„Upskirting“: Nehmt doch lieber den Otto-Katalog!

Sie filmen unbemerkt unter dem Dirndl der Mädels und veröffentlichen das Material teilweise sogar online. „Upskirting“ nennt sich diese sexuelle Belästigung, auf die die Polizei schon beim Frühlingsfest in diesem Jahr besonders achtete. Unsere Autorin Lea hat den Tätern einiges zu sagen.

Stuttgart – Lieber „Upskirter“, ich verstehe dich nicht. Mithilfe von Smartphones und Selfie-Sticks treibst du auf dem Cannstatter Wasen dein Unwesen und versuchst, Frauen unter den Röcken zu filmen. „Upskirting“ nennt die Stuttgarter Polizei diese Belästigung, die auf dem Wasen im letzten Jahr in mehreren Fällen vorgekommen ist. Was klingt wie ein neuer Modetrend oder die stoffliche Variante von Upcycling ist nichts anderes als besonders dumme Form der sexuellen Belästigung. Dabei hast du doch so viele Alternativen, deine Bedürfnisse zu befriedigen.

Tipp 1: Otto-Katalog oder ins Gesicht schauen

Was willst du da auch groß sehen? Der allergrößte Teil der Mädels wird irgendeine Form von Unterhose tragen, die du auch mit Smartphones und Selfie-Sticks (Gott sei Dank) nicht durchleuchten kannst. Da erwarten dich bessere Bilder, wenn du dir einmal den neuen Otto-Katalog vornimmst und die Unterwäsche-Seiten aufschlägst.

Oder ist es der Kick? Die Gefahr, erwischt zu werden? Es geht dir nicht um die Aufnahmen, sondern um das Aufnehmen. Wenn du schon nicht anfassen darfst, dann doch wenigstens ein bisschen filmen: Unterhosen, die zu „Hulapalu“ wackeln und Beine, die „atemlos“ auf der Bank rumhüpfen. Wow. Ein kleiner Tipp: Anstatt dir bei dem Versuch, mit dem Smartphone unter den Rock deiner Nebendame zu kommen, womöglich noch die Schulter auszurenken, schau ihr doch einfach mal ins Gesicht! Das haben Frauen nämlich auch. Ja, echt! Wenn sie dich nicht für einen Perversen hält, darfst du von ihrem und deinem Gesicht vielleicht sogar ein Foto machen. Ganz legal! Ist doch toll, oder? Dafür wurde so ein Selfie-Stick ursprünglich mal erfunden.

Tipp 2: Tinder und Pornoseiten

Wenn dir das immer noch zu wenig Adrenalin ist: Es gibt da eine App, bei der musst du nur nach links und rechts wischen, um das zu finden, was du suchst. Wunderbare Erfindung. Für deine Bedürfnisse geradezu perfekt. Falls du nicht schreiben kannst oder selbst fürs Wischen zu faul bist, gibt es Leute, die sogar das für dich übernehmen.

Echte Frauen zum Anfassen überfordern dich? Kein Problem. Im 21. Jahrhundert musst du dein pornografisches Material nicht mehr selbst drehen. Geh nach Hause, gib „Pornoseite“ bei Google ein und tu, was immer du für richtig hältst. Aber lass Frauen ein Dirndl tragen ohne die Angst, sexuell belästigt zu werden.

Lieber „Upskirter“, deinem perversen Hobby einen so trendigen Namen zu geben, ist falsch. Du bist nicht modern. Du bist ein feiger Sexist, der keinen Respekt vor Frauen hat. Das ist kein Trend, das ist nicht neu und schon gar nicht hip.

Tipp 3: Bleib zu Hause.

Auf dem Wasen haben dich alle im Auge: Die Polizisten vor dem Zelt, die Ordnungsdienste im Zelt und auch alle anderen wissen jetzt, dass es Leute wie dich gibt. Bemerkt dich die Frau beim Filmen, wird sie Strafanzeige erstatten. Erwischt dich irgendjemand anderes und macht die Polizei auf dich aufmerksam, zahlst bis zu 750 Euro Bußgeld – auch ohne Strafanzeige.

Das Pendant zum „upskirting“ nennt sich übrigens „down-blousing“ – gleiches Prinzip, nur die Bluse runter statt den Rock hoch. Doch egal, ob „Upskirter“, „Down-Blouser“, „Under-Shirter“ oder „Pussy-Grabber“: „Under-educated“ seid ihr alle.

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