Unterwasserrugby: „Es ist schon sau anstrengend“

Lesen, Kochen und Reiten können viele und kennen alle. Langweilig. Stuttgart hat viel mehr auf Lager: Wir stellen euch in dieser Reihe die schrägsten Hobbies der Stuttgarter vor. Den Auftakt macht: Unterwasserrugby beim Tauchclub Suttgart.

Stuttgart – Unterwasserrugby hat es nicht leicht. Selbst wenn der Sport bekannter wäre, würde er nie die Menge an Zuschauern anlocken, die sonntags den lokalen Fußballverein auf dem Sportplatz nebenan anfeuert. Das ist auch wenig verwunderlich, denn: Man sieht ja nichts. Während sich die Spieler flink im Wasser winden, sich raufen, vorpreschen, am Ball zerren, ihn gezielt passen und dabei auch noch die Luft anhalten müssen, wirkt die Szenerie für den Zuschauer am Beckenrand eher wie ein chaotischer Haifischtanz mit viel schäumendem Wasser und wenig Logik.

Haifischtanz im Schwimmerbecken

„Wie Fische bei der Fütterung“, hat es die Freundin von Martin Wendnagel einmal beschrieben, wenn sich alle Spieler beim Startsignal auf den Ball in der Mitte des Beckenbodens stürzen. Eine ziemlich treffende Beschreibung, fand Martin. Seit zehn Jahren spielt er Unterwasserrugby, früher sogar in der U21-Nationalmannschaft, heute in der Ersten Bundesliga Süd beim Tauchclub Stuttgart. Der 24-Jährige hat Wirtschaftsinformatik an der Universität Stuttgart studiert, den Master macht er gerade in Mannheim. Seinem Stuttgarter Verein ist er aber treu geblieben.

„Mein Vater hat mich auf den Sport gebracht“, erzählt Martin. Auch der habe früher Unterwasserrugby gespielt und seine Kinder dann mehr oder weniger freiwillig in den Schwimmkurs gesteckt. Martin war das ständige Bahnenschwimmen aber bald viel zu langweilig, er wollte endlich mitspielen. Seitdem fasziniert ihn der Sport: „Im Gegensatz zu allen anderen Sportarten ist Unterwasserrugby dreidimensional: Der Gegner kann von vorne und hinten, links und rechts, aber auch von oben und unten kommen – das macht es so super spannend!“

Martin Wendnagel, 24, macht seit zehn Jahren Unterwasserrugby.

Luft holen und abtauchen!

Das Spielprinzip bei Unterwasserrugby ist einfach: An den gegenüberliegenden Beckenrändern sind zwei Körbe im Boden verankert – vergleichbar mit Basketballkörben. Der Hartgummiball ist mit Salzwasser gefüllt, dadurch sinkt er im Becken nach unten. Ziel des Spiels ist es, den Ball in den gegnerischen Korb zu bugsieren. Gespielt wird sechs gegen sechs. Es darf immer nur der Spieler angegriffen werden, der den Ball gerade hat. Schlagen, Treten oder am Schnorchel eines Spielers zu ziehen ist verboten. Ansonsten ist aber fast alles erlaubt – Rugby eben.

Die große Schwierigkeit dabei: Man kann dabei nicht atmen. Die Spieler sind nur mit einer Schnorchelmaske ausgestattet und nicht – wie viele denken – mit einer Sauerstoffflasche. Also: Luft holen, abtauchen, auspowern und wieder hoch zum Luft holen. Bei einer Beckentiefe zwischen 3,60 Meter und 5,50 Meter sorgt das auch für ordentlich Druck auf den Ohren.

Als Zuschauer am Beckenrand sieht man nur wildes Gewusel.

„Unterwasserrugby ist sau anstrengend“

„Es ist schon sau anstrengend“, sagt Martin Wendnagel. Oft wird er gefragt, wie lange er denn unter Wasser die Luft anhalten könne. Im Ruhezustand gehe das schon ein paar Minuten, meint er. „Aber wenn man im Spiel Vollgas gibt, geht es natürlich nicht so lange.“ Weil der Sport so anstrengend ist, hat jeder Spieler normalerweise einen Wechselpartner, der ihn immer nach zwei bis drei Minuten ersetzt. Insgesamt geht ein Spiel zweimal 15 Minuten.

Wie der Sport entstanden ist, lässt sich nicht mehr ganz nachvollziehen. Klar ist, dass er in den Sechzigerjahren erfunden wurde – und seinen Ursprung wohl auch in Deutschland hat. Zumindest fand 1964 das erste Spiel in Mühlheim an der Ruhr statt. Und auch, wenn der Sport relativ unbekannt ist, gibt es mittlerweile in jeder größeren Stadt einen Verein, in Baden-Württemberg beispielsweise noch in Heilbronn, Karlsruhe, Freiburg und Malsch.

„Man muss eine Wasserratte sein“

Sicher – Unterwasserrugby ist nicht für jeden etwas. „Man muss schon eine Wasserratte sein“, sagt Martin: „Wer Wasser nicht mag, kann mit Rugby nicht viel anfangen.“ Wer den Sport aber einmal ausprobieren möchte, kann das am besten donnerstags beim Training der Universität Stuttgart machen, sagt der Student: „Da kommen Leute, die den Sport gar nicht kennen, und schauen sich das mal an.“

Für sein Training hat sich Martin Badehose, Flossen, Schnorchel und eine Badekappe angezogen. Lange hält es ihn nicht am Beckenrand. Ein paar Bahnen schwimmen zum Warmwerden, dann wird endlich gespielt. Von Martin sieht man von da an nicht mehr viel. „Rugby schauen macht viel weniger Spaß als Fußball schauen“, sagte er zum Abschluss. „Aber Rugby spielen macht viel mehr Spaß als Fußball spielen.“

Ihr könnt euch immer noch nicht ganz vorstellen, wie Unterwasserrugby aussieht? Dann schaut euch dieses Video an:

Das Unterwasserrugby-Training der Universität Stuttgart findet immer donnerstags von 19.30 bis 20.30 Uhr im Stadtbad Untertürkheim statt.

Fotos: Lea Weinmann und privat/Waidiland