Stuttgarts schönste Fahrrad-Touren

Critical Mass, Sternfahrt, Fahrradwoche im Stadtpalais – mehr als ein Grund, um leidenschaftliche Fahrradfahrer aus Stuttgart mal nach den schönsten Radstrecken im und rund um den Kessel zu fragen.

Stuttgart – Die Sternfahrt wurde kürzlich kollektiv gemeistert, vor der Critical Mass ist bekanntlich nach der Critical Mass (jeden ersten Freitag im Monat) und das Stadtpalais läutete gerade erst die Fahrradwoche ein. Stuttgart kann eben mehr als Autos und Feinstaub, und zwar alles rund ums Fahrrad – das wissen wir nicht erst seit dem Film Kesselrollen, der diesen Donnerstag im Rahmen von „Stuttgart am Meer“ gezeigt wird. Außerdem ist im Stadtmuseum bis Samstag täglich der Pop-up Shop von basis (14 bis 22 Uhr) vertreten, es gibt eine Feinschraub-Ecke für Reparaturen (12 bis 22 Uhr) und eine Gold Sprint-Anlage im Foyer (10 bis 22 Uhr) für kleine Wettrennen.

Fahrrad-Schnitzeljagd durch den Kessel

Das Kesseln Cycling Collective veranstaltet im Rahmen von Stuttgart am Meer ein Alleycat – einen Wettbewerb, wie er unter Fahrradkurieren üblich ist. Fette Preise gibt es von der basis für die meisten Punkte. Start wie auch Ziel ist beim Stadtpalais Stuttgart.

Ablauf:

Anmelden kann man sich am Veranstaltungstag ab 16 Uhr, Start mit Briefing findet etwa um 17.30 Uhr statt. Bis 20 Uhr hat man Zeit, alle Punkte zu sammeln. Dann wird in den Partymodus gewechselt.

Rollen mit den Besten

Fahrradfahren ist im Kessel also nicht erst seit gestern ein Thema. Es wird gepusht und gefördert – nicht nur durch neue Radwege der Stadt, die gar nicht mal so gut ankommen – anderes Thema. D’Hauptsach‘ isch: Radeln in Stuttgart ist beliebt und kann auch richtig Spaß machen. Das bestätigen sechs ambitionierte Fahrradfahrer, die uns ihre Lieblingsstrecken rund um Stuttgart verraten haben.

Zum Siebenmühlental mit Roman

Roman Högerle bezeichnet sich selbst als „Frei-Schnauze“-Fahrer. Der 34-Jährige aus Stuttgart-Ost machte mit seinem Film „Kesselrollen“ von sich reden, der von der Rad-Szene in Stuttgart handelt und diesen Donnerstag auch im Stadtpalais gezeigt wird. Dort wird der ambitionierte Biker, der selbst sechs Fahrräder besitzt und jeden Tag 23 Kilometer radelnd zur Arbeit bezwingt, auch diesen Mittwoch auf dem Podium sprechen und hat für Samstag die oben beschriebene Schnitzeljagd „Alleycat“ mit seiner Kesseln-Crew organisiert. Ach ja, bei der Critical Mass mischt und radelt er auch so oft mit wie es geht – mehr Bike-Präsenz in Stuttgart geht fast nicht. Dass sich Roman das Jedermann-Rennen bei der Deutschlandtour, der deutschen Tour de France, nicht entgehen lässt, ist mehr als logisch oder?

Kesselrollen-Crack Roman Högerle

Von Stuttgart-Ost in die Täler:

Als Frei-Schnauze-Fahrer sind Routen eigentlich nicht mein Ding. Aber eine schöne Strecke ist die ins Siebenmühlental. Gestartet wird im Stuttgarter Osten, dann geht es durch die Stadt und Kaltental. Die Route führt vorbei am Bärensee und später an der Eselsmühle, wo man auch schön einkehren kann. Dann weiter über Waldenbuch ins Aichtal fahren und schon ist man in Schönaich. Wir fahren immer viel auf der Straße, weil wir mit dem Fixed Gear oder Rennrad unterwegs sind. Da kann man sich aber auch schöne und ruhige Straßen heraussuchen.

Tipp: Wer Stuttgarts Hügel meiden will, kann hier auch flach fahren, am Neckar entlang ist das zum Beispiel kein Problem.

Auf nach Esslingen mit Toni

Toni Michel ist 33 Jahre alt, Digitalisierer und Gründer von sdox.io. Als Jugendlicher ist er oft und viel mit dem Mountainbike unterwegs gewesen, seit einem Jahr lässt er die alte Liebe wieder aufleben: mit einem Hardtail von Cube. Das Fahrrad fügt sich nahtlos in das, wie er selbst sagt, Spießerglück des Jungunternehmers ein – vom Einkauf im Bio-Supermarkt bis zur knackigen Radtour.

