Stuttgarter Junxx: Eine Stimme für Schwule und Lesben im Fußball

Homosexualität im Fußball ist noch immer ein schwieriges Thema. Doch es geht auch anders, das zeigen die Stuttgarter Junxx. Der schwul-lesbische Fanclub vom VfB Stuttgart setzt sich seit 15 Jahren für die Akzeptanz von Homosexuellen im Fußball ein.

Stuttgart – Wir schreiben das Jahr 2019. Knapp zwei Jahre ist es her, als der Bundestag am 31. Juni 2017 die Ehe für alle beschloss. Auf dem Fußballrasen, so scheint es, ist das Jahr 2019 noch nicht angekommen.

Die Stuttgarter Junxx: seit 15 Jahren dabei

Dabei machte das Outing von Thomas Hitzlsperger vor fünf Jahren Hoffnung. Der ehemalige Nationalspieler hatte sich 2014 zu seiner Homosexualität bekannt. Hitze, der von 2005 bis 2010 für unsere Jungs aus Cannstatt kickte, wollte das Thema voranbringen. Ebenso wie ein ganz bestimmter VfB-Fanclub, der den Schwulen und Lesben im Fußball schon seit 15 Jahren eine Stimme gibt: die Stuttgarter Junxx. Die Fangemeinde war eine der ersten schwul-lesbischen Fanclubs in der 1. Bundesliga – nur die Berliner und Dortmunder waren schneller.

Bei den Junxx ist jeder willkommen

Inzwischen zählt der Fanclub um die 100 Mitglieder und hat sich in der VfB-Szene einen Namen gemacht. Jeder ist bei den Junxx willkommen. „Wir sind offen für alle. Es sind nicht nur Schwule und Lesben im Fanclub vertreten. Eltern von Mitgliedern sowie Freunde von Mitgliedern sind bei uns im Club, Männer, Frauen und auch Kinder, alles bunt gemischt“, sagt Jens Kohler, der zweite Vorsitzende der Junxx. Seit 2007 ist er bei den Junxx aktiv. Der VfB-Fan stieß beim CSD auf den Fanclub, der dort einen Infostand hatte.

Die Mitglieder gehen zusammen ins Stadion, fahren zu Auswärtsspielen und tauschen sich bei anderen gemeinsamen Aktivitäten aus. 18 Dauerkarten besitzen die Junxx, die meisten davon sind in der Cannstatter Kurve angesiedelt. Vom VfB wird der Fanclub akzeptiert und unterstützt. „Beim VfB sind wir im Fan-Ausschuss vertreten, wir sind also voll integriert“, sagt Jens Kohler.

Die Welt ist bunt

Die wichtigste Veranstaltung der Junxx ist der CSD. Seit 2009 ist der Fanclub bei der CSD-Parade dabei, erst als Fußgruppe und seit acht Jahren mit einem eigenen Wagen. „Der CSD ist die Möglichkeit zu zeigen, dass es uns gibt. Wir erreichen so viele Menschen wie sonst nie. Es sind auch viele Familien mit Kindern am Start. Gerade denen möchten wir zeigen, wie bunt die Welt ist“, erklärt Jens Kohler.

Fußball ist alles – auch schwul

Der Fanclub will darlegen, dass Fußball und Homosexualität sich nicht ausschließen und gegen Homophobie vorgehen. „Schwul ist immer noch ein Schimpfwort. Früher haben wir das öfters im Stadion gehört, heute weitaus weniger“, beobachtet Jens. „Vor ein paar Jahren haben wir im Stadion einen Banner organisiert mit der Aufschrift: Fußball ist alles – auch schwul. In der Fahnen-Mannschaft, die den Banner aufgehängt hat, gab es Leute, die sich dagegen ausgesprochen haben“, erinnert er sich.

Unterstützung vom VfB

Doch neben diesem unschönen Ereignis erfahren die Junxx auch viel Unterstützung. In der Fanszene des VfB haben sie Rückhalt, auch die Fangemeinde Commando Cannstatt, die VfB-Ultras, stehen hinter dem Fanclub. „Wir haben ein gutes Verhältnis zum Commando Cannstatt und haben durch die Arbeit im Fan-Ausschuss neue Kontakte geknüpft“, freut sich Jens. Außerdem möchten die Junxx mit Vorurteilen aufräumen. „Die Leute kennen uns halt nicht. Wenn sie uns sehen, dann stellen sie fest, dass wir ’normal‘ sind. Wir sind keine rosa Truppe“, so Kohler.

„Die Fans sind bei dem Thema viel weiter als die Verbände“

Beim Thema Homosexualität im Fußball sieht der zweite Vorsitzende die Fans nicht als Problem. „Es wird gesagt, die Fans wären nicht bereit für einen schwulen Fußballer. Das glaube ich nicht“, sagt er und verweist auf ein berühmtes Gesicht der Schwulenbewegung im Fußball. „Thomas Hitzlsperger wird nicht als Schwuler wahrgenommen. Er ist ein toller Spieler, der den VfB verkörpert. Wenn er in die Kurve kommt, wird er begeistert gefeiert. Die Fans sind bei dem Thema viel weiter als die Verbände.“

Deren Erfolge liegen in der Vergangenheit. „Theo Zwanziger (DFB-Präsident von 2006-2012) hat während seiner Amtszeit Aktionsabende gegen Homophobie organisiert. Eine der Veranstaltungen fand 2009 in Stuttgart statt. 2007 haben sich alle Fußballvereine bei der ‚Leipziger Erklärung‘ verpflichtet, gegen Homophobie vorzugehen“, erklärt Jens.

Doch seit dem Outing von Hitzlsperger habe sich wenig getan. Ebenso habe dieser sich erst nach seinem Karriereende zu seiner Homosexualität bekannt. „Es traut sich immer noch keiner, sich während seiner aktiven Spielzeit zu outen. Es gibt Spieler in Amerika und Schweden, die sich geoutet haben. Das muss aber in einer der großen Ligen, also in der Bundesliga, Premier League oder in der Serie A passieren“, so Kohler. Er hofft auf einen Dominoeffekt, wenn sich erst mal ein Spieler geoutet hat. „Einer muss den Stein ins Rollen bringen und dann ist das irgendwann hoffentlich gar kein Thema mehr“.

Foto: Stuttgarter Junxx e.V.

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