Twenty Something: Zeit für Zukunftspläne und falsche Entscheidungen

Mitte 20 und keinen Plan – oder doch? In der „Twenty Something“-Kolumne schreibt unser Autor heute über die Zukunft, mit der man sich unausweichlich irgendwann beschäftigen muss. Er stellt fest: Manchmal ist es besser, sich falsch zu entscheiden, statt es vor sich herzuschieben.

Stuttgart –  „… ja genau. Und vor allem ist man jetzt in einer Situation, in der man seine Entscheidungen zum ersten Mal vor sich selbst rechtfertigen muss – und das fühlt sich manchmal echt hart an.“ „Vollkommen richtig“, denke ich, und nippe an meinem Wulle. Basti, der diesen treffenden Kommentar zum Besten gegeben hat, und einige weitere Freunde von mir stehen mit Bier in der Hand auf der Dachterrasse vom Max-Kade-Wohnheim in Stuttgart Mitte. Es ist Mittwoch. Und heute dreht es sich um ein Thema, das so gar nicht zur entspannten Stimmung hier passt, uns aber alle in letzter Zeit recht oft beschäftigt: die Zukunft und die damit verbundenen Entscheidungen.

Auf ins Undefinierte

Ich denke darüber nach, was Basti gesagt hat. Wenn ich mein Leben – oder die letzten Jahre – Revue passieren lasse, dann hat sich alles so angefühlt, als wäre es vorbestimmt gewesen. Das Bachelorstudium war nach dem Abi einfach der logische nächste Schritt – immerhin war man drei bis vier Jahre lang sinnvoll beschäftigt. Ähnlich wie beim anschließenden Master. Jetzt aber, nachdem man mit allem durch ist, ist dieser unausweichliche Moment gekommen, an dem man nicht mehr drumherum kommt, auf die Frage „Was will ich eigentlich (machen)?“, eine Antwort finden zu müssen.

Geld auf dem Boden vom Max Kade Wohnheim
Endlich Erwachsen und Geld verdienen?

Die Problemchen der Millennials

Und jeder, der über dreißig ist und das hier liest, rollt an diesem Punkt höchstwahrscheinlich mit den Augen. „Ach, diese Problemchen der Millennials.“ Aber lasst euch gesagt sein: Viel Auswahl, viele Möglichkeiten und viele Wege sind zwar ein Privileg, machen das Leben aber erstmal nicht einfacher.

Wenn man an diesem Punkt steht, kann das schnell sehr unentspannt sein. Gerade die Masterarbeit abgegeben und gefühlt stehen einem alle Türen, Städte und Jobs offen. Das ist zwar toll, macht aber auch eine scheiß Angst. Was, wenn man sich falsch entscheidet? Wenn man überhaupt nicht weiß, was man gerade möchte? Zusätzlich habe ich das Gefühl, dass wir Deutschen uns besonders stark über und mit unserem Job identifizieren. Schaffe, schaffe und so. Das macht es nicht wirklich besser.

Was wollen wir eigentlich?

„Was wollen wir eigentlich?“ Vielleicht sollte man die Endgültigkeit dieser Frage ein wenig entkräften. Man trifft ja schließlich keine Entscheidung, die über den Rest des Lebens bestimmt. Heutzutage bleibt man in einem Job vielleicht im Schnitt zwei Jahre bevor man sich weiterentwickelt oder umorientiert.

Vielleicht sollte man die Frage also umformulieren in: „Was wollen wir eigentlich JETZT gerade?“ klingt schon mal nicht mehr ganz so bedeutungsschwer.

„Sich lieber falsch entscheiden“

Klar, trotzdem habe ich Bedenken, einfach in eine Richtung loszurennen. Doch die Entscheidung vor sich herzuschieben scheint nur auf kurze Sicht bequem – langfristig ist das keine Lösung. Dann sich lieber falsch entscheiden, um eine Erfahrung reicher werden und weitermachen, anstatt ständig auf der Stelle zu treten. Ich beende meinen inneren Monolog, trinke mein Bier aus und folge den anderen auf die Tanzfläche.

Beim Schreiben dieses Artikels gehört

Über den Autor

Irgendwo zwischen 20 und 30, Sonntagen mit Katerbeigeschmack, lauen Sommernächten über den Dächern Stuttgarts und benebelten Lebensphilosophien am Küchentisch, schreibt unser Autor in seiner Kolumne über Quarter-Life-Krisen, die Ups and Downs des Single-Lebens, Selbstverwirklichung oder wie viele Tassen Kaffee am Tag wirklich ungesund sind. Eben über all die wichtigen und unwichtigen Fragen, die man sich mit Twenty Something so stellt.

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