Warum der Wasen besser ist als die Wiesn

Stuttgart oder München: Welches Oktoberfest hat die Nase vorn? Diese Gretchenfrage haben schon viele versucht, zu beantworten. Wir sind der Meinung, der Wasen hat in vielerlei Hinsicht die besseren Argumente.

Stuttgart/München – Auf den ersten Blick sieht die Theresienwiese im Münchner Stadtteil Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt gar nicht so anders aus als der Wasen: Viele Menschen in Dirndl und Lederhosen, die für zu viel Bier zu viel Geld zahlen, ein Riesenrad und unzählige „Prosits der Gemütlichkeit“. Wenn man ein bisschen genauer hinsieht, ist die Wiesn allerdings doch noch einmal eine Nummer größer, voller, größer, internationaler und GRÖSSER! Größe ist aber bekanntlich nicht alles. Es gibt so einige Punkte, bei denen der Wasen besser abschneidet als sein großer Bruder in Bayern.

Wiesn ignorieren? Unmöglich.

Mehr als sechs Millionen Menschen haben dieses Jahr die Wiesn besucht. Das sind zwei Millionen mehr Besucher als in Stuttgart im Oktober durchschnittlich über den Wasen schlendern. Noch ein Größenvergleich: Der Wasen ist 25 Hektar groß, die Theresienwiese umfasst 42 Hektar. Die Unterschiede sind also in der Theorie gar nicht so enorm.

Die Praxis sieht anders aus: Wer zur Wiesnzeit in München unterwegs ist, für den wird jede Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Tortur. Während die Feierwütigen in Stuttgart in erster Linie zwischen Cannstatt und Hauptbahnhof hin und her pendeln oder wanken, füllen die Lederhosen in München sämtliche U- und S-Bahnen. In Stuttgart können Lederhosen-Muffel das Treiben relativ gut umgehen. Anders in Bayern: Egal, ob Oktoberfest-Fan oder nicht – die Wiesn kann man nicht ignorieren.

Weniger Touristen, günstigeres Bier

Ergibt man sich dem Trubel und wirft sich in die Tracht, dauert es auf der Wiesn nicht lange, bis aus der eigenen Nationalität eine Attraktion wird. „Are you german?“ rufen angetrunkene Amerikaner, Engländer, Niederländer, Chinesen. Die Besucher der Wiesn kommen aus aller Welt. Wer sich als Deutscher outet, findet sich schnell beim Übersetzen von Trinksprüchen wieder („That means one, two, three, drinking!“). Das macht nur so lange Spaß, bis es ums Mitsingen der Schlager-Klassiker geht. „Auf dem Wasen kann man in den meisten Fällen auf die Textsicherheit der Zeltbesucher zählen“, sagt Jasmin aus Tübingen. Sie besucht das Cannstatter Volksfest zusammen mit ihren Kommilitonen. „In München ist das nicht so. Zu viele Touristen.“

Michael, der sie begleitet, ist davon überzeugt, dass der Wasen das bessere Bier hat. Über Geschmack lässt sich streiten, aber wenn besser gleichbedeutend mit günstiger ist, hat er definitiv recht: Eine Mass kostet in Stuttgart durchschnittlich ein Euro weniger. Hinzu kommt: Wer in München keinen Tisch reserviert hat, der hat meistens ebenso schlecht oder eher noch schlechtere Chancen in einem der vielen Zelte einen Platz zu ergattern. Kein Platz bedeutet auf der Wiesn aber leider auch: kein Bier. Denn anders als in Stuttgart, wo es im Notfall auch ein Bier aus dem Plastikbecher tut, wird Bier in München nur in den Zelten verkauft. Wer nicht reinkommt, sitzt auf dem Trockenen – zumindest, was den Hopfentee angeht.

„Beste Stadt der Welt“

„Der Dialekt hier ist einfach viel schöner“, ruft David über den Lärm des Autoscooters hinweg. Er ist gebürtiger Stuttgarter und kommt jedes Jahr auf den Wasen. Die Wiesn hat er aber auch schon besucht. „Bayerisch hat schon seinen Reiz, aber hier klingt es eben wie zu Hause.“ Wer sagt auch schon Hendl zum Göckele? Und „Servus“ statt „Ade“?

Wir haben übrigens auch in München gefragt, warum der Wasen mehr Spaß macht als die Wiesn. Waschechte Münchner schenken einem dann nur einen kritischen bis müden Blick. „Wir sind das Original“, grantelt einer. Manche geben aber doch zu, dass die vergleichsweise wenigen Touristen den Wasen angenehmer machen – kleiner, aber feiner. Und das beste Argument haben wir noch gar nicht genannt, ergänzt Daniel, 23, aus Stuttgart-Süd: „Der Wasen ist in Stuttgart, der besten Stadt der Welt!“