Toleranz und Tollerei: Majan rappt im Staatstheater!

„Toleranz und Tollerei“ auf der großen Theaterbühne: Das Schauspiel Stuttgart lädt sich die Rap-Größen Majan, Dexter und BRKN ins Herz der Stuttgarter Hochkultur. Stadtkind sagt: Mehr davon!

Stuttgart – Majan geht es derzeit wahrscheinlich des Öfteren mal so, dass er sich zwickt, um zu überprüfen, ob er das nicht doch alles nur träumt. Die gemeinsame Single „1975“ mit Cro machte ihn quasi über Nacht zum Nachfolger des Panda-Rappers. Auftritte mit Max Herre und natürlich auch Cro folgen, er sammelt Millionen Klicks im Netz, kooperiert mit den Jugglerz, gründet sein eigenes Label. All das passiert 2019, überwiegend vor seinem 20. Geburtstag. Und überwiegend in der Garage seiner Eltern. Mitten in Schorndorf.

Majan sieht sich nicht als reinen Hip-Hop-Artist

Nach Bietigheim jetzt also die nächste Satellitenstadt in Stuttgarts Umlaufbahn, ein Ort, der mit der Manufaktur zwar einen ausgezeichneten Live-Club hat, aber musikalisch sonst eher blass blieb. Der Rapper ist eine neue Stimme, so neu sogar, dass er selbst gar nicht weiß, ob er sich überhaupt als Rapper bezeichnen soll. „Ich lebe Hip-Hop und bin damit aufgewachsen“, sagt er, „aber ich sehe mich nicht als reinen Hip-Hop-Artist. Die meiste Zeit weiß ich selbst nicht, was ich bin. Was ich repräsentiere. Ich bin von so vielem beeinflusst und fühle mich jeden Tag ein kleines bisschen anders, da kann ich ja gar nicht nur eine Art von Musik machen.“

Scheuklappen sind für Esel

Diese Aussage unterstreicht auch seine erfreulich scheuklappenlose Denke, wenn es um Musik oder Kunst im Allgemeinen geht. Hip-Hop, Pop, Electro, auch mal eine Klavierballade, wenn er sich danach fühlt: Schranken gibt es für ihn keine. „Ich bin vielseitig interessiert und liebe es einfach, mit all diesen verschiedenen Ansätzen ins Studio zu gehen“, so Majan weiter. „Einmal bin ich inspiriert von einem afrikanischen Volkslied und am nächsten Tag besoffen, hab da einen Trap-Beat und beleidige irgendjemanden.“

Die Teilnahme an einem Experiment wie „Toleranz & Tollerei“ ist für ihn also Ehrensache: Rap und die Welt der Hochkultur, zumindest für eine Nacht an einem Tisch – das Staatstheater macht das am kommenden Samstag, den 22. Februar 2020, möglich. Ab 22 Uhr geht’s mit Azlay an den Turntables im Foyer zur Sache, später feiert Majan mit dem Stuttgarter Kollegen Dexter und BRKN auf der großen Bühne.

Majan und die Hochkultur

Als erfreulich niveauvolle Gegenveranstaltung zum Faschingswahn rund um die Staatstheater lädt eines der wichtigsten Theater Baden-Württembergs Schauspieler und Rapper, Theatergänger und Hip-Hop-Hörer ein, um alle angeblichen Grenzen zwischen den Kunstformen fallen zu lassen. Majan gefällt dieser Ansatz: „Ich finde es toll, dass wir auf einer solchen Bühne stehen dürfen! Aber andererseits ist Hip-Hop einfach krass tief in der Stadtgeschichte verankert. So eine Paarung ist dann irgendwie auch logisch.“ Erkennen derzeit immer mehr Einrichtungen, man denke nur an Ausstellungen wie die zu den Fantastischen Vier im Stadtpalais.

Majan (Foto: Danny Jungslund)

Hip-Hop ist nicht mehr Subkultur

Neu ist diese Art der Kulturvermittlung auch am Staatstheater nicht: Die Nerven standen hier schon mal als Live-Band auf der Bühne, der Choreograph Louis Stiens lud sich Peaches in eines seiner Stücke ein. Jetzt also deutscher Hip-Hop, und da mit Majan sogar einer der am heißesten gehandelten Akteure, den es in dieser Musik derzeit gibt. Der freut sich auf ein Heimspiel der besonderen Art. Auch, weil es Hip-Hop mehr Würdigung verleiht. „Hip-Hop ist von der Subkultur zur Popkultur geworden“, stellt er fest. „Diese Musik beeinflusst so viele Menschen in ihrem Denken und Handeln, dass sie aus der Kultur allgemein nicht mehr wegzudenken ist.“

Toleranz über alles

Und dann ist da natürlich noch der Titel der Veranstaltung. „Toleranz & Tollerei“. Feiern ja, Scheuklappen nein. Ein ehrenwerter Ansatz, wie auch der 20-jährige Rapper findet: „Toleranz ist ein grundlegender Wert unserer Gesellschaft. Für jeden von uns sollte er eine tragende Rolle spielen. Nein, muss eine tragende Rolle spielen. Mir ist klar, dass Toleranz oftmals eine sehr hohe Selbstreflexion erfordert. Aber“, betont er, „das muss es wert sein, denn Toleranz ist ein hohes Gut.“ Scheint so, als wäre ein 20-Jähriger reflektierter als die Mehrheit derjenigen, die seine Eltern sein könnten.

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