Traut euch, euch Feministin zu nennen

Die österreichische Frauenministerin Susanne Raab möchte sich nicht als Feministin bezeichnen. Das ist fatal, kommentiert unsere Autorin. Ein Plädoyer für klare Positionierung.

Wien – Anlässlich des internationalen Frauentags gab die österreichische Frauenministerin Susanne Raab ein Interview und sagte dabei etwas, das ziemlich viele (inklusive mich) aufregte: Sie möchte sich nicht als Feministin bezeichnen. Dies begründete sie damit, dass der Begriff Feminismus Frauen eher trenne als verbinde. „Deshalb sage ich selbst, wofür ich stehe, und lasse mir kein Etikett anheften“, sagt sie im Interview. Doch so einfach ist es nicht.

Klar sagen: „Hey, ich bin Feministin!“

Oft wird so getan, als wäre Feminismus etwas Diffuses, unter dem jeder Mensch etwas Unterschiedliches verstehen würde. Dabei ist es eigentlich ganz einfach. Feminismus hat, kurz zusammengefasst, das Ziel, dass alle Menschen unabhängig ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Herkunft, ihrer Religion und ihres Aussehens gleichberechtigt sind. Klingt doch eigentlich gut und erstrebenswert, oder?

Aber wieso tun sich manche immer noch so schwer damit, klar und deutlich zu sagen: „Hey, ich bin Feministin!“?

Susanne Raab argumentiert damit, dass Feminismus eher spalte als verbinde. Die Aussage ist aus zwei Gründen problematisch. Erstens kann Feminismus Frauen, Transmenschen und nicht-binäre Menschen (Menschen, die sich keinem Geschlecht zuordnen) unglaublich verbinden und dafür sorgen, dass die Unterstützung unter ihnen zunimmt. Von Sexismus betroffene Personen können sich über ihre Erfahrungen austauschen, was safe spaces schaffen und den Umgang damit vereinfachen kann.

Feminismus ist keine Party, auf der sich alle die ganze Zeit super verstehen.

Zweitens muss Feminismus gar nicht immer nur verbinden, denn das ist nicht das eigentliche Ziel. Feminismus ist keine Party, auf der sich alle die ganze Zeit super verstehen. Und das ist auch gut so. Es gibt viele Diskussionen und Kritik, die überaus wichtig sind, um voneinander zu lernen. Denn natürlich sind sich auch im Feminismus nicht immer alle einig.

Gerade bei Susanne Raab, die als Frauenministerin für Gleichberichtigung sorgen sollte, ist es fatal, wenn sie sich nicht als Feministin bezeichnen möchte. Das spielt Menschen, die sich gegen eine offene und gleichberechtigte Gesellschaft einsetzen, nämlich ziemlich in die Hände. Sie fühlen sich in ihrer Meinung bestätigt, dass Feminismus irgendwie „nervig und unnötig“ sei. Dabei darf Feminismus auch „nervig“ sein. Feministinnen müssen laut und unbequem sein, sonst verändert sich nichts. Unnötig ist Feminismus aber in gar keinem Fall.

Feminismus ist eine Bewegung. Und wenn man doch für das gleiche wie der Feminismus steht, wieso das dann nicht einfach klar sagen? Zusammen kämpft es sich schließlich viel besser als alleine.

 

Titelbild: Unsplash/Lindsey LaMont

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