Twenty Something: Life is a rollercoaster – Single sein auch

Mitte 20 und keinen Plan – sollten wir das Leben lieber als eine Achterbahnfahrt sehen oder ist es doch eher die beständige Dampflok in eine Richtung? In der „Twenty Something“-Kolumne reflektiert unser Autor diesmal über die Aufs und Abs als frischgebackener Single.

Stuttgart – „Einmal mit allem bitte“, sage ich zu meinem Leben als wäre es der Dönermann meines Vertrauens. Er nickt mir zu und dann bekomme ich von allem etwas. Obendrauf noch extra scharf, damit es richtig schön brennt. Aber beschweren darf ich mich nicht – schließlich habe ich ja genau das auch bestellt. Ich glaube spätestens jetzt sollte klar sein, dass es nicht mehr um die Zusammenstellung eines nächtlichen Snacks geht.

Bambi auf Glatteis oder frei wie ein Vogel?

Grundlage dieses Gedankengangs, der sich zunächst als banale Essensauswahl tarnt, ist meine aktuelle Lebenssituation. In letzter Zeit sage ich nämlich zu allem nichts anderes als: „Ja, bitte, immer her damit!“ Manchmal bewusst, manchmal unbewusst. Und mit „allem“ meine ich auch (fast) alles.

Ich trinke viel, feiere viel, rauche viel (zumindest in Kombination mit den vorherigen zwei Punkten), bin viel unterwegs, mache viel Sport, treffe viele Menschen. Von allem viel, doch da hört es noch lange nicht auf: es gibt nämlich auch viel Unsicherheit, viel Sehnsucht, viel Enttäuschung und viiiiiiel Nachdenken.

Das Leben hatte nämlich vor Kurzem eine kleine Wendung für mich in petto. Ich bin jetzt unabhängig, auf mich alleine gestellt, frei, ungebunden – kurz: Single. Und das nach einer nicht ganz unbeachtlichen Zeit. Dieser Zustand eröffnet (verhofft oder unverhofft) eine ganz neue Palette an Möglichkeiten, bringt aber auch gleichzeitig sehr viel Unsicherheiten und unbekannte Variablen mit ins Spiel.

Zwei Flaschen Wein und ein Kopf voller Liebeskummer.

Habt ihr das Gefühl, befreit zu sein nach einer Trennung? Frei wie ein Vogel über den Wolken oder wie ein Lachs auf zu neuen Ufern? Oder fühlt man sich in Wirklichkeit eigentlich nur verunsichert und wackelig auf den Beinen wie Bambi, das grade über das dünne Eis des neuen Single-Lebens schlittert?

Jeder tut cool, aber eigentlich sind wir doch alle irgendwie unsicher. Die emotionale Stabilität gerät ins Wanken. Und das führt zu ganz neuen Situationen, die entweder damit enden, dass man wie ein Trottel Arm in Arm mit jemandem überverliebt durch die Gegend spaziert oder mit unnötig vielen Kippen, zwei Flaschen Wein und einem Kopf voller Liebeskummer in der WG-Küche mit den Mitbewohnern endet.

Stuck in your own feelings

Findet ihr diese Abwechslung und Aufregung spannend oder doch nur unnötig nervenaufreibend?

Meiner Meinung nach ist die Downside dieser ganzen Hochs und Tiefs die fehlende Ich-Bezogenheit. Man steckt in seinen eigenen Gedanken fest. Das Hirn ist vernebelt von rosaroten Wölkchen oder „10-Tage-Regenwetter“ und kommt nicht weiter. Stuck in your own feelings sozusagen.

Deswegen ist es wichtig auch mal nur die kleine Portion, ohne Zwiebeln, zu bestellen. Zumindest sagt das die Vernunft. Denn sobald wieder jemand an die Tür klopft, wird man ihm diese wahrscheinlich doch nicht vor der Nase zuschlagen.

Was wollen wir wirklich mit twenty something?

Aber ist das jetzt alles gut oder schlecht? Bestellen wir lieber „mit allem“ oder sollte man sich aktiv eine Auszeit gönnen und sich selbst auf emotionale Diät setzen?

Brauchen wir die Downs für die Ups – weil eine Achterbahn ohne Hügel wäre ja auch langweilig. Oder sollten wir lieber in einem Zug fahren, der uns stetig zielstrebig und ohne viel Tamtam an unser Ziel bringt?

Doch was ist das Ziel? Und ist das Ziel nicht bekanntlich der Weg? Und ist der nicht lustiger mit ein paar Hügeln, Ups and Downs – und Loopings?

Ich bin jedenfalls ein großer Achterbahnfan und kann das nächste Kribbeln schon gar nicht mehr erwarten. Egal wie die Fahrt endet, ob man mit Bauchweh und Übelkeit oder lachend zurück in den Bahnhof einfährt.

Beim Schreiben dieses Artikels gehört

Über den Autor

Irgendwo zwischen 20 und 30, Sonntagen mit Katerbeigeschmack, lauen Sommernächten über den Dächern Stuttgarts und benebelten Lebensphilosophien am Küchentisch, schreibt unser Autor in seiner Kolumne über Quarter-Life-Krisen, die Ups and Downs des Single-Lebens, Selbstverwirklichung oder wie viele Tassen Kaffee am Tag wirklich ungesund sind. Eben über all die wichtigen und unwichtigen Fragen, die man sich mit Twenty Something so stellt.

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