Warum Feminismus nicht lieb sein darf

Feminismus? Finden viele an sich zwar gut, „aber bitte nicht zu viel davon, sonst ist’s nervig“. Unsere Autorin hat eine mögliche Erklärung dafür.

Stuttgart – Am 8. März war der Weltfrauentag. Ein Tag, der auf die Diskriminierung von Frauen auf der ganzen Welt aufmerksam machen soll. Und ein Tag, der alle ausdrücklich dazu aufrufen soll, an dieser Ungerechtigkeit etwas zu verändern. Gerade anlässlich dieses Tages habe ich besonders oft Sätze wie „Feminismus ist schon ganz gut, aber nicht zu viel, sonst nervt’s“ gehört – und zwar nicht nur von Männern, sondern auch von Frauen.

Feminismus setzt sich für eine gerechte Gesellschaft ein 

Dass auch in Deutschland keine Gleichberechtigung herrscht, ist Fakt. Frauen sind in Führungspositionen, in der Politik, Wissenschaft sowie Wirtschaft immer noch unterrepräsentiert.

Zudem war am 18. März der Equal Pay Day, der auf die Einkommenslücke zwischen Männern und Frauen aufmerksam machen soll. Denn Frauen verdienen in Deutschland immer noch durchschnittlich 21 Prozent weniger als Männer. Erst am 18. März werden Frauen gleich bezahlt, davor haben sie das Jahr quasi umsonst gearbeitet. Das Ziel des Feminismus ist es unter anderem, diese Ungerechtigkeiten zu verändern.

Feministinnen und Feministen setzen sich – kurz zusammengefasst – dafür ein, dass jeder Mensch unabhängig seines Geschlechts, seiner Herkunft, seiner Religion, seiner sexuellen Orientierung und so weiter gleichberechtigt ist. Eine Gesellschaft, in der jeder und jede die gleichen Chancen hat und niemand diskriminiert wird, ist doch etwas Wünschenswertes, oder?

Vor nicht allzu langer Zeit bedeutete Frausein noch: Stets freundlich, folgsam und fleißig sein

Trotzdem gibt es, wie ich anlässlich des Weltfrauentages gemerkt habe, immer noch viele Menschen, die „dem Feminismus“ kritisch gegenüberstehen, obwohl sie ihn in seiner Grundidee gut finden. Das mag unterschiedliche Gründe haben, jedoch spüre ich manchmal im Gespräch – besonders bei Frauen – eine gewisse Besorgnis, andere mit dem Thema Gleichberechtigung „zu nerven“.

Let me explain myself: Vor nicht allzu langer Zeit bedeutete Frausein noch: Stets freundlich, folgsam und fleißig sein – und unbedingt auch gut kochen können! Von diesem Bild beziehungsweise sozialem Konstrukt sind wir zum Glück so gut wie abgekommen, etwas davon ist jedoch trotzdem noch in unserer Gesellschaft verankert.

Und manche Frauen scheinen immer noch gewisse Skrupel zu haben, Forderungen zu stellen, zu protestieren, aufsässig zu sein – ja, auf die Nerven zu gehen. Weil dieses Bild der Frau, die eben bitte nicht widerspricht, immer noch in vielen Köpfen manifestiert ist.

Feminismus muss ungemütlich sein

Damit möchte ich selbstverständlich auf keinen Fall sagen, dass diese Frauen unmündig seien, nie widersprechen oder keine Forderungen stellen würden. Die meisten Kulturen auf der Erde sind nun einmal patriarchalisch strukturiert. Und viele Männer verteidigten ihre Privilegien eisern: „Ach Schatz, lass doch mal gut sein mit der Gleichberechtigung.“ Deswegen ist es klar, dass es für uns alle schwer ist, diese Strukturen aufzubrechen und zu verändern.

Feminismus muss unangenehm sein, er muss nerven und ungemütlich sein. Denn er muss schließlich ungerechte und diskriminierende Strukturen in unserer Gesellschaft ändern. Als vor über 100 Jahren in Deutschland das Frauenwahlrecht erkämpft wurde, ist das auch nicht dadurch passiert, dass ein paar Frauen gesagt haben: „Ja, also eigentlich würden wir auch ganz gerne wählen, aber nur wenn es gerade keine Umstände macht.“

Wir alle müssen die Angst abschütteln, mit dem Thema Gleichberechtigung zu nerven. Wir müssen laut sein, Forderungen stellen und nicht damit aufhören, bis sie erfüllt sind.

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