Verkupplungsversuche: Hört auf damit!

„Ihr solltet euch unbedingt kennenlernen!“ Danke, aber ich hab noch Joghurt im Rucksack. In unserer Single-Kolumne geht es heute um (missglückte) Verkupplungsversuche und warum die besten arrangierten Matches immer noch die sind, die nie welche werden sollten.

Stuttgart –  „Singleeeee, weiblich, 1,78 Meter groß, trinkt gerne Weinschorle und hasst Ziegenkäse.“ Hello, it’s me! Ich stelle mir gerade vor, wie Kai Pflaume im weißen Anzug eine schlechte Dating Live-Show in einem Billigkaufhaus moderiert und genau diese Ankündigung durch das Mikro ruft, während ich mit gequältem Lächeln auf einem Barhocker neben einem Gang aus 50 Kilo Rosenblättern Platz nehme. Im Hintergrund läuft ein passender, die Situation untermalender Song. Dragostea Din Tei zum Beispiel. Ähnlich fühlt es sich übrigens an, wenn man von Freunden oder Bekannten bei (ihrer Meinung nach) potentiellen Partnern angepriesen wird. Nur, dass der Showeffekt zunächst ausbleibt, weil das Aufeinandertreffen erst später stattfindet – und am Ende auch keiner applaudiert.

„Und, was sagt er so?“

Alles beginnt mit einem flüchtigen „Hey, war gestern mal wieder mit einem alten Kollegen was trinken“, „Ihr solltet euch unbedingt kennenlernen“ und geht über in spontane Drops wie „also der Lukas findet Ziegenkäse ja auch ganz schlimm“ – inklusive verschiedenen Links zu Facebook, Instagram, LinkedIn sowie Screenshots von Chatverläufen, in denen bereits über dich geschrieben wird.

Und hat es bis dahin noch keine Rolle gespielt, fühlt man sich spätestens jetzt zu der Frage gedrängt: „Und, was sagt er so?“ Weil irgendwie ist’s ja schon interessant.

Die Antwort: „Na, der will dich auch voll gerne mal kennenlernen!“ Was übersetzt übrigens so viel bedeutet wie: „Er tut mir den Gefallen und trifft sich mit dir.“

Warum auch die Erwartungen niedrig halten? Es gibt ja nichts zu verlieren – außer Zeit, Hoffnung oder den inneren Frieden.

Verkupplungsversuche sind nicht ganz uneigennützig

Versteht mich nicht falsch, Verkupplungsversuche sind bestimmt oft gut gemeint. Doch mal ehrlich: ganz uneigennützig sind sie nicht. Gehen wir mal kurz die verschiedenen Motive durch.

Eltern: werden oft nach ihren Kindern gefragt und wollen halt irgendwann auch mal von „dem/der Neuen“ an deiner Seite berichten. Gerade in Kleinstädten ist Gossip einfach life!

Freunde: müssen sich ständig die Geschichten über all diese Tinder- und real life-Fails anhören und denken irgendwann, dass du ernsthaft Hilfe brauchst, weil sie an deiner Zurechnungsfähigkeit zweifeln. Außerdem sind Pärchenabende zu dritt halt auch irgendwie scheiße.

Und was für beide Parteien gilt: Sollte die Verkupplung funktionieren, steht man für ewig in ihrer Schuld. GOT YA!

„Bitte hört auf damit!“

Kommt es dann zum Treffen, kann das schon ganz gut laufen. Klar, man startet mit vielen Vorabinformationen in diese Dates – und das ganz offiziell, ohne Stalking-Action. Immerhin haben Freunde/Familie/Bekannte diesen Part bereits übernommen und entsprechend Vorarbeit geleistet.

Vielleicht macht’s am Ende ja sogar „Peng“. Vielleicht kommt aber auch nur der Zonk-Ton und es fällt dir plötzlich auf, warum ihr euch aus freien Stücken wahrscheinlich nie hättet treffen wollen.

Jetzt hilft nur noch eins: ehrlich sein. Ein „Hey, lass uns nicht mehr wiedersehen“ für das Date und ein „Bitte hört auf damit“ an die Freunde. Denn wenn Verkupplungsversuche wirklich anfangen zu stören, sollte man das sagen können. Glaubt mir, echte Freunde verstehen das auch – und überlassen euch die Entscheidung beim nächsten Grillabend, ob ihr den Sitznachbarn interessant findet oder nicht.

Foto: Unsplash/Frankie Cordoba

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