Unterwegs am Kesselrand: Wanderungen für Familien

Schwarzwald und Bodensee anstatt Italien und Frankreich? Das Stadtkind präsentiert fünf Wanderungen für Familien direkt vor den Toren Stuttgarts.

Es sind schon wieder Sommerferien. Und das obwohl doch gerade erst die Schulen und Kindergärten wieder geöffnet haben. Corona hat bei vielen Familien die Urlaubsplanung kräftig durcheinander gewürfelt und anstatt Urlaub an der Adria steht in diesem Jahr häufig Urlaub im Ländle an. Wie gut, dass es rund um unseren geliebten Stuttgarter Kessel viele Abenteuer zu entdecken gibt. Wandern mit Kindern macht richtig Spaß.

Wandern mit Kindern – so gelingt das Abenteuer

Jetzt ist das ja so eine Sache mit dem Wandern mit Kindern. Mal klappt es ganz gut, mal hat man schon nach zwei Minuten größte Mühen, die Kinder zum Weitergehen zu motivieren. Da versprechen Eltern schnell mal einen riesigen Eisbecher samt bunten Zuckerstreuseln, um ans Ziel zu kommen. Doch eigentlich klappt es meist ganz gut mit dem Wandern. Zumindest dann, wenn man ein paar Dinge bei der Planung beachtet.

Die Wegstrecke sollte immer ein interessantes Ziel für Kinder haben. Ob das ein See, ein Spielplatz, die Eisdiele nebenan oder eine Burg ist, ist ganz egal. Umso mehr Kinder dabei sind, desto motivierter sind sie. Also gern einfach zusammen mit Freunden auf Tour gehen. Wichtig ist auch, dass die Wanderung nicht zu lang ist. Acht Kilometer sind für den Anfang völlig ausreichend. Niemals darf man Essen und Trinken vergessen. Denn wie verhext, haben die Sprösslinge spätestens nach fünf Minuten riesigen Hunger. Eine Becherlupe, Schnitzmesser, Fernglas oder ähnliches machen eine Wanderung zum ultimativen Abenteuer.

Herrenbach Stausee

Da fährt man gerade mal 25 Minuten mit dem Auto ins Remstal hinaus und schon fühlt man sich nach Skandinavien gebeamt. Mitten in einem dichten Wald, unterhalb der Klosteranlage Adelberg und oberhalb von Schorndorf im östlichen Schurwald, ruht der Herrenbach Stausee. Vom Kloster geht es zunächst mitten durch alte Obstbäume und hohe Wiesen hinein ins Dickicht der Bäume. Wir folgen dem Zeichen mit dem Baum und dem roten Balken. Der geschotterte Weg führt weiter bergab und hin und wieder sieht man schon das Wasser aufblitzen. Doch bevor es direkt zum Seeufer geht, entdecken wir die Koboldklinge. Ein großer Drache, eine Holzbrücke und lustige Spiegel zieren den nett angelegten Märchenweg. Und schwups – die Kinder sind im Glück.

Nur noch wenige Meter weiter und man steht am Seeufer. Der Anblick auf das Wasser, die bewaldeten Ufer und die Ruhe erinnern an Skandinavien. Hier kann man die Füße ins Wasser hängen bevor es weiter zum Barfußpfad geht. Wer Hunger bekommen hat, kehrt in der bewirtschafteten Herrenmühle ein.

Info
www.adelberg.de
Parken auf dem Parkplatz vom Kloster Adelberg, Kloster 25, 73099 Adelberg.
Mit dem Kinderwagen machbar.

Albtrauf-Wanderung Hülben

Steil abfallende Felswände, atemberaubende Ausblicke und anstrengende Aufstiege gibt es nicht nur in den Alpen sondern auch auf der Schwäbischen Alb. Oberhalb von Bad Urach, etwa 50 Fahrminuten von Stuttgart aus, liegt das Örtchen Hülben mitten auf einem Hochplateau. Ein knapp acht Kilometer langer Weg führt flach durch den Wald zum Aussichtspunkt Buckleter Kapf. Vom Wanderparkplatz aus folgt man dem roten Y und biegt gleich am Anfang vom Wald links auf den schmalen Waldweg ein. Die Tour ist nicht für Kinderwagen geeignet. Die kleineren Kinder werden also in die Trage oder Kraxe gepackt.

Wir schleichen über die mit Laub überhäuften Waldwege. Jeder unserer Schritte ist gedämpft. Durch die Bäume erhascht man immer wieder einen Blick auf die steilen Felsen bevor sich am Buckleter Kapf in 730 Metern Höhe ein herrlicher Panoramablick eröffnet. Von hier aus sieht man bis weit hinein ins Ländle, hinab auf den Ort Dettingen und auf die Abbruchkanten der Schwäbischen Alb. Wir machen es uns auf den Bänken bequem, packen unsere Vesperdosen aus und genießen den Ausblick. Über den Nägelesfelsen geht es zurück in Richtung Hülben. Beim Slow Food Bäcker Beckabeck belohnen wir uns mit leckerem Kuchen und hausgemachtem Eis.

Info
www.huelben.de
Parken am Rathaus Hülben, Hauptstraße 1, 72584 Hülben
Man folgt immer dem Wegweiserschild mit dem roten Y.
Die Tour ist nicht für Kinderwagen geeignet.

