Was trägt Stuttgart: Streetstyle auf dem Wasen

Wir Schwaben haben keinen Stil? Von wegen! Wer uns nicht im gleichen Atemzug mit Mailand, Paris und New York nennt, dem erzähl mer was, gell! Stadtkind präsentiert euch den Stuttgarter Style frisch von der Straße – dieses Mal direkt vom Cannstatter Wasen.

Stuttgart – Dem schwäbischen Streetstyle wird ja so einiges nachgesagt: angepasst, spießig, zurückhaltend. Wir finden: Der kann sich schon sehen lassen! Um das zu beweisen, sind wir für euch an den unterschiedlichsten Orten im Kessel unterwegs und machen mit den Stuttgartern den Stylecheck. Get ready für Dirndl-Looks und Alltags-Outfits auf dem Cannstatter Wasen!

Streetstyle auf dem Wasen: Nicht nur Dirndl und Karohemden!

Es ist ein windiger Montagnachmittag auf dem Cannstatter Wasen: Dirndl und Lederhosen muss man fast mit der Lupe suchen, wenn man über die Festwiese schlendert. Doch umso näher der Uhrzeiger der fünf kommt (17 Uhr ist ja die allgemein bekannte Zeit der Tisch-Reservierungen), desto mehr Menschen in Tracht tauchen auf einmal zwischen Schokofrüchten und Geisterbahnen auf.

Im Zelt, ja da muss man schon die Augen zukneifen und angestrengt durch die Reihen schauen, um ein paar Leute in Jeans auszumachen. Draußen bei den Ständen mixen sich jedoch die Tracht-Liebhaber mit denen, die sich in Zivil auf den Wasen trauen. Ob klassisches Black-and-White-Outfit, herbstlicher Boho-Chic, gekonnt kombiniertes Karohemd oder edle Dirndl-Looks mit farblich passenden Accessoires: Auf dem Cannstatter Wasen findet man so einige coole Streetstyles – egal ob Tracht oder nicht.

Laura und Michelle | 22 und 23 Jahre alt | BWL und Infrastruktur-Management Studenten| aus Ostfildern und Esslingen | Foto: Jana Stäbener

Laura & Michelle

Wasenzeit ist ja seit einigen Jahren auch gleichzeitig Dirndl- und Lederhosenzeit. Wie findet ihr das?
Laura: Ich persönlich finde Dirndl schön. Aber es sollte jedem selbst überlassen sein, was er anzieht.

Wie fühlt es sich an, so ganz im Zivil zwischen fliegenden Dirndl-Röcken und karierten Hemden?
Michelle: Ins Zelt würde ich so nicht gehen! Da fällt man sonst einfach zu sehr auf.

Was bringt euch heute nach Bad Cannstatt auf den Wasen?
Beide: Wir waren sowieso in der Stadt und haben dann spontan beschlossen: Komm, das Wetter passt, wir gehen ein bisschen über den Wasen bummeln.

Eure Lieblingsfarben in der Mode?
Laura: Schwarz, Weiß, Beige, Grau – das Übliche eben.
Michelle: Da kann ich mich nur anschließen!

Auf welche Dinge freut ihr euch im Herbst modetechnisch am meisten?
Laura: Eigentlich mag ich ja den Sommer mehr, aber ich freue mich auf Jacken und Mäntel…
Michelle: …und auf Strickpullis! Ich mag den Herbst und Frühling lieber als den Sommer. Ich freue mich echt darauf, dass man fashion-mäßig wieder „mehr“ anziehen kann!

Sina | 29 Jahre alt | im Recruitement tätig | aus der Schweiz | Foto: Jana Stäbener

Sina

Wasenzeit ist ja seit einigen Jahren auch gleichzeitig Dirndl- und Lederhosenzeit. Wie findest du das?
Ich bin gebürtig hier aus der Region, wohne jedoch seit längerem in der Schweiz. Dort wimmelt es nur so von Veranstaltungen, bei denen alle in Tracht rumlaufen. Dass das hier nicht so verbreitet ist und nur zweimal im Jahr zum Thema wird, finde ich irgendwie schade!

Findest du es ist gerechtfertigt, dass manche den Wasen im gleichen Atemzug wie Fasching und Halloween nennen, weil sie sagen, dass man sich ja irgendwie auch nur verkleidet?
Ja, es hat ein Stück weit schon was von Verkleiden. Aber gleichzeitig ist es ja auch ein „sich schön machen“.

Was bringt dich heute nach Bad Cannstatt auf den Wasen?
Jedes Mal, wenn wir hier sind und Wasen ist, nehmen wir das volle Programm mit: Zelt, Essen, Bier – alles!

