Unsinn, Schnaps und nackte Haut: Die Manège Rustique sagt Tschüss

Manchmal ist alles, was man braucht, eine Bühne. So auch metaphorisch – und ganz aktuell – bei Nele Bosch und ihren Kollegen. Denn am 24. November heißt es vorerst zum letzten Mal: Vorhang auf und herzlich willkommen in der Manège Rustique.

Stuttgart – Die Treppen in die Unter- oder Parallelwelt des Nachtlebens sind bald für Nachtpublikum für immer unzugänglich. Ein journalistisches Lauffeuer, schließlich gehört der Keller Klub seit Jahren zur festen Instanz des Stuttgarter Nachtlebens und ist auch als Konzertlocation ein Meilenstein, der jetzt wegfällt. „Locations dieser Größe gibt es nicht viele in der Stadt“, ist auch die Sorge von Nele Bosch. Als die 24-jährige Stuttgarterin, die besser bekannt ist unter ihrem Künstlernamen Fräulein Flauschig, ihre Idee einer eigenen Burlesque-Show vor zweieinhalb Jahren umsetzte, wäre das ohne den Keller Klub wohl nicht möglich gewesen. Denn die Location bietet eine Bühne, ausreichend Platz für 200 Gäste, die Technik und vor allem die Möglichkeit, ihn ohne Raummiete zu nutzen. Das ist besonders wichtig für kleinere Veranstaltungen, die mit solchen Kosten gar nicht erst zustande kommen würden.

„Ich bin diejenige, die es angefangen hat und aufhört.“

Das ist auch die Schwierigkeit jetzt für Nele und ihr Team, bestehend aus Sad Simon und Celeste De Moriae. „Eine Show kostet so schon um die 2000 Euro. Wir wollen faire Gehälter zahlen, unsere Gäste vernünftig unterbringen.“ Auch wenn vieles selfmade ist – in Neles Wohnzimmer steht eine Nähmaschine, an der sie ihre Kostüme selber fertigt. Das finanzielle Risiko trägt Nele selber. Um auch ohne die bisherige Location weiter machen zu können, ist sie aktuell auf der Suche nach Förderern.

Die erste Manège fand im März 2016 statt, doch eigentlich gibt es sie schon viel länger. Wie es mit guten Ideen ist, müssen diese erst wachsen und reifen, bevor man sie in die Welt entlässt. So auch bei Nele, die seit ihrem 5 Lebensjahr tanzt. Als sie mit 17 wieder aufhörte, merkte sie schnell, dass ihr die Bühne fehlt. Parallel besuchte sie selber zum ersten Mal eine Burlesque-Show und hat sich direkt in das Genre verliebt.

„Es geht nicht ums Ausziehen oder nackt sein. Sondern um das Spiel mit den Erwartungen des Publikums.“ Der sogenannte Tease, also die Idee des Publikums, was jetzt passieren könnte. Das drückt auch das Wort Burlesque selber aus, bedeutet es in seinem Ursprung Schabernack. Deshalb gibt es bei der Manège nicht nur Burlesque, sondern Kunst in ganz vielfältiger Art: Sänger, Pianisten, Feuerkünstler und Drag-Performer standen schon auf der Bühne. Dabei orientiert sich die Manège nicht an einem glamourösen Vorbild. Sondern inszeniert sich gedanklich in einer verrauchten Kneipe irgendeiner Hafenstadt. In erster Linie geht es um den Spaß. So sei auch das Feedback der Gäste auf und vor der Bühne. Jeder soll mit einem guten Gefühl, Spaß und viel Gelächter nach Hause fahren.

„Die Manège ist eine intensive Erfahrung.“

An dieser Stelle möchte Nele auch an Lob an Stuttgart(er) aussprechen. So schwer sich Veranstalter mit der Stadt selber tun, so toll ist im Gegenzug das Publikum der Manège. Die Interaktion mit dem Publikum ist zentraler Bestandteil jeder Show und das Einzige, dessen Verlauf man nicht planen kann. Es gab noch keinen Abend, an dem sie nicht positiv überrascht wurde.

Ihr persönliches Highlight aus den bisherigen Shows? „Einmal war ich verletzt und konnte nicht an der Show teilnehmen. Deswegen saß ich im Publikum und sah zum ersten Mal unsere eigene Show.“ Irgendwie würde sie auch die letzte Manège Rustique am 24. November ganz gerne im Publikum genießen. Aber Fräulein Flauschig und ihre Gäste werden auf der Bühne stehen und tun, was sie ziemlich gut können: Ihre Zuschauer mitnehmen in die Welt von Spaß und Klamauk und erst gehen lassen, wenn jeder Bauchschmerzen vor Lachen hat. Und ganz in echter Burlesque-Manier ein Tease zum Schluss: „Wenn ich mir eine neue Nummer ausdenke, überlege ich immer zuerst, wie das Kostüm aufgehen soll.“

Tickets gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen online und offline, der Preis beträgt 22 Euro. Zudem wird es eine Abendkasse geben.

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