Entdecksungsbiker Toni Michel

Von Stuttgart-Süd nach Esslingen:

Die Strecke hat es in sich. Man sollte sich in etwa drei Stunden einplanen und Kondition mitbringen. Gestartet wird im Stuttgarter Süden, genauer Heusteigviertel, dann geht es über den Schlosspark bis an den Neckar.

Ganz schön hässlich

Dort, am industrieverbauten Neckar, befindet sich der hässlichste Teil Stuttgarts – mit einem viel zu schmalen Fahrradweg. Doch der Weg lohnt sich, denn er führt ins beschauliche Esslingen mit seiner schönen Altstadt und den Fachwerkhäusern, wo man sich unbedingt ein Eis gönnen sollte.

Der Kontrast macht’s! Denn der Rückweg über die Esslinger Weinberge bis zur Grabkappelle ist umso schöner, aber auch knackig. Denn es geht hoch hinaus. Der Ausblick entschädigt aber für Anstieg, Schweiß und Atemnot.

Mit dem E-Bike on Tour mit Kathrin

Kathrin Schall ist 36 Jahre alt, wohnt im besten Westen der Stadt und ist stellvertretende Ressortleiterin in der Lokal-Redaktion der Stuttgarter Zeitung. Schon als Studentin cruiste sie gerne mit dem Bike durch die Gegend, damals noch in Karlsruhe. Mittlweile schwingt sie sich seit einem Jahr wieder leidenschaftlich gern auf den Sattel, allerdings von einem E-Bike. „Wegen den Stuttgarter Hügeln“, erklärt sie. Diese Art Fahrrad mache sie einfach glücklich. „Ich ertrage es sehr gut, wenn andere sich darüber lustig machen, dass ich ein E-Bike habe. Jeder, der mal mitgefahren ist, will auch eines“, sagt Kathrin lachend.

E-Bike-Fan Kathrin Schall

Von Degerloch nach Stuttgart-West:

Mit dem E-Bike fange ich gerade an, die Stadt neu zu erkunden und entdecke dabei Ecken, in die es mich ohne Rad wahrscheinlich nie verschlagen hätte. Eine meiner Lieblingstouren führt von Degerloch über Sillenbuch, Plieningen, Möhringen, Vaihingen und durch den Wald nach Stuttgart-West. Einplanen sollte man etwa einen halben Tag, vor allem wenn man wie ich einen Zwischenstopp auf einem Straßenfest einlegt.

Eis essen und Eichenhain

Die Highlights sind Eisessen in Sillenbuch bei Timone (lag auf dem Weg) und der schöne Eichenhain, ein Naturschutzgebiet zwischen dem Westrand des Stadtteils Sillenbuch und der Mittleren Filderstraße. Die Tour kann auch locker ohne E-Bike gemacht werden!

Dem Sonnenuntergang entgegen mit Susann

Susann Obluda, Baujahr 83, wohnt mittlerweile in München und ist rad- und generell sportbegeistert (Feld-und Hallenhockey). Unterwegs ist sie mit dem Rennrad, Mountainbike, Trekking oder alten Oldschool-Stadtrad und Fully. „Alles da was man zum Leben in Balance benötigt“, findet Susann. Stuttgart sei ihre erste (Stadt-)Liebe und die Stäffele genauso wie das besondere in den Kessel raus- und reinfahren würden ihr fehlen. „Aber dafür sind die nahen Berge, die Seenlandschaften und alles um und an der Isar wesentlich reizvoller – vor allem für Fahrradfahrer.“

Rennrad-Fan Susann Obluda

Meine Tour dauert etwa zwei Stunden und startet in Stuttgart-West. Von der S-Bahn-Haltestelle Schwabstraße geht es hinauf zur Karlshöhe. Dort kann ein Zwischenstopp im schönen Biergarten mit Blick über den Kessel eingelegt werden. (Zugang über die Treppe am Schwabtunnel oder über die Hasenbergsteige und/oder Hohenzollernstraße.)

Höhenmeter sammeln

Nachdem der Ausblick von der Karlshöhe aus genossen wurde, geht es runter in den Süden zum Marienplatz. Wer will, kann hier in die Zacke einsteigen. Für mich war das nie eine Option, schließlich wollte ich auf dieser Tour Höhenmeter sammeln.

Der innere Kompass

Vom Marienplatz aus ist das nächste Ziel der Fernsehturm. Macht das Sinn? Keine Ahnung! Ich fahre meist nach dem inneren Kompass. Zwei Straßennamen, die mir auf dem Weg zum Fernsehturm begegnet sind: Albert-Schäffle-Straße mit sechs Prozent Steigung und dem Ziel Gänsheidestraße. Das ist die Ecke, an der die Zacke hoch zur Geroksruhe fährt. Auf den nächsten 500 Metern darf eine knackige Steigung (13- und 15-prozentig) erwartet werden – so etwas gibt es im Münchner-Stadtgebiet nicht. Der Ausblick von dort oben ist mit Sonnenuntergangs/-aufgangs-Stimmung dafür wirklich beeindruckend und nachhaltig.

