Von skurril bis sozial: Stuttgarter und ihre Haustiere

Hund, Katze, Staus? Ab sofort stellen wir euch Stuttgarter und ihre Haustiere vor: Petfluencer, soziale Hundemamas und Co. geben Einblick in ihren Alltag zwischen Feinstaubalarm, Betonflächen und Baustellenlärm.

Stuttgart – Während auf dem Land auf jedem Ast ein Vogel zwitschert oder dir eine Kuh von der Wiese aus zumuht, finden sich in einer Stadt wie Stuttgart auf den ersten Blick mehr Autos als Tiere. Doch auch im Kessel kann man und Frauchen Haustiere halten. Und jeder Stuttgarter Haustierhalter hat hier seine ganz eigene Strategie. Wir möchten euch eine erste Auswahl präsentieren:

Haustiere im Kessel – here we go:

Die Supermamas

Foto: Katrin Maier-Sohn

Dein Herrchen is watching you! Ein Stadthund hat es nicht immer leicht. Während Hundebesitzerin Nadine arbeitet, bleibt ihr Chihuahua Micky zuhause. Damit Micky in der Wohnung keinen Blödsinn anstellt, wacht eine Hundekamera über ihn. Mit Bild- und Tonübertragung, sowie Schwenkarm hat Nadine ihren Hund so auch am Arbeitsplatz im Blick. Mickys Hundefreundin Rosa wird nicht kameraüberwacht. An den berufstätigen Tagen ihrer Besitzer kommt dafür der Gassi-Service und macht einen Spaziergang mit ihr. „Als arbeitender Hundehalter mit kleiner Wohnung brauchst du das perfekte Timing“, weiß Rosas Besitzerin Melanie. „Überstunden gehen nicht. Clubs, Kneipen oder ein Museumsbesuch sind mit Hund nicht möglich.“ Auch die Urlaubsplanung gestaltet sich schwierig: In welchem Hotel sind Hunde erlaubt? Fliegen – ja oder nein? Wer kann auf den Hund aufpassen?
Nadine und Melanie haben zumindest einen Hundesitter immer sicher – den jeweils anderen. Die beiden Hundefans haben sich beim Spazierengehen kennen gelernt. Ihre Hunde Rosa und Micky haben sich sofort gut verstanden. Mittlerweile sind nicht nur die Vier- sondern auch die Zweibeiner enge Freunde geworden. „Das ist super. Wir können zusammen Gassigehen, gegenseitig Hundesitten und treffen uns auch mal so zum Quatschen.“ Bei der Frage, wie hundefreundlich Stuttgart ist, sind sie sich einig: Ein Hundepark und Mülleimer fehlen!

Tipp: Vertrauen ist gut, Hundesitter sind besser!

Der Naturbursche

„Stuttgarter Gold“ hat nichts mit Goldbarren oder Hofbräu-Bier zu tun. Die Rede ist von Honig made in Stuttgart-West. Moritz Zepter nennt über 100.000 Bienen seine Haustiere und hat die Feld- und Wiesen-Romantik des Imkerns in die Stuttgarter Innenstadt verlegt. Der gelernte Raumausstatter fing mit dem Imkern an, weil er sich selbst versorgen, also autark leben wollte. Momentan hat Moritz sieben Bienenvölker. Zwei davon direkt zuhause am Bismarckplatz – eines auf dem Balkon und eines im Garten. Trotz Allergie gegen Bienenstiche, sind Bienen für ihn immer noch die besten Haustiere: „Im Gegensatz zu einem Hund oder einer Katze können Bienen auch ein paar Tage oder sogar Monate alleine bleiben. Und dann ist da natürlich noch der leckere Honig, den andere Haustiere nicht produzieren!“
Der Einstieg in das Hobby ist wegen Bienenkästen, Werkzeug, Honigschleuder und Schutzkleidung erst einmal ziemlich teuer, wird dann aber mit der Zeit günstiger und mit etwas Glück trägt es sich irgendwann. Für Bienen in der Stadt braucht man neben den ganzen Utensilien vor allem Erfahrung und Ruhe. Ohne Bienenkurs funktioniert das nicht. „Als Anfänger auf dem Balkon imkern, halte ich für grob fahrlässig“, meint Moritz. „Anfangs bist du froh, wenn du vor ungemütlichen Bienen wegrennen kannst und die Wabe, die du vor Schreck fallen lässt, nicht drei Stockwerke tiefer landet.“

Moritz‘ „Stuttgarter Gold“ kannst du bei der Buchhandlung Pörksen am Bismarckplatz kaufen.

Tipp: Alles ist gut, solange du wild bleibst!