Naturpark Schönbuch

Südwestlich von Stuttgart, grob gesagt zwischen Böblingen und Tübingen, erstreckt sich mit seinen 156 Quadratkilometern Fläche der kleinste Naturpark in Baden-Württemberg. Startpunkt der Tour ist die Weiler Hütte, die etwa 40 Minuten von Stuttgart entfernt liegt. Von der Hütte aus folgen wir dem „Blauen Strich“. Der Weg führt uns direkt hinein in den Wald zum ersten Highlight.

Im Rotwildgehege beobachten wir Hirsche und Rehe und an interaktiven Tafeln lauschen die Kinder den Rufen verschiedener Waldtiere. Etwas weiter gelangt man zu einem Rastplatz mit großer Weitsprunggrube. Wie weit kannst du hüpfen? Soweit wie eine Maus oder wie ein Fuchs oder gar so weit wie ein Hase? Einfach mal ausprobieren. Nach dem Rastplatz biegen wir rechts in die Stöffelskohlstraße in Richtung des Kleinen Goldbach Tals ab. Wasserläufer und Schmetterlinge tanzen hier übers Wasser und schon bald ist man am Ochsenweiher angekommen. Der Magen knurrt. Nun ist es nicht mehr weit zur Weiler Hütte mit Biergarten, Spielplatz und leckerem Essen.

Info

www.naturpark-schoenbuch.de
Parkplatz Weiler Hütte, Tübinger Straße 100, Weil im Schönbuch.
Die Tour ist Kinderwagen geeignet.

Sommerberg Bad Wildbad

Wer es lebhafter und trubeliger mag, fährt nach Bad Wildbad. Etwa eine Stunde dauert die Fahrt. Vom Ortszentrum chauffiert uns eine Standseilbahn hinauf auf den Hausberg, den Sommerberg. Hier kann man einiges erleben. Vom Baumwipfelpfad, über eine Hängebrücke in schwindelerregender Höhe bis hin zu einem riesigen Abenteuerspielplatz im Wald ist alles dabei.

Gut zu wissen: Jede einzelne Attraktion kostet Eintritt. Der Besuch des Baumwipfelpfades lohnt auf alle Fälle. Brücken aus Holz schlängeln sich auf Höhe der Baumkronen durch den Wald. Infotafeln erklären den Kindern Wissenswertes über den Lebensraum Wald und immer wieder tauchen Kletter- und Spielstationen auf. Der Weg ist schön angelegt und passt sich toll in die Natur ein und am Ende ragt ein 40 Meter hoher Aussichtsturm in die Höhe. Oben angekommen, erspäht man am Horizont sogar den Stuttgarter Fernsehturm.

Am Ende des Baumwipfelpfades befindet sich der Abenteuerwald. Ein riesiger Wald-Spielplatz mit vielen Klettermöglichkeiten. Und auch bis zur Wildline, der 380 Meter langen Hängebrücke, ist es nicht mehr weit. Diese Brücke ist aber wirklich nur etwas für schwindelfreie Menschen. In 60 Meter Höhe über dem Grund schwingt sie nämlich ordentlich hin und her. An schönen Tagen wird es auf dem Sommerberg gern mal richtig voll und man muss mit Wartezeiten rechnen.
Wer es ruhiger mag, nimmt den Weg durch den Wald zur Grünhütte. Hier gibt es super leckere, riesige Pfannkuchen.

Info

www.bad-wildbad.de/sommerberg
Parken im Parkhaus Stadtmitte, Ladestr. 1, 75323 Bad Wildbad oder Anreise mit dem Zug.
Mit dem Kinderwagen machbar.

Ruine Greifenstein

So richtig wie ein Ritter können sich Kinder auf einer Entdeckungstour zu Burgen und Burgruinen fühlen. Und davon gibt es auf der Schwäbischen Alb reichlich. Auf der Tour von Holzelfingen zum Hof Stahleck und weiter zur Ruine Greifenstein gibts für Kinder viel zu entdecken. Mit dem Auto fahren wir 50 Minuten vom Kessel aus in Richtung Reutlingen. Das letzte Wegstück führt uns über eine kurvenreiche Straße hinauf in das Örtchen Holzelfingen, das vor allem im Winter durch seine Wintersportarena mit etlichen Langlauf-Loipen und Pisten bekannt ist. Durch Felder und Wiesen führt der Weg zunächst flach in den Wald hinein. Wir folgen stets dem Zeichen „Roter Dreiblock“ und sehen schon bald den Hof Stahleck – perfekt für eine Pause! Regionales Essen, toller Spielplatz und viel Platz hat es hier. Zur Freude der Kinder befindet sich gleich nebenan ein großer Kuhstall. Weiter führt der Weg nun bergauf durch den Wald in Richtung Ruine Greifenstein. Es wird holprig und der Weg wird schmal. Den Kinderwagen muss man immer wieder über Wurzeln und Steine heben. Besser man packt kleine Kinder also gleich in die Trage oder Kraxe. Schon auf dem Weg entlang des Albtraufs erhascht man tolle Ausblicke. Getoppt wird er aber mit dem Blick von der Ruine Greifenstein. Weit hinaus ins Land und direkt auf die Burg Lichtenstein schaut man von hier. In der Ruine gibt es eine gemauerte Grillstelle. Wir suchen Stöcke, machen Feuer, packen Würstchen und Stockbrotteig aus und fühlen uns wie große Abenteurer.

Info

www.gemeinde-lichtenstein.de
Parken entlang der Römerstraße in 72805 Lichtenstein
Man folgt dem Zeichen „Roter Dreiblock“ und dann dem Schild „Burgen-Weg“.
Machbar mit Kinderwagen, wenn man ihn ab und an über Wurzeln und Co. trägt. Besser mit Kraxe und Trage.

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