Valentinstag: Ein Tag wie jeder andere?

Ob Pärchen oder Single: Der Valentinstag weckt immer ziemlich viele Erwartungen. Unsere „Schnaps oder Liebe“-Kolumnistin hat eine unerwartete Haltung zum 14. Februar.

Stuttgart – So, jetzt ist es soweit. Irgendwann musste der Tag auch kommen. Denn heute ist nicht etwa der 14. Februar. Nein, es ist Valentinstag. Nach Silvester vermutlich der zweite Tag auf dem Treppchen, der mit enormer Erwartungshaltung verbunden ist. Dabei lassen sich die Leute ganz grob in zwei Gruppen einteilen: diejenigen, die in einer Beziehung stecken und diejenigen, die es nicht tun. Beginnen wir mit Ersteren.

Ein Feiertag für Hobbynauten

Manche (oder sollte ich diesen Satz beginnen mit die meisten?) erwarten eine Überraschung von seinem oder seiner Liebsten – ein Geschenk oder eine Geste. Was Kleines wäre nett, Blumen aber eher ein Muss. Da stellt sich mir gerade die erste Frage: Erwartet er eigentlich auch eine Überraschung von ihr? Oder ist der Fahrplan klar, war es schon immer und wird es immer bleiben?

Dann gibt es die Gruppe der Vergebenen, die BETONT lässig auf den Valentinstag zusteuert. „Geschenke? Awa, das ist doch nur ein erfundener …“ Was dann in der Regel folgt, ist eine Wortreihe mit den Schlagwörtern Konsum, Schokoladen- und Blumenindustrie, Amerika und Kapitalismus. Im Erdröhnen dieses Wortschwalls keimt aber schon die erste Verunsicherung auf. Was, wenn der andere doch enttäuscht ist, wenn man nach einem beschissenen Tag auf der Arbeit abends einfach mit einer Pizza von Angelo’s sich irgendwas bei Netflix anschauen und dann schlafen gehen will?

Wieder so eine spontane Frage: Gibt es eigentlich Menschen, die am Valentinstag ihren ganz gewöhnlichen Routinen nachgehen? Donnerstags zum Tennis, Häkelkurs oder Skat. Oder ist das bei Vereinen, VHS-Kursen und Stammtischen der inoffizielle Feiertag?

Aufgeladener als jeder Akku

Dann gibt es natürlich noch diesen Menschenhaufen, der gerade zu diesem Zeitpunkt Single ist. Upsi, das ist immer besonders anstrengend. Aber auch hier: Erwartungen, wohin das Auge reicht. Die einen stehen in freudiger Erwartung auf einen Tag voller Groll und Herziehen über die auf der anderen Seite in den Startlöchern.

Die anderen in noch freudigerer, bei jedem Herzluftballon und Marzipanschweinchen in Tränen auszubrechen. Manche verkriechen sich im Bett und ergehen sich in Selbstmitleid mit ein bisschen Hilfe von romantischen Komödien. Andere schauen bewusst nur laute, explodierende Actionfilme, in denen am besten im Minutentakt jemand sterben muss. Hach ja, Emotionen, so was Schönes.

Je mehr ich darüber nachdenke, wie die verschiedenen Grüppchen den heutigen Tag wohl so begehen, desto klarer wird mir eines: nicht nur der Valentinstag an sich ist aufgeladen. Jeder Mensch ist es auch. Niemand kann sich davon frei machen. An wirklich niemandem geht er einfach spurlos vorüber. „Was, heute ist Valentinstag? Habe ich gar nicht mitbekommen“, said no one ever.

Alles gut mit Schokolade

Die einen wünschen sich was von ihrem Partner, die anderen wünschen sich einen Partner und wieder andere wünschen allen glücklichen Menschen die Krätze an den Hals. Ernsthaft, kein Mensch geht durch den 14. Februar wie durch alle anderen Tage auch.

Ich bin mir auch sicher: Jeder Leser dieser Kolumne hat eine Erwartung gehabt. Darüber, was in diesem Text geschehen wird. Vielleicht gab es an der ein oder anderen Stelle auch die Hoffnung auf einen herrlichen Zerriss, vielleicht ja was mit Schokolade und Kommerz. Meine Familie wünscht sich sicher, dass ich diesen Tag auch einmal feiere. Und nicht immer nur als Zaungast teilnehme. Ich wünsche mir eigentlich nur schönes Wetter. Und freue mich auf die kleinen Gesten der Liebe, die ich heute überall beobachten werde. Das hättet ihr nicht erwartet, oder?

Über die Autorin

Hing sie früher an Jürgen von der Lippe, hängen ihre heute an Schnaps und schönen Floskeln. Damit ist sie leicht zu ködern, schwer zu ertragen und unmöglich zu halten. Oder doch? Denn verknallen geht schnell, verschwinden aber genau so. Zurück bleibt ein Rattenschwanz – manchmal mit Herzschmerz, manchmal als schöne Erinnerung und manchmal nur mit der Frage, wie das schon wieder passieren konnte?

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