Das sind die schönsten Radtouren rund um Stuttgart

Der Frühling nimmt langsam aber sicher Fahrt auf, die Sonne scheint, nichts wie rauf aufs Rad! Das sind die schönsten Radtouren in und rund um Stuttgart.

Stuttgart – Corona hat unser Leben ganz schön auf den Kopf gestellt, wir bleiben weitestgehend zu Hause, machen Homeoffice und versuchen irgendwie klar zu kommen. Und trotzdem, wenn der Frühling mit super Sonnenschein nach draußen lockt, dann drehen wir halt auch mal gern eine kleine und auch größere Runde durch die Hood oder schwingen uns mindestens genauso gern aufs Rad. Denn da ist Social Distancing garantiert und beweist mal wieder: Das Städtle kann mehr als Autos und Feinstaub – und zwar alles rund ums Fahrrad. Also schwingt euch aufs Bike, wir zeigen euch Stuttgarts schönste Radtouren.

Radtouren im Kessel – rollen mit den Besten

Fahrradfahren im Kessel ist also nicht erst seit gestern ein Thema und wird gepusht und gefördert – nicht nur durch neue Radwege der Stadt, die gar nicht mal so gut ankommen, anderes Thema. D’Hauptsach‘ isch: Radeln in Stuttgart ist beliebt und kann auch richtig Spaß machen. Das bestätigen sechs ambitionierte Fahrradfahrer, die uns ihre Lieblingsstrecken rund um Stuttgart verraten haben.

Zum Siebenmühlental mit Roman

Roman Högerle bezeichnet sich selbst als „Frei-Schnauze“-Fahrer. Der 35-Jährige aus Stuttgart-Ost machte mit seinem Film „Kesselrollen“ von sich reden, der von der Rad-Szene in Stuttgart handelt. Der ambitionierte Biker, der selbst sechs Fahrräder besitzt, bezwingt jeden Tag 23 Kilometer radelnd zur Arbeit bezwingt. Ach ja, bei der Critical Mass mischte und radelte er auch so oft wie es ging mit – mehr Bike-Präsenz in Stuttgart geht fast nicht.

Kesselrollen-Crack Roman Högerle

Von Stuttgart-Ost in die Täler:

Als Frei-Schnauze-Fahrer sind Routen eigentlich nicht mein Ding. Aber eine schöne Strecke ist die ins Siebenmühlental. Gestartet wird im Stuttgarter Osten, dann geht es durch die Stadt und Kaltental. Die Route führt vorbei am Bärensee und später an der Eselsmühle, wo man auch schön einkehren kann. Dann weiter über Waldenbuch ins Aichtal fahren und schon ist man in Schönaich. Wir fahren immer viel auf der Straße, weil wir mit dem Fixed Gear oder Rennrad unterwegs sind. Da kann man sich aber auch schöne und ruhige Straßen heraussuchen.

Tipp: Wer Stuttgarts Hügel meiden will, kann hier auch flach fahren, am Neckar entlang ist das zum Beispiel kein Problem.

Auf nach Esslingen mit Toni

Toni Michel ist 35 Jahre alt, Digitalisierer und Gründer von sdox.io. Als Jugendlicher ist er oft und viel mit dem Mountainbike unterwegs gewesen, seit über einem Jahr lässt er die alte Liebe wieder aufleben: mit einem Hardtail von Cube. Das Fahrrad fügt sich nahtlos in das, wie er selbst sagt, Spießerglück des Jungunternehmers ein – vom Einkauf im Bio-Supermarkt bis zur knackigen Radtour.

Entdecksungsbiker Toni Michel

Von Stuttgart-Süd nach Esslingen:

Die Strecke hat es in sich. Man sollte sich in etwa drei Stunden einplanen und Kondition mitbringen. Gestartet wird im Stuttgarter Süden, genauer Heusteigviertel, dann geht es über den Schlosspark bis an den Neckar.

Ganz schön hässlich

Dort, am industrieverbauten Neckar, befindet sich der hässlichste Teil Stuttgarts – mit einem viel zu schmalen Fahrradweg. Doch der Weg lohnt sich, denn er führt ins beschauliche Esslingen mit seiner schönen Altstadt und den Fachwerkhäusern.

