Warum Männertage das Letzte sind, was wir brauchen

Eine neue Werbekampagne und fragwürdige Ereignisse wie Internationale Männertage geben Stadtkind-Autor Björn Springorum ordentlich zu denken.

Stuttgart – Stadtbahnfahren wird nie langweilig. Das ist nicht immer gut, aber meistens unterhaltsam. Dann zuckelt man an einer Haltestelle an der neuen Media-Markt-Kampagne #Männertage vorbei. Und sieht vor seinem inneren Auge die letzten 100 Jahre versuchter Emanzipation und Annäherung zu Staub zerfallen. Wer auf dieser Welt denkt sich nur diesen hirntoten Murks aus? Oder noch schlimmer: Wer auf dieser Welt nickt das ab?

Männertage aus der Steinzeit

Herzstück der steinzeitlich-primitiven Plakat-Inszenierung ist Sophia Thomalla, die sich offensichtlich selbst für nichts zu schade ist. Sie schaut lasziv in die Kamera, daneben steht: „#Männertage. An diesen Tagen streichelt er alles, was Knöpfe hat.“ Ernsthaft? Ich meine: ERNSTHAFT??? Immer, wenn man denkt, es ginge nun wirklich nicht mehr schlimmer, kommt so was. Ein Herrenwitz der schlimmsten Art. Im Jahr 2018. Ich weine für die Menschheit.

Was ist Männlichkeit?

Ob es Zufall ist, dass diese Kampagne kurz vor dem Internationalen Männertag am 19. November gestartet ist? Keine Ahnung. An diesem Tag soll es ja eigentlich um die Würdigung männlicher Leistungen gehen, die es sonst anscheinend so wenig gibt. Äh. Eigentlich aber auch egal. Für die Menschen, die Kampagnen wie die von Media Markt echt spitze finden, ist das nur ein weiterer Tag, um ihre angebliche Männlichkeit zu feiern. Das ist ein bisschen wie am Vatertag, den ja auch längst jeder mit Y-Chromosom als Ausrede zum Besäufnis benutzt.

Männlichkeit. Eh ein ziemlich großes Wort. Aber was ist das überhaupt? Nach Meinung erschreckend vieler (Männlein wie Weiblein in gewissen Dunstkreisen) lässt sich Männlichkeit förmlich messen. Dicke Karren (habe ich keine Kohle dafür), buschige Bärte (will bei mir nicht so recht wachsen) und gestählte Körper (viel zu faul).

Hat jemand „Kompensation“ gesagt?

Für mich sind das eher Attribute, hinter denen es sich hervorragend verstecken lässt. Kompensation, Sigmund Freud und so, ihr wisst Bescheid. Darum soll es hier aber gar nicht gehen. Vielmehr darum: Was gibt es an einem Internationalen Männertag eigentlich zu feiern? Zu feiern, dass man ein Mann oder eine Frau ist, ist doch genau so dämlich wie zu feiern, dass man Deutscher, Schwabe oder ein Mensch mit angewachsenen Ohrläppchen ist. Es war reine Willkür, dass es so gekommen ist. Schicksal, Pech, Zufall, whatever. Sorry.

Männertage am Bismarckplatz: Hoffentlich kommt der Bus bald!

Wenn wir also unbedingt was feiern wollen, dann sollten wir feiern, dass wir Menschen sind. Sollten Gemeinsamkeiten hervorheben statt Unterschiede betonen. Nicht an einem bestimmten Tag. Sondern immer. Mann und Frau sind genetisch unterschiedlich, das ist nun mal ein Fakt. Was soll es also ändern, wenn man diese Unterschiede ständig nur hervorhebt wie ein Mario Barth in seinem grenzenlosen Stumpfsinn?

Echt nix zu feiern

Oder gäbe es tatsächlich Gründe, die Männer zu Feiern? Mal einen Blick in die Welt werfen: Männer verdienen immer noch mehr Geld, Männer halten immer noch die meisten Führungspositionen, Männer dürfen überall auf der Welt Autofahren und nach Ansicht von Harvey Weinstein auch mal ein wenig aufdringlich werden, wenn die Dame mal nicht so will, wie man sich das vorstellt. Holt die Partyhüte raus!

So dämlich wie der Valentinstag

Ich halte das eher so: Wer sich seiner Männlichkeit erst durch bestimmte Tage oder fragwürdige Gesten gewiss werden will, der hat wahrscheinlich einfach keine. Ein bisschen ist das ja wie mit dem Valentinstag. Wer denkt, es reicht, an einem durch Medien und Konzerne aufgebauschten Tag mit ein paar trockenen Blumen von der Tanke anzukommen, um dann den Rest des Jahres wieder ein selbstsüchtiges Arschloch zu sein, der hat das Konzept Partnerschaft nicht verstanden.

Wenn es zum Internationalen Männertag also irgendwas zu sagen gibt, dann allerhöchstens das: Geht öfter zum Urologen!

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