Stuttgart steht auf gegen Rassismus

Seit wenigen Tagen laufen die Internationalen Wochen gegen Rassismus. In ganz Stuttgart gibt es diverse Aktionen und Veranstaltungen – besonders viele davon finden gebündelt im Esslinger Kulturzentrum Komma statt.

Stuttgart – Rassismus ist überall. Es ist nichts, was nur den anderen passiert. Und auch nichts, was es nur in anderen Gegenden gibt. Sachsen oder so. Rassismus wuchert mitten unter uns, zusätzlich befeuert von denen, die sich raushalten. Die keine eigene Meinung vertreten. Die Internationalen Wochen gegen Rassismus wollen genau darauf aufmerksam machen. Als weltweite Aktion, die mit Demonstrationen, Veranstaltungen und Events gegen Rassismus, Ausgrenzung und Intoleranz zu Felde zieht. Denn jetzt ist echt nicht die Zeit, um die Klappe zu halten.

Klar gegen Rassismus

Auch im Esslinger Kultur- und Jugendzentrum Komma nimmt man sich in diesem Jahr erstmals der Sache an. Für Leiter Amos Heuss ist das selbstverständlich. „Wer sich den Internationalen Wochen gegen Rassismus anschließt, befindet sich in einer weltweiten Gemeinschaft, die sich für Vielfalt, Demokratie, Toleranz und Offenheit einsetzt. Und genau für diese grundlegenden Werte tritt auch das Komma ein.“

Komma-Leiter Amos Heuss steht auf gegen Rassismus.

Vom 18. bis zum 23. März gibt es im Komma Podiumsdiskussionen, Vorträge, Konzerte, Partys und reichlich Möglichkeit zur Vernetzung, beginnend mit einer ziemlich ungewöhnlichen Performance von Björks legendärem „Homogenic“-Album. „Das gesellschaftliche Klima wandelt sich. Die Medien wollen uns vermitteln, dass man diesen Werten hier gar nicht mehr positiv gesonnen ist“, so Amos weiter. „Da ist eine klare Positionierung umso wichtiger.“

Neutral zu sein ist nicht mehr unpolitisch

Das ist nicht alles: Mit diesen Aktionswochen will das Komma auch andere Esslinger Institutionen und Einrichtungen sichtbar machen, die sich klar gegen Rassismus stellen. Amos: „Das Komma als öffentlicher Ort kann diese Einrichtungen bündeln und soll als Ort wahrgenommen werden, an dem man sich als Jugendlicher oder Erwachsener einbringen kann.“

Für ihn ist eine solch klare Kante essentiell für einen Ort wie das Komma. „Neutral zu sein ist nicht mehr unpolitisch. Wenn ich mich raushalte, biete ich anderen Ideologien automatisch mehr Raum. Deswegen stehen wir für die Werte ein, die uns wichtig sind.“

Hetze gibt es überall

Damit treten Heuss und sein Team auch im beschaulichen Esslingen anderen auf die Füße. Rund 40 ihrer Plakate wurden in letzter Zeit beschädigt, abgerissen oder mit rechten Aufklebern verunstaltet.

Beschädigte Plakate in der Esslinger Innenstadt.

„Jetzt kann kein Mensch mehr sagen, in Esslingen gebe es keinen Rassismus“, meint Amos trocken. Das sagt man aber eben gern. Weil es einfach ist. Weil man sich nicht damit auseinandersetzen will. Doch genau das muss aufhören, findet er. „Es ist wichtig, in den Diskurs zu gehen und Betroffenen den Raum zu geben, sich auszudrücken.“ Das geschieht im Komma mit einem Poetry Slam gegen Rassismus (23.3.) oder einer großen Queer-Oriental-Abschlussparty.

Gefeiert wird jetzt erst recht

Im Komma steht also keine negative und betroffen machende Woche bevor, sondern eher eine kunterbunte Zusammenkunft. „Kritisch und mit klaren Positionen zwar“, so Amos, „aber auch als Versuch, die Menschen zusammenzubringen.“ Dass es da einige gibt, die das gezielt torpedieren wollen und sich ganz sicher nicht an einen runden Tisch setzen werden, entmutigt Amos nicht. „Wir verstecken uns nicht, haben Anzeige gegen Unbekannt gestellt und lassen uns von niemandem mundtot machen.“ Dennoch bleibt ein mulmiges Gefühl zurück. „Wir haben es zwar schon fast erwartet, doch es ist schon unangenehm zu wissen, dass es da Leute gibt, die uns gezielt schaden wollen.“ Umso wichtiger ist es jetzt also, nicht den Mund zu halten.

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