Der Kontrast macht’s! Denn der Rückweg über die Esslinger Weinberge bis zur Grabkappelle ist umso schöner, aber auch knackig. Denn es geht hoch hinaus. Der Ausblick entschädigt aber für Anstieg, Schweiß und Atemnot.

Mit dem E-Bike on Tour mit Kathrin

Kathrin Schall cruiste schon als Studentin gern mit dem Bike durch die Gegend, damals noch in Karlsruhe. Mittlerweile schwingt sie sich seit zwei Jahren wieder leidenschaftlich gern auf den Sattel, allerdings von einem E-Bike. „Wegen den Stuttgarter Hügeln“, erklärt sie. Diese Art Fahrrad mache sie einfach glücklich. „Ich ertrage es sehr gut, wenn andere sich darüber lustig machen, dass ich ein E-Bike habe. Jeder, der mal mitgefahren ist, will auch eines“, sagt Kathrin lachend.

E-Bike-Fan Kathrin Schall

Von Degerloch nach Stuttgart-West:

Mit dem E-Bike fange ich gerade an, die Stadt neu zu erkunden und entdecke dabei Ecken, in die es mich ohne Rad wahrscheinlich nie verschlagen hätte. Eine meiner Lieblingstouren führt von Degerloch über Sillenbuch, Plieningen, Möhringen, Vaihingen und durch den Wald nach Stuttgart-West.

Der schöne Eichenhain

Ein Highlight ist der schöne Eichenhain, ein Naturschutzgebiet zwischen dem Westrand des Stadtteils Sillenbuch und der Mittleren Filderstraße. Die Tour kann auch locker ohne E-Bike gemacht werden!

Dem Sonnenuntergang entgegen mit Susann

Susann Obluda, Baujahr 83, wohnt mittlerweile in München und ist rad- und generell sportbegeistert (Feld-und Hallenhockey). Unterwegs ist sie mit dem Rennrad, Mountainbike, Trekking oder alten Oldschool-Stadtrad und Fully. „Alles da was man zum Leben in Balance benötigt“, findet Susann. Stuttgart sei ihre erste (Stadt-)Liebe und die Stäffele genauso wie das besondere in den Kessel raus- und reinfahren würden ihr fehlen. „Aber dafür sind die nahen Berge, die Seenlandschaften und alles um und an der Isar wesentlich reizvoller – vor allem für Fahrradfahrer.“

Rennrad-Fan Susann Obluda

Meine Tour dauert etwa zwei Stunden und startet in Stuttgart-West. Von der S-Bahn-Haltestelle Schwabstraße geht es hinauf zur Karlshöhe. (Zugang über die Treppe am Schwabtunnel oder über die Hasenbergsteige und/oder Hohenzollernstraße.)

Höhenmeter sammeln

Nachdem der Ausblick von der Karlshöhe aus genossen wurde, geht es runter in den Süden zum Marienplatz. Wer will, kann hier in die Zacke einsteigen. Für mich war das nie eine Option, schließlich wollte ich auf dieser Tour Höhenmeter sammeln.

Der innere Kompass

Vom Marienplatz aus ist das nächste Ziel der Fernsehturm. Macht das Sinn? Keine Ahnung! Ich fahre meist nach dem inneren Kompass. Zwei Straßennamen, die mir auf dem Weg zum Fernsehturm begegnet sind: Albert-Schäffle-Straße mit sechs Prozent Steigung und dem Ziel Gänsheidestraße. Das ist die Ecke, an der die Zacke hoch zur Geroksruhe fährt. Auf den nächsten 500 Metern darf eine knackige Steigung (13- und 15-prozentig) erwartet werden – so etwas gibt es im Münchner-Stadtgebiet nicht. Der Ausblick von dort oben ist mit Sonnenuntergangs/-aufgangs-Stimmung dafür wirklich beeindruckend und nachhaltig.