Deine Lieblingsfarben in der Mode?
Ich bin da eher der „blaue Typ“. Viel schwarz und weiß , generell alles, was unifarben ist. Auch ganze Outfits style ich lieber Ton in Ton.

Wenn du nicht gerade im Dirndl unterwegs bist, was trägst du dann am liebsten?
Dann bin ich ganz klassisch angezogen, so wie es auch zu meinem Job passt. Also eher Business-Garderobe.

Jannik | 19 Jahre alt | BWL Student | aus Besigheim | Foto: Jana Stäbener

Jannik

Wasenzeit ist ja seit einigen Jahren auch gleichzeitig Dirndl- und Lederhosenzeit. Wie findest du das?
Ich finde das cool. Jeder hat das Gleiche an, was die Stimmung einfach viel besser und ausgelassener macht.

Findest du es ist gerechtfertigt, dass manche den Wasen im gleichen Atemzug wie Fasching und Halloween nennen, weil sie sagen man verkleidet sich ja auch nur irgendwie?
Gut, an Fasching läuft auch Schlager-Musik. Vom Kostüm her finde ich es trotzdem nicht vergleichbar, denn an Fasching und Halloween hat schließlich jeder etwas anderes an.

Was bringt dich heute nach Bad Cannstatt auf den Wasen?
Wir sind natürlich zum Feiern da und haben ab 17 Uhr einen Tisch im Bierzelt.

Deine Lieblingsfarben in der Mode?
Schwarz, Braun wie meine Cordhose und Blau.

Wenn du nicht grade im Karohemd unterwegs bist, worin findet man dich dann am ehesten?
Sehr wahrscheinlich in der Jeansjacke, die ich gerade auch trage.

Ayaka | 26 Jahre alt | arbeitet in der Gastronomie | wohnt in Tübingen | Foto: Jana Stäbener

Ayaka

Wasenzeit ist ja seit einigen Jahren auch gleichzeitig Dirndl- und Lederhosenzeit. Wie findest du das?
Ich komme aus Japan und dort haben wir natürlich auch Trachten. Zu besonderen Sommerfesten tragen wir zum Beispiel Kimonos oder Yukatas. Deswegen habe ich auch nichts gegen Dirndl oder Lederhosen hier in Deutschland.

Wie fühlt es sich an, so ganz im Zivil zwischen fliegenden Dirndl-Röcken und karierten Hemden?
Ich selbst habe gar kein Dirndl und kenne das nicht anders. Weil ich aber schon über fünf Jahre in Deutschland wohne, sollte ich das bald nachholen! Am liebsten hätte ich eins in dunklem Grün.

Was bringt dich heute nach Bad Cannstatt auf den Wasen?
Meine Kollegen und ich – ich arbeite in einem japanischen Restaurant in Tübingen – machen heute quasi unseren Betriebsausflug hierher.

Deine Lieblingsfarben in der Mode?
Ich mag schwarz total. Im Herbst dagegen warme Farben.

Auf welche Dinge freust du dich modetechnisch, jetzt wo der Herbst kommt, am meisten?
Definitiv auf Strickjacken!

Jeanne | 18 Jahre alt | Schülerin | aus Mannheim | Foto: Jana Stäbener

Jeanne

Wasenzeit ist ja seit einigen Jahren auch gleichzeitig Dirndl- und Lederhosenzeit – Wie findest du das?
Na, wenn man schon geht, dann gehört für mich auch das passende Outfit dazu! Ich muss jedoch gestehen, dass ich selbst kein Dirndl besitze und dieses hier von einer Freundin ausleihen musste…

Findest du es ist gerechtfertigt, dass manche den Wasen im gleichen Atemzug wie Fasching und Halloween nennen, weil sie sagen man verkleidet sich ja auch nur irgendwie?
Es ist ja nichts Erfundenes. Das ist der Unterschied. Tracht ist eher eine spezielle Modeform, die man zu besonderen Anlässen anzieht.

Was bringt dich heute nach Bad Cannstatt auf den Wasen?
Wir sind hier um zu essen, Achterbahn zu fahren und ins Zelt zu gehen – das komplette Wasen-Erlebnis eben.

Deine Lieblingsfarben in der Mode?
Eher kältere Töne wie blau, schwarz oder weiß.

Wenn du nicht grade im Dirndl unterwegs bist, worin findet man dich dann am ehesten?
Ehrlich gesagt bin ich dann das genaue Gegenteil von meinem heutigen Wasen-Look: Lässige Boyfriend-Jeans und so gut wie nie Kleider.

Mehr aus dem Web