Über die Selbstoptimierung und wieso ich keine Lust mehr darauf habe

Kein Mensch ist perfekt, schließlich kann sich jede*r irgendwie ständig verbessern. Unsere Autorin erklärt, warum sie keine Lust mehr auf Selbstoptimierung hat.

Stuttgart – Selbstoptimierung, der neuste Trend in Bezug auf Persönlichkeitsentwicklung und Selbstmanagement. Eigentlich klingt das doch ganz harmlos: Hier mal ein bisschen mehr Sport machen, da mal ein bisschen mehr Wasser trinken. Aber was macht es mit uns, wenn wir uns ständig selbst optimieren wollen? Erreichen wir irgendwann wirklich „den perfekten Zustand“ oder machen wir uns nur unnötig Druck?

Eigentlich bin ich ja zufrieden mit mir, aber…

… irgendetwas sagt mir: Unfehlbar bist du nicht, es gibt durchaus einiges, was du optimieren könntest! Und wenn man einmal anfängt, darüber nachzudenken, ist die Liste des Selbstoptimierungspotentials wirklich lang:

Man könnte doch noch viel nachhaltiger leben, sich ausgewogener ernähren und generell viel mehr Wasser trinken (aber nicht Kaffee, den Konsum sollte man eher runterfahren!). Und eigentlich sollte man sich neben den täglichen Geschehnissen viel mehr zu Themen wie Rassismus, Klima und Feminismus informieren. Und der Blick auf die Schrittzähler-App zeigt: mehr Bewegung! Denkt aber auch daran, Freunde und Familie zu sehen und generell regelmäßigen sozialen Kontakt zu haben – und mindestens acht Stunden zu schlafen!

Das alles läuft natürlich neben eurem sehr erfolgreichen Job oder Studium, ohne dass euer persönliches mentales Wohlbefinden darunter leidet. Also eigentlich ein Kinderspiel, sich selbst zu optimieren!

Klar, das ist jetzt alles sehr überspitzt ausgedrückt. Aber manchmal empfinde ich tatsächlich diesen seltsamen Druck an mich selbst, das Bestmögliche aus mir herausholen zu müssen. Nach dem Motto: Was ist denn sonst der Sinn des Lebens, wenn wir nicht unser Bestes geben?

Woher kommt der Druck zur Selbstoptimierung?

Foto: Christian Erfurt | Unsplash

Ein gewaltiger gesellschaftlicher Druck wird, meines Erachtens nach, über Social Media verbreitet. Grund dafür: Viele Nutzer*innen tendieren dazu, sich zu vergleichen – und zwar mit ihnen gänzlich unbekannten Menschen, über deren Lebensumstände sie eigentlich nichts wissen. Das finde ich sehr gefährlich, denn die meisten Menschen posten eben nicht, wenn ihnen etwas nicht gelingt und sie scheitern. Oder wie viel Arbeit und wahrscheinlich auch emotionale Tiefen hinter ihrem Erfolg stecken. Man sieht ein unvollständiges Bild, dem man nacheifern will – und wundert sich dann, dass es gar nicht so leicht ist. Und ja, es gibt eine Bewegung für mehr realness auf Instagram, aber die überwiegende Mehrheit besteht leider (noch) aus dieser perfekten Scheinwelt.

Natürlich spielen noch sehr viel mehr Faktoren eine Rolle, weswegen Selbstoptimierung in aller Munde ist. Schließlich leben wir in einer Leistungsgesellschaft, in der man einfach funktionieren muss. Leider wird die mentale Gesundheit immer noch viel zu wenig besprochen – aber sie ist essentiell für einen gesunden Körper!

Mein Problem mit der Selbstoptimierung: Wann ist denn das Optimum erreicht?

Wann haben wir denn „die beste Version unserer selbst“ erreicht und kann man diesen Zustand überhaupt auf Dauer beibehalten? Zwar lassen sich die täglichen Schritte und die eigene Kalorienaufnahme quantifizieren, überprüfen und dadurch optimieren. Aber wie kann man persönliches Wohlbefinden auf einer Skala darstellen – und immer auf dem Höchstwert halten?

Ich glaube schlicht und einfach, dass das nicht möglich ist und dass wir aufhören müssen, diese übertriebenen Ansprüche an uns selbst zu haben. Genauso sollten wir nicht immer in Superlativen denken. Man kann nicht stets 200 Prozent geben, unser Körper braucht auch Zeit, um zu regenerieren. Vielmehr sollten wir uns auch mal selbst dafür loben, was wir tagtäglich alles bewältigen, ohne dass wir es eigentlich wahrnehmen. Auch, wenn wir nicht alles geschafft haben, was wir uns vorgenommen haben. Manchmal sind eben 100 Prozent möglich und manchmal „nur“ 40 Prozent – und das ist völlig okay und normal!

Ja, ich will die beste Version meiner selbst sein – aber dabei trotzdem ICH bleiben

Fakt ist: Es ist natürlich gut und wichtig, an sich selbst zu arbeiten und sich in seinem eigenen Tempo weiterzuentwickeln. Aber der Wunsch nach Selbstoptimierung sollte nicht so groß sein, dass er unsere Leben beherrscht und wir uns aufgrund unrealistischer Ziele konstant selbst enttäuschen! Wir können nicht alles optimieren im Leben – und genau das macht es ja auch so spannend. Mein persönliches Fazit:

Ich habe keine Lust mehr, mich selbst zu optimieren, sondern ich will das tun, was mir gut tut. Stichwort Selbstakzeptanz statt SelbstoptimierungUnd das bedeutet, dass ich meinen Ansprüchen an mich selbst auch mal eine Pause gönne, statt immer irgendwelchen Idealen in meinem Kopf hinterher zu hecheln!

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