Oben am Platz angekommen, geht es bei einem weiteren kurzen und knackigen Anstieg zum Fernsehturm oder (weil verdient) mit Tempo die Weinsteige hinunter, um dann zum Schluss am Teehaus im Weissenburgpark mit weiterem Sensationsblick die Tour ausklingen zu lassen.

Heimweg: Bopser – Charlottenplatz – Henkersplatz – Stadtmitte – Berliner-Platz – Russischorthodoxe-Kirche – Hölderlinplatz

 The Kessels finest mit Dennis

Dennis Özer ist Grafik-Designer und Stadtführer bei Stuttgarterleben (einer der drei Gründer), wo auch eine Stadttour für E-Biker angeboten wird. „Ich fahre täglich Fahrrad und finde Stuttgart muss fahrradfreundlicher werden“, betont der Tour-Guide. Aktuell habe er nur ein Rad, dafür sei es aber sein ganzer Stolz. „Den Rahmen hatte ich einer Freundin abgekauft. Bei ihr war er sehr lange im Keller gestanden. Danach habe ich dann Stück für Stück mein Traum-Velo zusammengestellt.“ Da Dennis kein, wie er selbst sagt, sehr geschickter Zweiradmechaniker ist, habe er es in professionelle Hände übergeben (Basis Fahrradwarenladen am Olgaeck). „Ich fahre seit meinem sechsten Lebensjahr Fahrrad, ein einschneidendes Erlebnis beim Erlernen des Radfahrens war der Frontalzusammenstoß mit einem Garagentor“, berichtet er lachend.

Rad-Tour-Guide Dennis Özer

Zwischen Teehaus, Eugensplatz und Feuersee:

Meine Lieblings-Radstrecke bieten wir auch als Tour bei Stuttgarterleben an, allerdings braucht man dafür ein E-Bike. Highlight der Tour ist eine der steilsten Strecken Stuttgarts. Wir passieren unter anderem den Schwabtunnel, den Fernsehturm, das Teehaus, den Eugensplatz, den Gaskessel, den Tagblattturm und den Feuersee und sind somit an sehr vielen meiner Lieblingsorte hier in Stuttgart.

Die Tour dauert insgesamt fünf Stunden und ist für fitte Leute, die Stuttgart kennenlernen wollen geeignet.

 Raus ins Neckartal mit Maren

Maren Wiesner steht selten still, schwingt sich auf ihr Bike, erkundet Stuttgarts Ecken und Kanten – mit offenen Augen, Freude am Leben, stets open-minded. Auch zur Arbeit fährt sie, wenn möglich, mit dem Fahrrad. Seit vielen Jahren radelt die Text-Redakteurin leidenschaftlich gern und umrundete bereits den Bodensee per Bike.

Easy Rider Maren Wiesner

Ade Kessel – auf zu anderen Ufern!

Irgendwann trifft uns alle mal der berühmt-berüchtigte Kessel-Koller. Da hilft nur eins: Nix wie raus ins Grüne! Und das lässt sich bekanntlich am besten auf dem Zweirad erkunden. Aus der Schwabenmetropole steuern wir mit den Öffis unseren Startpunkt an. Inmitten von üppigen Weinbergen liegt Freiberg am Neckar. Von dort aus geht’s rund 40 Kilometer flussaufwärts, immer entlang des Neckartal-Radwegs. Abseits vom Trubel der Stadt tanken wir unterwegs Natur pur! In der malerischen Schillerstadt Marbach am Neckar lohnt sich eine kurze Pause. Nicht nur Literaturliebhaber kommen hier auf ihre Kosten – historische Fachwerkhäuser erinnern an vergangene Zeiten.

Flussabwärts fest im Sattel

Bei Zugwiesen schlängelt sich der Fluss durch das Neckarbiotop – ein Eldorado für Naturfreunde – und führt kurz darauf nach Remseck. Die Stadt an Neckar und Rems überzeugt mit bestem Ausblick auf die Flussgabelung. Dann geht’s vom Max-Eyth-See schnurstracks nach Bad Cannstatt und von dort zu guter Letzt durch den Schlossgarten zurück in den heimischen Kessel. Am Ende ist’s doch immer wieder schön zurückzukehren!

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