Was macht das Coronavirus mit dem Stuttgarter Nachtleben?

Das Coronavirus sorgt für eine Veranstaltungsabsage nach der anderen. Die Clubbetreiber fürchten nun, dass der Partybetrieb in Stuttgart irgendwann eingestellt werden muss.

Stuttgart – In Stuttgart wird eine Veranstaltung nach der anderen abgesagt. Große Menschenansammlungen gilt es zu vermeiden, Abstand halten wird empfohlen. All das lässt sich im Nachtleben ziemlich schwer durchführen. Tanzen auf der prall gefüllten Tanzfläche, (mit Fremden) knutschen… Viele Clubbetreiber sind deshalb zunehmend besorgt.

Coronavirus in Stuttgart

Colyn Heinze vom Club Kollektiv Stuttgart berichtet am späten Dienstagabend vom Vorstandstreffen des Verbunds, dass die Stimmung der Gestalter des Nachtlebens ob des Coronavirus schlechter kaum sein könnte: „Die Sorge ist omnipräsent – viele befürchten einen kompletten ,Shutdown’ des Nachtlebens.“ Also, dass der Partybetrieb komplett heruntergefahren wird.

Besonders die Mitglieder mit größeren Veranstaltungsflächen seien direkt davon betroffen, dass Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) am Dienstagnachmittag angekündigt hatte, dass die Regierung alle Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Besuchern untersagen wolle. „Das Wizemann und die Wagenhallen haben schon mit Absagen zu kämpfen“, sagt Heinze. Aber auch die Betreiber kleinerer Clubs seien sehr verunsichert.

Auch wir wollen die Eindämmung des Virus.

Einigkeit habe dahingehend geherrscht, dass Gesundheitsschutz und Infektionsschutz natürlich Vorrang gegenüber anderen Interessen hätten. „Auch wir wollen die Eindämmung des Virus“, sagt Heinze. Wenn etwaige Einschränkungen im Nachleben aber länger andauerten, würde das für viele existenzgefährdend. „Wir tauschen uns jetzt aus, wie wir den Betrieb nach Möglichkeit erst mal weiterlaufen lassen und den Behörden entgegenkommen können“, sagt Heinze. Ein Treffen mit der Stadt sei nächste Woche anberaumt.

Inwieweit Clubs ihren Betrieb zukünftig aufrechterhalten können, hängt wohl genau davon ab, wie sie Übertragungsrisiken verkleinern können. „Die Verwaltung setzt sich intensiv damit auseinander, wo immer möglich die Ausbreitung des Virus zu hemmen“, sagt Sven Matis, ein Sprecher der Stadt Stuttgart. Wo immer sich Menschen versammelten, könne sich das Virus ausbreiten. „In Clubs wird manches ausgetauscht, auch Viren“, sagt Matis.

Hilft am Ende nur ein Knutschverbot?

Das Referat von Ordnungsbürgermeister Martin Schairer (CDU) habe die Clubs informiert, was sie tun können, um es dem Virus schwer zu machen. Und: „Je mehr ein Betrieb dazu beiträgt, dass Infektionen vermieden werden, desto weniger spricht für behördliche Maßnahmen.“

Beim Club Kollektiv ist zwar von Desinfektionsmittel-Spendern am Eingang die Rede, sonst sei bislang nur wenig umgesetzt. Ob das reicht? Vielleicht hilft am Ende wirklich nur ein Knutschverbot.

Foto: Unsplash/Sarthak Navjivan

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