#WasFürnSpahn – Bloggerin startet Petition gegen geplante Abtreibungs-
studie

Fünf Millionen Euro möchte Jens Spahn für die Durchführung einer Studie ausgeben, die die seelischen Folgen einer Abtreibung untersuchen soll. Dies sorgte für viel Kritik. Die Bloggerin Nike van Dinther startete gegen Spahns Vorhaben eine Online-Petition.

Stuttgart – Der Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bekam kürzlich fünf Millionen Euro bewilligt, um eine Studie durchführen zu lassen, die die psychischen Folgen eines Schwangerschaftsabbruchs untersuchen soll. Die geplante Studie bekam sehr viel Kritik, unter anderem von den Grünen und der SPD sowie auch auf Social Media. So startete die Bloggerin Nike van Dinther, die selbst schon mal eine Schwangerschaft abgebrochen hat, eine Online-Petition gegen die Studie mit den Namen „WasFürnSpahn – Herr Spahn, 5 Millionen Euro für Hilfe statt Hass“. Innerhalb von nur vier Tagen bekam die Petition schon über 60 000 Unterschriften.

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PETITION - LINK IN BIO 🔥 2019? Stimmt gar nicht. Eher 1924. Jetzt erlaubt das Bundeskabinett diesem misogynen Vogel @jensspahn also tatsächlich, stolze 5 Millionen für eine hanebüchene Studie über die seelischen Folgen von Schwangerschaftsabbrüchen auszugeben, die erstens psychische Verletzungen aufgrund von gängigen Stigmata auslassen wird und zweitens ganz offensichtlich nichts anderes ist, als ein schamloser Versuch, zutiefst frauenverachtende Gesetze und Geisteshaltungen zu verbrämen. Natürlich sitzt da wieder ein (konservativer) Mann ganz oben, um über Frauengesundheit zu entscheiden; ein Witz ist das. Oder besser: Der! Einer, der meint, wir würden die 'Pille danach' wie Smarties fressen, so ganz ohne Rezept-Pflicht. Einer, der uns offenbar keineswegs als mündige Menschen respektiert und uns rein gar nichts zutraut - Selbstbestimmung und Entscheidungsfähigkeit aka bewusstes Handeln zum Beispiel. Weitere 5.000.000 in den Kampf gegen Kinderarmut zu stecken oder in die Ausbildung von FrauenärztInnen, wo kämen wir denn da hin. Und was wäre das für eine Welt, in der nur Kinder geboren würden, die gewollt sind? Die reinste Dystopie für eine Regierung, die mehr damit beschäftigt ist, ihre eigene Unverantwortlichkeit WählerInnen-freundlich zu verpacken, als endlich Politik für die zu machen, die aus überaus mannigfaltigen persönlichen, gesundheitlichen oder sozialen Gründen ganz sicher viel lieber bunte Schokolinsen fressen würden, als ungewollt schwanger zu sein und eine Entscheidung treffen zu müssen/können/dürfen, die größer ist als jeder Penis der Welt. Und als nächstes dann nochmal extra Cash für eine spahn'sche Studie über die Auswirkungen von #regrettingmotherhood, bitte. Ach. Immer wieder schön, diese Christdemokraten mit ihrer vorbildlich gelebten Nächstenliebe. Bisschen wie mit der Homo-Ehe, gell? Oder diesen psychisch Kranken. Aber schlagt ruhig weiter Kreuze an die Wände öffentlicher Einrichtungen - zwei Balken im Namen der Beschränktheit. #wasfürnspahn #prochoice #keinescheidekeineahnung (von gewissen Dingen)

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5 Millionen Euro sinnvoller investieren

Nike van Dinther (und viele andere) kritisieren an Jens Spahns Vorhaben, dass es schon längst Studien zu den Auswirkungen einer Abtreibung gebe, die Ergebnisse ihm aber einfach nicht in sein Konzept passen. Denn die bereits existierenden Studien zeigen: „(….) es sind tatsächlich nicht die Abbrüche selbst, die psychische Erkrankungen wahrscheinlicher machen, sondern die Umstände. Das Risiko von Depressionen während und nach einer Schwangerschaft steigt bei einer ungewollten Schwangerschaft stark an. Frauen leiden demzufolge mitnichten unter dem Menschenrecht, eigene Entscheidungen treffen zu dürfen, sondern unter der immer noch herrschenden gesellschaftlichen Stigmatisierung (…)“, schreibt die Bloggerin in der Online-Petition.

Zudem drängt sich bei vielen Kritikerinnen der Verdacht auf, dass Jens Spahn mit der Studie Argumente gegen eine selbstbestimmte Abtreibung sammeln wolle und dahinter eine ideologische Motivation stecke.

Van Dinther fordert, die fünf Millionen doch lieber sinnvoller zu investieren. Und sie nennt auch gleich zahlreiche Vorschläge für alternative Verwendungszwecke des Geldes: „die Ausbildung von FrauenärztInnen, für Hebammen, Pflegekräfte und Geburtshilfe, für Opfer von sexueller Gewalt und Missbrauch, für den niederschwelligen Zugang zu Informationen, Beratungsstellen und (ärztlicher) Hilfe für Frauen in Konfliktsituationen oder für den Kampf gegen Kinderarmut (…)“.

Auf einen Tee mit Jens Spahn

Die Bloggerin hat außerdem noch einen Vorschlag für Jens Spahn. Sie möchte sich mit ihm auf einen Tee treffen, um das ganze in Ruhe zu diskutieren. „Ich glaube nämlich gar nicht, dass er ein böser Mann ist. Bloß ein Mann, der Vieles noch nicht verstanden hat“, erklärt die Petitionsstarterin.

Auch auf Social Media macht sich der Protest gegen Spahns Pläne bemerkbar. Unter den Instagramposts des Gesundheitsministers kommentierten tausende Nutzerinnen und Nutzer die Hashtags #WasfürnSpahn und #5MillionenSpahnsinn. Damit möchten sie noch mehr Druck auf ihn ausüben.

Geäußert hat sich Jens Spahn zu der Kritik bisher noch nicht. Stattdessen beantwortet er auf Instagram lieber die wichtigen Fragen, zum Beispiel, ob er einen Führerschein habe (Ja, „Auto fahre ich öfter selbst“).

Und auch auf die Einladung zum Tee mit Nike van Dinther ist er bis jetzt noch nicht eingegangen.

(Titelbild: Instagram Nike van Dinther @nikejane)

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