Stuttgarter Label somskat: Nachhaltigkeit auf mehreren Ebenen

Weltweit werden jede Sekunde 2,6 Kilogramm an Kleidung auf den Müll geworfen. Eine Zahl, die alleine schon erschreckend ist und noch erschreckender wird. Denn ein Großteil der Kleidung ist neu und ungetragen. Das Stuttgarter Fashion Label somskat will das ändern – mit einem nachhaltigen Konzept auf mehreren Ebene sowie einer Crowdfunding-Kampagne.

Stuttgart – Im Wohnzimmer Ikea, im Winter hyggelig: Die skandinavische Lebensweise wird auch in unseren Breitengraden immer beliebter. Sie haben ja auch Recht damit und so wundert es nicht, dass auch dieser Spross am Start-up-Himmel für die Orientierung einen Blick gen Norden geworfen hat.

Wertschätzung entlang der gesamten Schöpfungskette

somskat ist aus dem Dänischen abgeleitet. Eigentlich und in vollem Ausmaß heißt es som en skat, was so viel bedeutet wie „wie ein Schatz“. Der Fokus liegt auf Wertschätzung, das wird direkt deutlich. Denn darum geht es Charly und Max, den Machern hinter somskat. Sie wollen, dass Kleidung wieder einen Wert hat – und zwar nicht nur einen monetären. Das bedeutet nicht nur, von billig produzierten und deshalb zu günstigen Klamotten abzusehen. Das bedeutet vor allem, den gesamten Prozess der Kleiderindustrie neu zu denken. Aber das lassen wir die beiden Stuttgarter besser selber erklären.

Wie genau sieht euer Plan aus?

Es muss ein Umdenken in der Modeindustrie und vor allem im Konsumverhalten stattfinden: Die Vision von somskat ist es, Kleidung erst zu produzieren, wenn es die Rechtfertigung der Kunden erhalten hat. Neben einer Basis-Kollektion können neue Kleidungsstücke im Online-Shop von der Community gefunded werden – anschließend geben wir nur die Mengen in Auftrag, die nachgefragt werden. somskat macht wieder Vorfreude auf Kleidung und entschleunigt – ohne unnötige Überproduktion und zur Schonung unserer wertvollen Ressourcen. Das nennen wir die somskat Workshops.

Unser Ansatz soll auf mehreren Ebenen nachhaltig sein: Neben zertifizierten Materialien und fairen Arbeitsbedingungen, planen wir mit jedem verkauften Produkt im Online-Shop auch ein sozial-ökologisches Projekt zu unterstützen. We suppport great people making great work.

Wie seid ihr zu der Gründungsidee gekommen?

Charly hat in den letzten Jahren in der Modebranche gearbeitet und sich parallel mit den Themen Nachhaltigkeit und bewusstem Konsum beschäftigt. Dabei ist relativ schnell klar geworden: Wir dürfen unser Konsumverhalten nicht mit ‚grünen Produkten‘ kompensieren, sondern müssen neue Ansätze entwickeln, um langfristig etwas zu verändern. Nach vielen Diskussionen und Brainstorming-Stunden ist das Konzept von somskat entstanden. Im Social Impact Lab Stuttgart hatten wir dann in den letzten Monaten die Möglichkeit, alle Ideen in eine Geschäftsidee umzuwandeln und wurden mit Coachings, Co-Working Space und Netzwerken unterstützt.

Bei somskat versuchen wir auch in kleinen Schritten einen Unterscheid zu machen: Unsere Kleidung wird in wiederverwendbaren Taschen verschickt, ohne unnötigen Verpackungsmüll.

Wie sieht die Kollektion aus?

Für unsere Basis Kollektion, den Timeless Fundamentals, haben wir vier erste Styles kreiert: Einen Pullover, eine Bluse, ein T-Shirt und eine Hose. Alle möglichst schlicht, vielfach kombinierbar und das ganze Jahr über tragbar. Damit möchten wir in die Crowdfunding-Phase starten und die Produktion finanzieren lassen.

Bilder gibt es unter @somskat und bald in der Crowdfunding-Kampagne zu sehen. Abgesehen davon haben wir viele Ideen und erste Entwürfe – aber müssen uns im Moment noch etwas gedulden, bevor wir weitere Produkte entwickeln können.

Was macht eure Designs so besonders?

80 % der Umweltauswirkungen eines Kleidungsstückes werden bereits durch die Entscheidungen in der Designphase bestimmt. Daher betrachten wir Schnittkonstruktion und Stoffauswahl schon unter dem Nachhaltigkeitsaspekt: Unsere Stoffe sind GOTS- und teils sogar IVN-zertifiziert. Momentan arbeiten wir zum Beispiel mit kontrollierter Bio-Baumwolle aus Fairtrade-Projekten sowie Lyocell aus Portugal – ein Stoff aus Fasern, der aus Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft gewonnen wird. Die Designs an sich sind unter dem Aspekt der Zeitlosigkeit designed: klare Schnittführung, maximale Kombinationsfähigkeit und non-saisonale Looks. Wir arbeiten nicht in klassischen Kollektionsrhythmen, sondern in Kapsel-Kleidungsstücken, die länger als zwei Saisons Spaß machen. Wir möchten nachhaltige Mode nicht im Öko-Touch, sondern in einem reduzierten, minimalistischen Stil anbieten – die dabei erschwinglich bleibt!

Dieses Jahr war der Earth Overshoot Day am 29. Juli, das heißt an diesem Tag war das gesamte Ressourcenbudget unserer Erde für ein Jahr aufgebraucht.

Wie und wo produziert ihr eure Designs?

Die Designs der ersten somskat Produkte haben wir zusammen mit einer Designerin erarbeitet. Momentan sind wir in den finalen Abstimmungen der Musterteil-Produktion mit unserem Produktionsbetrieb in Polen. Wir arbeiten mit einem Familienbetrieb in der Nähe von Warschau zusammen, einer der früheren Textil-Hochburgen Europas. Das Team teilt unsere Überzeugung einer fairen und transparenten Industrie, sie zahlen deutlich über dem Mindestlohn und sorgen für ein freundschaftliches Arbeitsklima – wir waren selbst vor Ort.

Warum habt ihr euch für Crowdfunding entschieden?

Crowdfunding ist eine Möglichkeit, gemeinschaftlich Projekte zu realisieren, die mit erfolgreich abgeschlossener Kampagne auch bewiesen haben, dass es den Markt dafür gibt. Dem möchten wir uns stellen, denn der Crowdfunding-Ansatz entspricht genau unserer Vision von Mode – erst zu produzieren, wenn die Nachfrage sichergestellt ist. Neben der Produktion der Timeless Fundamentals, die schon in der Crowdfunding-Kampagne vorbestellt werden können, möchten wir mit der Kampagne möglichst viele Menschen erreichen, die ein ähnliches Verständnis von verantwortungsbewusstem Konsum haben, um so das Konzept der somskat ‚Workshops‘ realisieren zu können.

Das Crowdfunding startet am 1. Oktober. Alle Infos dazu und noch mehr über somskat findet ihr auf Instagram oder unter somskat.com.