Die Urbanen

Leia und Luke verdanken ihre Namen Prinzessin Leia und Luke Skywalker aus den Star Wars Filmen. Die beiden Katzen sind Geschwister und wohnen zusammen in Kevins und Elenas geräumiger und moderner Wohnung im Heusteigviertel. Bereits seit fünf Jahren schnuppern die beiden Katzen Stuttgarter Großstadtluft – allerdings nur vom Balkon aus. Ausgang ist wegen dem vielen Verkehr tabu. „Kevin wollte nie Katzen. Er hatte Angst vor den meisten Tieren. Betrunken in einer Bar habe ich ihn schließlich rumgekriegt und die Katzen noch in der Kneipe online ausgesucht“, erzählt Elena. Nun sind beide froh, dass ihnen die Miezen Gesellschaft leisten. Eine Katze muss zwar nicht so intensiv betreut werden, wie ein Hund. Trotzdem wird die eigene Routine – und vor allem die schicke Innenstadtwohnung – erst einmal auf den Kopf gestellt. Gekippte Fenster sind ebenso gefährlich wie Waschmaschinen oder eine luxuriöse Wohnungseinrichtung. „Beim Möbelkauf achten wir vor allem darauf, dass diese katzenfreundlich sind. Wir fragen uns immer: Wie lange überlebt das?“, so Kevin. Doch das Paar verzichtet eindeutig lieber auf schöne Vasen als auf ihre Katzen.

Tipp: Du willst Shabby-chic? Kauf‘ dir ne Katze!

Die Petfluencerin

Kim Hoss ist nicht nur Kommunikationsdesignerin, Illustratorin und Instagrammerin, sondern auch große Hundeliebhaberin. „Schon als Kind wollte ich einen Hund aber meine Eltern haben es mir nicht erlaubt.“ Nach Schule, Studium und Anstellung hat sie sich nun ihren Traum erfüllt. Als selbstständige Designerin dürfen ihre beiden Hunde Mimmi und Mochi mit ins Büro und versüßen so Kims Mittagspausen und die Termine mit ihren Kunden. Der Mops und die kleine Mischlingshündin haben in Kims Alltag tüchtig die Pfoten im Spiel, denn sie bleiben nicht gerne ohne ihre Besitzerin. „Das Abendprogramm richtet sich klar nach den Hunden“, erzählt die Stuttgarterin. „Dafür habe ich durch die beiden gelernt, wie schön die Wälder und Parks in und um Stuttgart sind.“
Während Mochi souverän durch die Welt springt, ist Mimmi noch etwas schüchtern, da sie vier Jahre lang in Rumänien lebte und erst 2018 von Kim aufgenommen wurde. Die neuesten Entwicklungen und Fortschritte ihrer Sprösslinge teilt Kim regelmäßig mit ihren Followern auf Instagram. Oder auf Mochis und Mimmis eigenem Instagram-Kanal @mochimimmi.

Tipp: Tue Gutes und rede (online) darüber!

Der Exotenliebhaber

Hund und Katze sind nicht alternativlos. Andere Tiere wie Hamster, Fische, Meerschweinchen oder Reptilien brauchen weniger Auslauf und sind deshalb großstadttauglicher. In Michis WG lebt eine dreibeinige Agame namens Sigurd. „Mein Mitbewohner Domi und ich, haben Sigurd auf Ebay-Kleinanzeigen entdeckt als wir aus Spaß nach Bartagamen geschaut haben und uns eigentlich gar nicht so sicher waren, ob wir wirklich ein Haustier für die WG anschaffen sollen“, erzählt der Landschaftsarchitektur-Student. „Er ist uns aufgefallen, weil er nur drei Beine hat und für nur einen Euro angeboten wurde.“ Die beiden Jungs haben sich in den Exoten schockverliebt und waren sich beim Entdecken der Anzeige auf Ebay-Kleinanzeigen sicher, dass Sigurd der Richtige für die WG ist. Sigurd lebt nun auf dem WG-Flur in einem Terrarium. Er darf oft raus und in den Zimmern umherkriechen. Der Pflegeaufwand ist relativ gering. Jeden Tag bekommt Sigurd frisches Wasser und Futter (Gemüse, Obst und Lebendfutter). Er frisst gerne Löwenzahn und Radieschen-Grün, ab und zu auch Zucchini. Am liebsten sind ihm aber doch Heimchen, Grillen oder Mehlwürmer. Wenn Michi in der Uni ist, liegt Sigurd unter seiner UV-Lampe oder frisst das, was Michi ihm zuvor reingestellt hat. Michi hätte gerne auch ein „normales Haustier“. Das geht aber in seiner aktuellen Lebenssituation nicht. Dafür hat er nun Sigurd. „Mit Sigurd ist es immer witzig. Zum Beispiel wenn man zusieht, wie er jagt und sich von jedem Heimchen austricksen lässt.“

Tipp: Normal kann jeder. Schwimm mal gegen den Neckar!

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