Oben am Platz angekommen, geht es bei einem weiteren kurzen und knackigen Anstieg zum Fernsehturm oder (weil verdient) mit Tempo die Weinsteige hinunter, um dann zum Schluss am Teehaus im Weissenburgpark mit weiterem Sensationsblick die Tour ausklingen zu lassen.

Heimweg: Bopser – Charlottenplatz – Henkersplatz – Stadtmitte – Berliner-Platz – Russischorthodoxe-Kirche – Hölderlinplatz

 The Kessels finest mit Dennis

Der 35-jähige Dennis Özer ist Grafik-Designer und Stadtführer bei Stuttgarterleben (einer der drei Gründer), wo auch eine Stadttour für E-Biker angeboten wird. „Ich fahre täglich Fahrrad und finde Stuttgart muss fahrradfreundlicher werden“, betont der Tour-Guide. Aktuell habe er nur ein Rad, dafür sei es aber sein ganzer Stolz. „Den Rahmen hatte ich einer Freundin abgekauft. Bei ihr war er sehr lange im Keller gestanden. Danach habe ich dann Stück für Stück mein Traum-Velo zusammengestellt.“ Da Dennis kein, wie er selbst sagt, sehr geschickter Zweiradmechaniker ist, habe er es in professionelle Hände übergeben (Basis Fahrradwarenladen am Olgaeck). „Ich fahre seit meinem sechsten Lebensjahr Fahrrad, ein einschneidendes Erlebnis beim Erlernen des Radfahrens war der Frontalzusammenstoß mit einem Garagentor“, berichtet er lachend.

Rad-Tour-Guide Dennis Özer

Zwischen Teehaus, Eugensplatz und Feuersee:

Meine Lieblings-Radstrecke bieten wir auch als Tour bei Stuttgarterleben an, allerdings braucht man dafür ein E-Bike. Highlight der Tour ist eine der steilsten Strecken Stuttgarts. Wir passieren unter anderem den Schwabtunnel, den Fernsehturm, das Teehaus, den Eugensplatz, den Gaskessel, den Tagblattturm und den Feuersee und sind somit an sehr vielen meiner Lieblingsorte hier in Stuttgart.

Die Tour dauert insgesamt fünf Stunden und ist für fitte Leute, die Stuttgart kennenlernen wollen geeignet.

 Raus ins Neckartal mit Maren

Was Maren Wiesner so macht? Zunächt einmal „kreativ sein in vielerlei Hinsicht“, wie sie selbst sagt. Sie schreibt und bloggt, tanzt Jazz und Modern und werkelt DIY-mäßig vor sich hin – am liebsten in ihrer eigenen Kreativschmiede a.k.a. zu Hause im schönen Westen der Stadt. Die 29-Jährige steht nie still, schwingt sich auf ihr Bike, erkundet Stuttgarts Ecken und Kanten und auf Reisen ferne Länder – mit offenen Augen, Freude am Leben, stets open-minded. Auch zur Arbeit fährt sie mit dem Bike – einem alten Rennrad von Roko. Seit vielen Jahren radelt die Textredakteurin leidenschaftlich gern und umrundete bereits den Bodensee per Bike.

Easy Rider Maren Wiesner

Ade Kessel – auf zu anderen Ufern!

Heiß, stickig und von Wasser quasi weit und breit keine Spur: Irgendwann im Sommer(loch) trifft uns alle der berühmt-berüchtigte Kessel-Koller. Da hilft nur eins: Nix wie raus ins Grüne! Und das lässt sich bekanntlich am besten auf dem Zweirad erkunden. Aus der Schwabenmetropole steuern wir mit den Öffis unseren Startpunkt an. Inmitten von üppigen Weinbergen liegt Freiberg am Neckar. Von dort aus geht’s rund 40 Kilometer flussaufwärts, immer entlang des Neckartal-Radwegs. Abseits vom Trubel der Stadt tanken wir unterwegs Natur pur! In der malerischen Schillerstadt Marbach am Neckar lohnt sich eine kurze Pause. Nicht nur Literaturliebhaber kommen hier auf ihre Kosten – historische Fachwerkhäuser erinnern an vergangene Zeiten.

Flussabwärts fest im Sattel

Bei Zugwiesen schlängelt sich der Fluss durch das Neckarbiotop – ein Eldorado für Naturfreunde – und führt kurz darauf nach Remseck. Die Stadt an Neckar und Rems überzeugt mit dem neuangelegten Neckarstrand bei bestem Ausblick auf die dazwischen liegende Flussgabelung. Knurrt zwischenzeitig der Magen? Kein Problem: Vis-a-vis lockt das Bootshaus mit Biergarten direkt am Wasser. Nach der Stärkung radeln wir entlang vom Max-Eyth-See schnurstracks nach Bad Cannstatt. Von dort geht’s zu guter Letzt durch den Schlossgarten zurück in den heimischen Kessel. Am Ende ist’s doch immer wieder schön zurück zu kehren!

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