#Unhatewomen: Kampagne gegen Sexismus im Rap

Mit der Kampagne #Unhatewomen macht die Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes Frauenverachtung in den Texten erfolgreicher deutscher Rapper sichtbar.

Stuttgart – In der vergangenen Woche hat Terre des Femmes gemeinsam mit der Berliner Agentur Philipp und Keuntje #Unhatewomen ins Leben gerufen. Mit der Kampagne will die Frauenrechtsorganisation auf die frauenverachtende Sprache in deutschen Raptexten aufmerksam machen.

Unhatewomen: Gegen frauenverachtende Texte

Im Fokus der Kampagne steht ein Youtube-Video mit dem Titel „#Unhatewomen: Es ist Zeit etwas zu ändern“, in dem Frauen aus den Texten erfolgreicher deutscher Rapsongs zitieren. Ohne unterlegte Beats, ohne Kontext und mit ruhiger Stimme vorgetragen, entfalten die Textpassagen eine ganz neue Wirkung und zeigen nur eines: verbale Gewalt gegen Frauen.

Die Frauen lesen aus Texten von bekannten Rappern wie Finch Asozial, Gzuz, Bones MC, Kollegah und Fler. Es sind Lieder, die tausend- und millionenfach gestreamt werden. Die genaue Zahl wird im Video eingeblendet.

„Du bist eine Fotze, die nach zwei Bier schon auf der Theke tanzt, also laber uns nicht voll mit deinem Mädelskram“ (Finch Asozial, 2.902.844 Aufrufe), „Baller der alten Drogen ins Glas, Hauptsache Joe hat seinen Spaß“ (Bones MC & Gzuz, 1.892.884 Aufrufe), „Die Bitches heute wollen Jungfrau bleiben. Zwei Optionen – Arsch oder Mund auf, Kleines“ (Kollegah & Farid Bang, 10.975.214 Aufrufe).

Dass in vielen Raptexten Frauen herabgewürdigt werden, frauenverachtende Sprache verwendet und nicht selten Gewalt verherrlicht wird, ist nicht neu. Stets wird mit der Kunstfreiheit argumentiert, wenn es darum geht, Erklärungen zu finden – von Rappern aber auch von Hörern.

Terre des Femmes stellt das mit ihrer Kampagne in Frage: „Gewalt gegen Frauen ist nicht immer nur physisch. Auch Sprache kann Gewalt sein. Verbale Gewalt gegen Frauen wird millionenfach gehört, geliked und gefeiert – und so zum Teil unseres Alltags und unserer Sprache. #Unhatewomen macht diese Gewalt gegen Frauen sichtbar“, schreiben die Initiatorinnen auf ihrer Homepage. Sie fordern dazu auf, den Hashtag zu verbreiten und unter frauenverachtende Texte, Songs oder Posts zu platzieren. „Bring die Gewalt zur Sprache und sensibilisiere dafür, dass auch Worte Gewalt sein können. Damit Hassrede gegen Frauen nicht weiter unwidersprochen bleibt und zur Normalität wird.“

Die Reaktionen auf die Kampagne folgten prompt. Unter dem Youtube-Video wird rege diskutiert. Fler hat einer Instagram-Nutzerin, die das Video geteilt hatte, in einer Nachricht gedroht. Terre des Femmes appellierte in einem Facebook-Post an alle, sich nicht einschüchtern zu lassen und weiterhin frauenverachtende Hassrede öffentlich zu kritisieren, auch und vor allem von Musikerinnen und Musikern. „Unsere Kampagne #unhatewomen hat eines eindrucksvoll offenbart: Wortgewalt führt zu Wortgewalt. Heute ist es mehr denn je notwendig, sich weiterhin gegen frauenverachtende #Hassrede zu wehren.“ Die Kampagne geht weiter.

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Titelfoto: Unsplash/Sydney Sims

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