Radtour durch das Remstal – mit kleinen Pausen an vier verschiedenen Weingütern.

Stuttgart – Das Wetter ist wunderbar, ab und an ziehen ein paar Wolken vorbei. Die Freundin ist in der Yogaschule und ich habe mir ein paar Termine abgecheckt. Aber eben schöne Termine. Mal wieder die Jungs besuchen! Dafür schnappe ich mir mein Rennrad und einen leeren Rucksack. Los geht’s! Bei so einem tollen Wetter darf es gerne etwas weiter rausgehen.

Radtour mit Wein

Wohlgemerkt braucht man für die Strecke kein Rennrad. Wenn man ein paar Minuten mehr Zeit einplant, dann schafft das auch der rostigste Geppel. Es geht für den ersten Hoodcheck nämlich gleich mal raus ins Remstal. Die erste Etappe hat eine Länge von etwa 20 Kilometern. Durch Bad Cannstatt und Fellbach ist man dann recht schnell raus aus der Stadt. Es wird immer idyllischer und man lässt Stress und Sorgen hinter sich, die Vorfreude auf einen Schluck Wein wird größer. Ein Grund, warum ich mich dabei gerne sportlich etwas mehr betätige ist natürlich, dass man auch beim Radfahren nicht zu viel Alkohol trinken soll. Genug Aufklärung!

Die ersten 20 Kilometer führen mich dann kurz hinter Grossheppach. Wer es nicht kennt: Es liegt kurz vor Gundelsbach, nordöstlich von diesem mehr schlecht als recht bekannten Stuttgart. Spaß beiseite, zur Not bringt einen die S2 nach Beutelsbach und von da aus sind es dann noch 15 Minuten zu Fuß zum Weingut Klopfer. Angekommen!

Christoph Klopfer ist noch kurz unterwegs, etwas erledigen. Ich habe mich ja auch nur recht grob zeitlich angemeldet. Macht nichts, setze ich mich eben in den Garten und genieße die Sonne und die Aussicht. In der neu gebauten Vinothek kann man an bestimmten Tagen auch einfach zu Wein und Vesper vorbeikommen. Um das leibliche Wohl kümmert sich dann Mama Klopfer. Am heutigen Samstag bin ich recht früh dran, es ist gemütlich ruhig hier.

Kurze Zeit später braust dann doch der Christoph um die Ecke, gibt beim Aussteigen ein paar Anweisungen und diskutiert noch schnell mit seinem Vater darüber, wie die Laubarbeiten in den nächsten Tagen geplant werden. Läuft!

Dann hat er Zeit für mich und lädt mich auf ein Glas Winzersekt ein. Brut nature 2015! Ein Bio-Sekt aus Spätburgunder und Schwarzriesling, drei Jahre auf der Hefe gelagert und dann ohne eine Zugabe von Zucker degorgiert. Klingt etwas hochgestochen, aber wer diesen Sekt probiert hat, weiß warum. Und wenn Christoph dann auch noch die komplexen Punkte der Sektherstellung erläutert, ist man sich sicher: Einer der besten Sekte überhaupt! Vom Sekt wandern zwei Flaschen in meinen Rucksack, die benötige ich für eine Weinprobe in der kommenden Woche.

Als nächstes probieren wir den Weißburgunder Gutswein. Als Gutswein wird in vielen Weingütern der Wein bezeichnet, bei dem die Trauben nicht aus einer einzelnen Lage kommen, sondern auch aus mehreren Weinbergen stammen können. Das sind die einfachen Weine für jede Gelegenheit. Und der Weißburgunder ist eben richtig gut. Frische Aromen und eine angenehme Säure machen Lust auf mehr. Doch Contenance (franz. für Ufbassa), ein paar Kilometer habe ich ja noch vor mir. Aber der Wein ist gesetzt. Warum und wofür? Das erfahrt ihr am Ende. Nach einem kurzen Plausch über die aktuelle Lage im Weinberg (bissle Hagel, sonst top) mache ich mich auf den Weg zu Stop Nummer 2. Danke Christoph, bis bald!

Nur ein paar hundert Meter weiter die Straße hoch liegt das Weingut von Leon Gold. Das Weingut Gold gibt es noch gar nicht so lange. Leon hat die Weinberge vom Vater übernommen, dieser hat die Trauben noch bei einer Genossenschaft abgeliefert. Leon macht da kurzen Prozess. Schnell wächst die Rebfläche auf aktuell 13 Hektar und ein stattlicher Neubau muss her. Auf dem Dach lässt es sich aber wieder bestens in der Sonne aushalten.

