Über die Abschaffung der Zeit-
umstellung

Unserer Autorin bringt die Zeitumstellung genau eines: eine Stunde mehr Schlaf zum Einstieg in die Winterzeit. Jetzt soll sie abgeschafft werden.

Stuttgart – Die Zeitumstellung – vor der digitalen Zeitansage ließ sie uns zwei Mal im Jahr etwas im Regen stehen. Denn war es jetzt 14 oder schon 15 oder doch erst 13 Uhr? Stellt man vor oder zurück? Auch wenn sich Zeitanzeiger inzwischen meistens selber umstellen, ist das Verschieben der Zeiger jedes Mal Thema. Braucht man die Zeitumstellung denn überhaupt noch?

Sie wurde eingeführt, um Tageslicht besser nutzen zu können: Lange Tage im Sommer heißt eine Stunde länger hell. Da sich im Winter die Sonne recht früh verabschiedet, nutzte man hier eher die frühen Morgenstunden. In Deutschland wurde das System 1980 eingeführt. Das war wichtig, denn Elektrizität war kaum vorhanden, da musste man natürlich Ressourcen so gut wie möglich nutzen. Stellt sich die Frage, wie schwer es gewesen sein muss, die Sonnenuhr bei der Zeitumstellung anzupassen. Aber das ist ein anderes Thema.

Zeit umstellen – noch en vogue?

Über die Sinnhaftigkeit diskutiert man schon länger. Vor allem in Zeiten, in denen das An- und Ausschalten von Energiesparlampen mehr Strom kostet, als sie einfach brennen zu lassen. Deswegen gab es bis zum 16. August eine EU-weite Abstimmung über das Thema. Sollte die Zeitumstellung bleiben oder abgeschafft werden? Und wenn ja, präferierten EU-Bürger eher Sommer- oder Winterzeit? Seit kurzem ist das Ergebnis bekannt: etwa 4,6 Millionen Bürger beteiligten sich an der Umfrage. Und es ist eindeutig: mehr als 80 Prozent der Teilnehmer wünschen sich eine Abschaffung der Zeitumstellung. Ebenfalls stimmte die Mehrheit für das Beibehalten der Sommerzeit.

Auch wenn die Umfrage rein repräsentativ war, verkündete der EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker heute, dass man diesem Ergebnis Folge leisten möchte. Dafür müssen nur noch das EU-Parlament und die einzelnen EU-Staaten zustimmen. Einige hatten sich schon davor positiv gegenüber der Abschaffung ausgesprochen. Erstaunlicherweise die Nordlichter der EU wie Finnland oder Estland. Die kommen beim Thema Tageslicht generell eher zu kurz. Und sind trotzdem so weitsichtig. Auch in Deutschland hatte erst im Frühling die FDP einen Vorstoß in Sachen stabiler Zeitangabe gewagt. Der Vorschlag wurde aber abgelehnt. Das ist in dem Sinne lustig, da von den 4,6 Millionen Teilnehmern der Umfrage ein Drittel aus Deutschland kommt.

Bye, bye, bye

Es könnte also sein, dass wir dieses Jahr am 28. Oktober zum letzten Mal die Uhr eine Stunde zurück stellen. Und ich kann nicht erkennen, was dagegen sprechen sollte. Denn nenne mir einer einen glasklaren Vorteil davon, am Zeiger zu schieben. Außer, dass man zwei Mal im Jahr etwas anderes zu reden hätte als über das Wetter. Ein weiteres Mal zeigt sich, dass man nicht immer an allem festhalten muss, nur weil „man das halt schon immer so macht“. Oder zumindest seit 1980. Was davor funktioniert hat, wird sicher auch jetzt klappen. Denn man darf nicht vergessen: wir sind, was künstliche Lichtquellen angeht, viel besser ausgestattet. Außer vielleicht in den Umkleidekabinen von H&M, die könnten ruhig mal den Tageslichtfilter für sich entdecken.

Sollten wir in zehn Jahren feststellen, dass wir uns durch die Abschaffung Geld- und Energietechnisch ganz schön ins kostspielige Jenseits katapultiert haben, dann holen wir die Umstellung einfach ganz schnell wieder zurück. Immerhin können wir dann sagen: At least we tried.

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