Wehrpflicht? Nein, danke!

Die CDU eröffnet die Debatte um die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Unser Autor findet: Das schürt nur Angst und lenkt den Blick weg von wichtigen Themen.

Stuttgart – Was soll diese Diskussion? „Pflichttätigkeiten für die Nation“ sind so von 2011. Die Wehrpflicht wurde nämlich in eben jenem Jahr abgeschafft. Aus gutem Grund! Als Reaktion auf die Abschaffung des Wehrdienstes und damit auch des Zivildienstes, wurde der Bundesfreiwilligendienst eingeführt. Ein wichtiger Schritt, der meiner Meinung nach noch viel mehr gefördert werden sollte – denn einigen jungen Menschen gibt der eine Perspektive im sozialen Bereich. Wenn sie sich darauf einlassen wollen. Und diese Wahl sollten sie haben dürfen!

Die Bundeswehr: Ein Hobby alter Männer

Ich stand 2011 noch bei der Musterung – prüfender Griff mit Ein- und Ausatmen inklusive – habe jedoch meinen Wehrdienst, aufgrund der Abschaffung im selben Jahr, nie antreten müssen. Zehn Monate in einer Kaserne mit der Ausbildung an einer Waffe? Vergiss es! Für mich ist die Bundeswehr ein Altherren-Verein. Krieg ist die schlimmste Kultur der Menschheit.

Aber derzeit brauchen wir uns ja sowieso keine Gedanken um eine kämpfende Bundeswehr machen – betrachtet man den Zustand der Ausrüstung, wie Anfang des Jahres bekannt geworden ist. Die Bundeswehr ist ganz offiziell out!

Und der Zivildienst, der mit der Wehrpflicht abgeschafft worden ist? Der sei doch so wichtig gewesen, sagen viele. Das stimmt natürlich zum einen, schließlich fehlt in der Pflege und Betreuung in Deutschland Personal. Immer weniger wollen diesen Job machen – Pflegepersonal hat knochenharte Arbeit zu leisten und wird dabei unterbezahlt. Doch ist so ein Zivi wirklich ein adäquater Ersatz?

Meine Schwester ist durch ein Freiwilliges Soziales Jahr ins Krankenhaus gelangt und hat anschließend das Studium zur Gesundheitswissenschaftlerin gewählt. Aus einer freien Entscheidung heraus. Sie ist sich sicher: „Zivis kann man zwar beim Einsatz von Grundtätigkeiten gebrauchen, doch wer möchte seine Großeltern von einem lustlosen Jugendlichen behandelt wissen, der zu den Aufgaben gezwungen wird? Pflegen kann nicht jeder einfach so!“ Also liebe CDU, setzt doch erstmal die Pläne von eurem Gesundheitsminister Jens Spahn um, der mehr Pflegepersonal und bessere Gehälter fordert. 8.000 zusätzliche Stellen in der Altenpflege wie im Koalitionsvertrag vereinbart, das wäre doch mal etwas!

Mehr Sicherheit durch die Wehrpflicht? Als ob!

Ja, wir haben derzeit turbulente Zeiten, doch die Einführung der Wehrpflicht kann daran sicherlich nichts ändern. Sie bewirkt lediglich, dass sich ein Herr Gauland von der AfD wieder einmal beweihräuchern kann, dass er diese Idee schon viel früher hatte, um in noch mehr Menschen Angst zu schüren. Was dabei viele nicht wissen: Die Bundeswehr darf im Innern des Landes gar keine Einsätze absolvieren. Hier darf sie nur Staudämme bauen. Der Plan geht also nicht auf.

Die Intention hinter der Debatte um die Wehrpflicht ist also wieder einmal nur parteipolitische Machtkämpfe. Eine Scheindebatte, die nichts mit der Realität zu tun hat. Trotzdem werden die Inhalte öffentlich ernsthaft diskutiert und bewirken damit eine weitere Diskussion, die gar nicht notwendig wäre. Denn die Bundesregierung hat sich schon am Montag dazu geäußert und die interne CDU-Debatte für beendet erklärt.

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