Auch hier hat man die Möglichkeit sich „Im Krug zum grünen Kranze“ eine kulinarische Stärkung einzuverleiben, bevor es in den kleinen Gewölbekeller hinab geht, um sich weintechnisch von Leon beraten zu lassen. Da ich etwas unter Zeitdruck bin, mache ich schnell: Ich schnappe mir den Riesling Gutswein, den mir Leon in die Hand drückt, mache ein Foto, trinke einen Schluck, finde ihn frisch, lecker und überraschend dicht, packe ihn in den Rucksack, winke zum Abschied und düse davon. Danke Leon, bis bald.

Die nächste Etappe dauert wieder ein bisschen. Es geht nach Stetten zu einem meiner Lieblingswinzer. Das Weingut Beurer. Seit 1997 ein eigenständiges Weingut, ständig bestrebt mit der Natur zu arbeiten, also auch biodynamisch zertifiziert nach den Demeter-Richtlinien. Mehr Bio geht quasi nicht!

Im Keller werden nur wilde Hefen verwendet. Das sind die, die im Weinberg auf der Traube sitzen und nur darauf warten, dass die Party nach der Lese so richtig losgeht. Es sind aber auch noch viele andere Punkte, die den Wein so besonders machen.

Jochen Beurer ist der Babo. Da er gerade ein paar Kunden die besten Weine aus dem Hause zeigt, nehme ich mit Adrian Beurer im Garten unter der Pergola Platz. Adrian bringt jetzt schon die nächste Generation mit ein und wir unterhalten uns über die Stuttgarter Weinkultur, Snobs, önologische Berater und vieles mehr. Man merkt, dass auch durch seine Adern Wein fließt. Getrunken wird aber trotzdem nicht, Adrian muss nämlich noch ins Handballtraining. Ein Stammkunde ist ganz empört, als wir beide Schluck um Schluck des kühlen Sekt in das Einmachglas von Frau Beurer spucken, zurecht!

Schade um den guten Sekt, das Einmachglas kann man ja wieder sauber machen. Zwei Flaschen Riesling Kieselsandstein sind gleich im Rucksack, Weinprobe. Das Rennen macht aber auch hier der Gutswein Riesling. Feingliedrig und mit der unverkennbaren Beurer-Stilistik. Danke Adrian, reingehauen!

Auch für den letzten Stop geht es nur ein paar hundert Meter weiter. Leider habe ich nicht bedacht, dass im Weingut Karl Haidle gerade die Jahrgangspräsentation stattfindet. Heißt, man kann alle aktuellen Weine durchprobieren und sich dann den Keller voll machen. Unter Coronaauflagen ist alles etwas komplizierter, deswegen ist Moritz Haidle und die ganze Familie natürlich eingespannt. Aber trotzdem werde ich herzlich empfangen und kann den ein oder anderen Wein probieren. Wieder wandern zwei Flaschen Wein für die kommende Weinprobe in den Rucksack.

Fast vergessen hätte ich, dass ich noch mein Supporter-Shirt „Good Vibes Good Wines“ einpacken muss. Langsam wird es knapp, denn zum T-Shirt gibt es noch den gleichnamigen Riesling dazu. Als ich dann schon den Heimweg antreten will, bremst mich Moritz aus und findet doch noch Zeit für ein Pläuschchen. Auch hier spürt man, dass Opa Karl alles richtig gemacht hat. Moritz ist auf dem Weg in die biodynamische Landwirtschaft und setzt immer mehr auf die Paraderebsorten Riesling und Lemberger. Und bei diesen Weinen aus dem Hause Haidle fliegen mir regelmäßig die Löffel weg. Respect Ritzling, weiter so!

Mein Rucksack wiegt jetzt eine Tonne, aber es lohnt sich. In einer Dreiviertelstunde bin ich im Flora&Fauna verabredet und beende meine Tour mit einem frischen Salat aus Wurst und einem Hefeweizen.

Die Tour sollte unbedingt nachgemacht werden! Bei schönem Wetter kann man sich den ganzen Tag dafür Zeit nehmen. Man muss ja nicht gleich alle vier Weingüter abklappern. Und es gibt auch noch viele andere… Also los, raus!

Für diejenigen, die eine gute Ausrede finden, habe ich eine Überraschung parat: Die vier Weine, die ich bei den Winzern ausgesucht habe, gibt es im Paket im Onlineshop unter orangeoriginals.de für 32,50! Das Paket wird in Stuttgart N,S,O,W mit dem Fahrrad vor die Tür geliefert. Mehr Argumente brauch ich jetzt hoffentlich nicht. Cheers!

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