Warum WhatsApp-Gruppen richtig nerven können

Unsere Kommunikation spielt sich heute oft in WhatsApp-Gruppen ab. Zu oft, wie unser Autor findet. Denn er ist genervt von den unzähligen Diskussionen und der Flut an Nachrichten, die so ein Gruppenchat mit sich bringt.

Stuttgart – Mehr als eine Milliarde Menschen weltweit nutzen WhatsApp. Der Messenger-Dienst hat unser aller Leben verändert. Naja, zumindest die Art, wie wir miteinander kommunizieren. Wir sind sozusagen immer und überall erreichbar. Fluch und Segen – powered beim Smartphone in unserer Tasche. Und ja, auch ich nutze WhatsApp täglich. Ein Leben ohne ist möglich, aber schwer vorstellbar. Trotzdem kann diese leuchtend grüne Telefonhörer-Sprechblase richtig nerven. Denn es gibt eines, wofür ich WhatsApp verdamme: die unzähligen Gruppenchats, die mein Postfach nonstop mit Nachrichten fluten und mich täglich mit mehr oder weniger sinnvollen Informationen füttern.

Schweigen & endlose Diskussionen

Klar, so ein Gruppenchat auf WhatsApp ist für viele vor allem eines: praktisch. Denn es gibt kaum eine bessere Möglichkeit, um viele Menschen gleichzeitig mit seinem Anliegen zu kontaktieren. Egal ob Einladung zum Geburtstag, Geschenkidee für einen Freund oder die Planung fürs nächste Wochenende – zu jedem Anlass hat man die passende Gruppe irgendwo auf seinem Handy.

Alle Informationen direkt in der Hosentasche, immer und überall griffbereit. Bis zu 256 Teilnehmer kann man zu einer WhatsApp-Gruppe hinzufügen. Doch auch hier gilt: zu viele Köche verderben den Brei. Oder besser gesagt: zu viele Leute verderben den Gruppenchat. Denn das Resultat sind meist endlose Diskussionen und unzählige Nachrichten, in denen die eigentliche Intention, also die Frage am Anfang des Chats, oft verloren geht. Und das nervt!

Ich weiß, man kann eine Gruppe auch einfach stummschalten. Und viele tun dies auch, ignorieren die Nachrichten, verstecken sich hinter den anderen Gruppenmitgliedern. Irgendwer wird schon darauf antworten. Problem gelöst? Not really! Denn das Schweigen kann ganze Freundschaften auf die Probe stellen. Wirklich!

„Warum antwortest du nicht?“ „Ignorierst du mich?“ „Ich hab die blauen Haken doch gesehen?“ Ja, jeder wird die ein oder andere Diskussion in diese Richtung schon erlebt haben. Schweigen bei WhatsApp? Gefährlich…

Ich bin in einem Gruppenchat, holt mich hier raus!

Andere wiederum meinen in einer WhatsApp-Gruppe einfach alles diskutieren zu müssen, was ihnen gerade so im Kopf umherschwirrt – und bei durchschnittlich 60 Milliarden Nachrichten weltweit, ist das so einiges. Ob sie alle Gruppenmitglieder persönlich kennen oder nicht, spielt keine Rolle. Hauptsache man flutet ihren Posteingang mit unzähligen Messages und fängt eine Nebendiskussion neben der eigentlichen Diskussion  – zum Beispiel: was schenken wir einem gemeinsamen Freund zum Geburtstag? – an. Eine halbe Stunde und 325 neue Nachrichten später, hat man sich in der Regel immer noch nicht auf ein Geschenk – den originären Grund für den Gruppenchat – geeinigt, weiß aber, dass irgendein Steffen nächste Woche nach Mallorca fliegt und eine Svenja später noch eine nachhaltige Suppe aus ihren Gemüseresten kocht. Danke fürs Gespräch!

Und dann sind WhatsApp-Gruppen immer wieder auch einfach nur eine Art Schauspiel – zwei Akteure, die miteinander auf der digitalen Bühne diskutieren, einen Dialog führen – während alle anderen Gruppenmitglieder zuschauen bzw. mitlesen. Das einfach in einem privaten Chat klären? Nö! Kann ja ruhig jeder wissen. Die Konversation wird einem regelrecht aufgedrängt, die Flut an Nachrichten immer größer, das Handy vibriert ununterbrochen. Um was ging es jetzt eigentlich noch mal? Ich bin in einem Gruppenchat, holt mich hier raus!

… hat die Gruppe verlassen

Eine WhatsApp-Gruppe zu verlassen ist natürlich recht simpel. Doch ob angekündigt  „Ich bin raus“ oder stillschweigend, unbemerkt geht hier gar nichts! „XY hat die Gruppe verlassen“, teilt WhatsApp vorwurfsvoll den anderen Gruppenmitgliedern mit. Gruppe verlassen? Stummschalten? Augen zu und durch? App löschen? Handy aus dem Fenster schmeißen? All das sind Optionen, die mir durch den Kopf gehen, wenn eine neue WhatsApp-Gruppe auf meinem Display aufleuchtet.

„Bitte nicht!“, denke ich mir, wenn ich mal wieder zu einer hinzugefügt werde. Nicht, dass ich keine Lust habe, mit den Leuten zu kommunizieren. Nein, vielmehr geht es um die vielen Nachrichten und die ewigen Diskussionen, die ein solcher Gruppenchat in den meisten Fällen mit sich bringt. Ich spreche da aus Erfahrung.

Sorry, aber beim zwanzigsten „Ich bin dabei“ oder hundertsten „Haha“, das mir von einer mir unbekannten Nummer im Chat mitgeteilt wird, hält sich die Begeisterung für den Gruppenchat in Grenzen. Sobald für mich alles geklärt ist, verlasse ich diesen inzwischen wieder. Denn der nächste WhatsApp-Gruppenchat klopft schon wieder an. Ein Teufelskreis. Ich bin raus!

Foto: Unsplash/Rachit Tank

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