Twenty Something: Von Jahreswechseln und Abschieden

Mitte 20 und keinen Plan. In der „Twenty Something“-Kolumne schreibt unser Autor dieses Mal über den Jahreswechsel.

Stuttgart – Mit 2019 im Rücken bricht eine neue Dekade an. Ein bedeutungsschwerer Neustart oder doch einfach nur eine neue Zahl auf dem Handydisplay? Egal wie man eine Jahres- oder Jahrzehntwende gewichtet, wir tendieren doch alle dazu, unsere Zeit in den erschaffenen Gefäßen zu messen. Stunden, Tage, Wochen, Monate, Jahre – wir neigen dazu, unsere Handlungen anzupassen. Wir sprechen von Neuanfängen, sagen uns „das wird ein gutes Jahr“ – „besser als 2019“, verabschieden uns von alten Gewohnheiten, Lebensarten oder Fehlern, als wäre die Jahreswende eigentlich eine Großputzaktion, die wir nutzen, um endlich unser Leben umzukrempeln.

Jahreswechsel sind unserem Leben erstmal egal

In Wirklichkeit ist es unserem Leben höchstwahrscheinlich schlichtweg egal, ob da eine 18, 19 oder 20 am Ende der 2000 steht. Es geht einfach weiter. Ob geplant oder nicht. Auch bei mir ist das so. Und das bedeutet: Viele Veränderungen stehen bevor, vor allem eine die mit einem tatsächlichen (ziemlich großen) Abschied verbunden ist. Und das ganz unabhängig vom Jahreswechsel.

Dieses ganze Philosophieren über Jahreswenden, neue Anfänge und auch Abschiede hat mich generell zu der Frage gebracht, wie sich Abschied nehmen eigentlich anfühlt. Aber kein hastiges Tschüss – wie wenn jemand zum Zug oder Flughafen muss, man sich kurz drückt und dann weg ist. Sondern ein langes, geplantes Verabschieden. Ich denke, das ist für jeden Menschen anders. Daher hier mal ein kurzer Einblick, wie genau sich so ein Abschied bzw. eine große Veränderung für mich anfühlt.

Wie sich Abschied nehmen für mich anfühlt

„Ich stehe vor oder auf einem großen Gefährt, nein Moment, ich bin in dieser Metapher das große Gefährt – meistens ein Schiff oder ein Heißluftballon. Dieses Gefährt (egal ob Schiff oder Ballon) ist mit unzähligen Tauen am Land befestigt, so fest, dass es sich unmöglich weiterbewegen kann. Und das ist zu diesem Zeitpunkt auch gut so, denn alles soll ja an Ort und Stelle bleiben. Jetzt aber kommt die Entscheidung zu einem (lang geplanten) Abschied bzw. einem Weiterziehen. Und plötzlich wird man sich der Taue um einen bewusst, die einen festhalten.

Je näher der Abschied rückt, desto mehr Taue lösen sich aus der Verankerung. Es ist kein unangenehmes Herausreißen, sondern ein Ablösen. Je näher der Zeitpunkt kommt, desto weniger Taue halten einen fest. Das Gefährt schippert schon freier im seichten Kielwasser, oder hebt schon ein wenig vom Boden ab, und weiß genau wo es jetzt hingeht.

Und dann passiert etwas Komisches in einem. Der Normalzustand hat sich verändert, man möchte nicht mehr sicher „vertaut“ im vertrauten Hafen sein, die große weite See oder der Himmel sind schon fast spürbar und man zieht schon fast aktiv an den letzten Strängen, die einen jetzt noch versuchen festzuhalten. Und dann, irgendwann, wird auch das letzte Tau gelöst und die Fahrt beginnt.“

Ein natürlicher Blick zurück und vor

Was ich eigentlich sagen will: Natürlich ist der Jahreswechsel ein passender Zeitpunkt um innezuhalten, sich Gedanken um Neuanfänge und Abschiede zu machen. Kein Wunder. Denn wenn der Kalender schon „Neuanfang“ schreit, kann man schlecht weghören.

Doch wir sollten unsere Abschiede und Neuanfänge nicht an das Ende oder den Anfang eines Jahres binden. Denn am Ende ist es doch nur eine Zahl auf Papier – und wir bestimmen selbst wann, wie und wo es weitergeht.

Beim Schreiben dieses Artikels gehört

Über den Autor

Irgendwo zwischen 20 und 30, Sonntagen mit Katerbeigeschmack, lauen Sommernächten über den Dächern Stuttgarts und benebelten Lebensphilosophien am Küchentisch, schreibt unser Autor in seiner Kolumne über Quarter-Life-Krisen, die Ups and Downs des Single-Lebens, Selbstverwirklichung oder wie viele Tassen Kaffee am Tag wirklich ungesund sind. Eben über all die wichtigen und unwichtigen Fragen, die man sich mit Twenty Something so stellt.

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