Tag der Menstruation: Bluten ist kein Luxus

Zum Tag der Menstruation feiern wir Frauen, die sich für eine faire Besteuerung der Periodenprodukte einsetzen. Denn die erreichen in der Politik gerade so einiges.

Stuttgart – Krämpfe, Schwindel, Übelkeit: So richtig geil fühlt sich die Periode für die meisten Frauen nicht an. Umso absurder, dass Artikel wie Tampons oder Menstruationstassen in Deutschland immer noch mit knapp 19% besteuert werden und damit als „Luxusgüter“ gelten – anders übrigens als Lachskaviar, Trüffel oder Schnittblumen. Heute zum Tag der Menstruation schauen wir darauf, wie weit es die Forderungen für eine faire Steuerregelung bis jetzt gebracht haben.

Spoiler: ziemlich weit. Und das vor allem dank einiger unermüdlicher Aktivistinnen.

„Senken Sie die Tamponsteuer!“

Seit einem guten Jahr sammeln die beiden Hamburgerinnen Yasemin Kotra und Nanna-Josephine Roloff Stimmen für eine faire Besteuerung von Tampons, Binden und Co. Mit ihrer Petition (hier könnt ihr unterschreiben) setzen sie sich dafür ein, dass der Steuersatz für Periodenprodukte auf 7% gesenkt wird. Bisher haben die beiden rund 165.000 Menschen überzeugen können. Als nächstes wollen sie die 200.000er Marke knacken.

„Indem wir die Finger in die Wunde legen, wollen wir zeigen, wie versteckt und subtil in Deutschland diskriminiert wird“, sagt Yasemin in einem Interview. Mit ihrer Forderung, die sich unter anderem an Familienministerin Franziska Giffey richtet, wollen die beiden aber nicht nur die öffentliche Meinung prägen. Sie wollen auch einen einen Lösungsvorschlag liefern.

Ziel: Bewusstsein schaffen

Einziger Haken: Konkrete politische Wirkung hat diese Petition vorerst nicht. Dennoch sorgt sie für ordentlich Wind in der öffentlichen Debatte. Als nächstes planen die beiden Hamburgerinnen, sich mit den 200.000 Stimmen im Rücken konkret an die Politik zu wenden.

The Female Company goes Bundestag

Den Schritt auf die Politik zu haben Ann-Sophie Claus und Sinja Stadelmeier, die beiden Macherinnen des Stuttgarter Start-Ups „The Female Company“, bereits gemacht. Am 8. Mai hatten sie einen Termin im Bundestag, um mit Abgeordneten der FDP, der Grünen, der CDU und der Linken über die „tampon tax“ zu diskutieren. Ganz so einfach war die Planung dieser Aktion im Vorfeld allerdings nicht.

Obwohl das Start-Up mit seinem Tampon-Buch schon für Medienwirbel gesorgt hatte, zeigte sich die Berliner Politik-Elite erst nach einigem Nachhaken kooperationsbereit. Mit einer „taskforce“ aus 15 Instagram-Followerinnen riefen die beiden unermüdlich bei den Fraktionen an. „FDP, Grüne und Linke haben uns schließlich eingeladen. Und als wir im Bundestag waren, haben wir noch an die Tür der CDU geklopft und da auch spontan einen Termin bekommen“, erzählt Ann-Sophie.

Das Ergebnis der Gespräche macht Hoffnung: Die Linke hat inzwischen einen Antrag zum Thema im Bundestag eingereicht. Außerdem konnte „The Female Company“  eine Abgeordnete für sich gewinnen, die sich nun für das Thema stark machen und den Bundestag darauf von innen sensibilisieren will.

70.000 Stimmen für die Periode

Auch das Unternehmen Einhorn, unter anderem bekannt für nachhaltig produzierte Kondome, hat die „tampon tax“ auf dem Schirm. Die Verantwortlichen setzen sich dafür ein, dass Periodenprodukte nicht mehr als Luxus gelten. Dafür haben sie direkt beim Deutschen Bundestag eine Petition eingereicht. Der Vorteil hier: Sobald 50.000 Unterschriften zusammenkommen, geht das Schreiben in den Ausschuss. Dort diskutieren dann die Mitglieder darüber. In den vergangenen Wochen hat Einhorn deshalb ordentlich Tam-Tam gemacht. Mit Erfolg: Dank 70.000 Unterschriften haben sie ihr Ziel erreicht.

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