Twenty Something: Serien-Momente, die das Leben schreibt

Mitte 20 und keinen Plan. In der „Twenty Something“-Kolumne geht es dieses Mal um Momente, für die wir auch die unangenehm emotionalen Situationen im Leben in Kauf nehmen.

WG Tisch mit Zigaretten und Wein

Stuttgart – Hier sitze ich nun also – schummriges Licht, schummrige Haltung und schummrige Stimmung. Lasst mich euch mit Worten ein Bild malen: Meine Brille liegt vor mir auf dem Tisch, daneben ein Chaos aus Drehtabak, Rotweinpfützen und zwei Gläsern. Wieder in der WG-Küche, wieder ein Kopf voller Rotwein und wieder zu viele Kippen. Moment mal, euch überkommt ein Deja-Vu Gefühl? Mich auch! Der aufmerksame Leser erinnert sich jetzt bestimmt an meine September-Story, als ich euch von der Achterbahnfahrt als frischgebackener Single erzählte.

Da sind sie wieder, die Achterbahn-Momente

Ganz passend dazu rollt mein Hirn alte Erinnerungen auf wie eine analoge Kamera bei der der Film irgendwo hängen geblieben ist. Dazu kommen neue, frische Erinnerungen, live und in Farbe, die nicht verblasst sind, sondern so grell und klar dass es wehtut – ich muss meine Augen schließen und wegschauen. Darauf erstmal einen Schluck.

Wir hatten es auch schonmal von Achterbahn-Momenten. Davon, dass es schön ist ein Leben mit Ups and Downs zu führen. Immer bereit für eine neue Fahrt, egal ob man lachend oder mit Übelkeit zum Stehen kommt. Aber was ist, wenn einem so schlecht ist, dass man überhaupt nicht bereit ist für die nächste Runde?! Was, wenn die Achterbahn doch etwas zu hoch war oder die Fahrt erschreckend lang. Nichts ist wie man es sich versprochen hat: kein Kribbeln, kein Lachen und kein tolles Erinnerungsfoto am Ende, sondern kalter Schweiß und Hände, die sich am Sitz festklammern.

Der Grund für die Achterbahnfahrt: die Serien-Momente

Wieso ich eingestiegen bin ist mir jedoch klar. Es sind die Serien-Momente – Momente im Leben, die so schön, absurd oder theatralisch sind, dass sie aus der letzten Folge Grey’s Anatomy stammen könnten. Jeder, der schonmal ein Dramedy-Format gesehen hat, weiß: Die Charaktere darin erleben nicht nur Momente, die von Glücksgefühlen erfüllt sind, sondern sitzen auch oft nachts in einer Bar, stehen auf einem Balkon oder ziehen alleine durch die Straßen der Großstadt.

Und genau das macht eine Serie doch erst sehenswert. Und genau so fühle ich mich gerade – hier, nachts am Küchentisch. Wie in meiner eigenen Serie, die eben gerade kein grandioses Staffelfinale für mich übrig hat, sondern Zigaretten, Wein, nächtliche Spaziergänge und einen Kopf voller Fragen.

Wer ein Gesamtpaket will, bekommt ein Gesamtpaket

Trotz dieses Downs nach einem Up und meiner getrübten Sichtweise auf mein Achterbahn-Prinzip ist dieser ganze metaphorische Monolog immer noch eine Theorie, hinter der ich stehe. Denn noch deutlicher wird an dem Serienbeispiel der Punkt, dass das Leben eben nicht geradlinig funktioniert und wer sich auf Serien-Momente einlässt, der bekommt sie auch alle. Es gibt keinen Filter – denn das Leben ist dann eben doch das Leben und wir können traurige oder tragische Momente nicht einfach skippen, wie das schon zu oft gesehene Intro unserer Lieblingsserie.

Ob mir das gerade passt oder nicht, ist in diesem Fall hinfällig. Denn wirklich etwas ändern an dieser Dynamik kann ich nicht, und sollte ich auch überhaupt nicht wollen.

Beim Schreiben dieses Artikels gehört 

Über den Autor 

Irgendwo zwischen 20 und 30, Sonntagen mit Katerbeigeschmack, lauen Sommernächten über den Dächern Stuttgarts und benebelten Lebensphilosophien am Küchentisch, schreibt unser Autor in seiner Kolumne über Quarter-Life-Krisen, die Ups and Downs des Single-Lebens, Selbstverwirklichung oder wie viele Tassen Kaffee am Tag wirklich ungesund sind. Eben über all die wichtigen und unwichtigen Fragen, die man sich mit Twenty Something so stellt.

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