Stuttgart – Paradies für Skateboarder

Eine Ausstellung im Stadtpalais zeigt derzeit, wie Skateboarding seit fast 30 Jahren das Stuttgarter Stadtbild prägt. Zwei wichtige Protagonisten der Szene sind Torsten Frank und Phil Anderson.

Stuttgart – Torsten Frank ist überzeugt: „Stuttgart ist die beste Stadt zum Skaten.“ Im Kessel gebe es alle möglichen Spots, die ein Skater braucht. Große Straßen,  Treppen, Mauern, Handgeländer und die Plaza am Pragfriedhof und vor allem viele Passagen.   Er selbst liebt die Passagen, wie zum Beispiel unter dem Arnulf-Klett-Platz. „In vielen Städten ist skaten eine Wetterfrage“, sagt er. „Nicht so in Stuttgart. Da kann man bei Regen in den U-Bahn-Passagen skaten.“ Das sei ein Alleinstellungsmerkmal der Stadt  – und für ihn eine optimale Filmkulisse. Der Stuttgarter Frank, 42, gehört zu den angesehensten Skateboard-Filmern auf diesem Globus.

Stuttgart als riesiger Skate-Spot

Wo trifft sich die Stuttgarter Skateszene? Und wie haben sich die Orte verändert?  Das Stadtpalais – Stadtmuseum für Stuttgarte widmet sich derzeit der hiesigen Szene in der Ausstellung „Skateboarding Stuttgart“. Für diese hat Torsten Frank sein Archiv geöffnet  und stand den Kuratoren beratend zur Seite.

Elf Stuttgarter Skater, die die Szene in den letzten 30 Jahren mitgeprägt haben, zeigt die Ausstellung und ein etwa 40-minütiger Film – an elf Orten, die im Laufe der Zeit  beliebte Treffpunkte der Szene waren.  „Alle drei Jahre gibt es ja einen neuen Hotspot“, sagt  Frank. Derzeit beliebt: Der Rupert-Mayer-Platz vor der Kirche St. Maria. Sogar der Pfarrer dort ist ein Fan der Skater und hat ihnen das Skaten auf dem  Kirchenvorplatz sogar  genehmigt. „Das ist wirklich einmalig in der Geschichte in  Stuttgart.“

Skaten ein fester Bestandteil der Stuttgarter Subkultur.

Frank hat 1989 angefangen mit Skateboard fahren, mit 18 Jahren hat der stu­dierte Kommunikationsdesigner begonnen, Filme zu drehen. Er sei, so sagt er, einer der wenigen Europäer, die von Skateboard­filmen leben können. Die Szene habe ­Höhen und Tiefen gehabt. „Aber seit 2000 ist Skaten ein fester Bestandteil der Stuttgarter Subkultur.“  Dabei sieht er  durchaus Unterschiede zwischen damals und heute.   Früher, sagt Frank, da waren die Skater vielleicht 14 Jahre, rauchten ihre erste Zigarette,  waren politisch-rebellischer, gegen das Establishment.

Seit zwei Jahren hat Stuttgart am Cannstatter Bahnhof eine Indoor-Skatehalle, den  Stuttpark.  Da gibt es Kurse für Achtjährige, die mit Helm fahren. „Das ist ein ganz neuer Bereich. Ein Sport, wie wenn man früher zum Fußball ist“, sagt Frank.

Stuttgart war immer auch Talentschmiede

Stuttgart war immer auch Talentschmiede. Eines dieser Talente ist Phil Anderson. Er stand mit elf Jahren zum ersten Mal auf dem Board. Es folgten  Videos, internationale Wettbewerbe und Interviews in Fachmagazinen. Anderson ist immer noch   aktiv, unter anderem als Teamfahrer für Arrow & Beast –  ein Stuttgart Shop, Skateteam und eigene Marke .

Als Phil Anderson Ende der 90er begann, galt das Skaten in der Stadt noch als verpönt,  war fast überall verboten. Nächstes Jahr feiert Phil 20 Jahre auf dem Board. Sein Talent wurde früh von  Frank entdeckt.  Der nahm den 13-jährigen Anderson damals unter seine Fittiche, ließ ihn bei sich in der Skate-WG einziehen und verhalf ihm zum ersten Profi-Vertrag mit  19 Jahren.  Aber ums  Geld geht es Anderson gar nicht so sehr:  „Skaten ist eine Lebenseinstellung. Wir haben alle dieselbe Leidenschaft: Hinfallen und wieder aufstehen.“

Anderson ist Talent-Scout

Heute ist Anderson selbst in der Position des Mentors. 2016 wurde dem 31-jährigen zusammen mit Tom Luca die Position des Hausleiters des „Stuttpark“ angeboten. Lange habe er überlegt, sich dann aber gesagt: „Warum nicht mal was zurückgeben?“. In seiner Position ist er auch Talentscout für die Profi-Teams und Sponsoren.

Skaten ist dicker als Wasser.

Anderson stand wie Torsten Frank den Kuratoren der Ausstellung als Vermittler in die Skate-Szene zur Verfügung. Er klapperte seine Kontakte im In- und Ausland ab, damit auch keiner der Wirkenden in Stuttgart vergessen wird. Einige lebten nicht mehr hier, hätten aber bereitwillig ihre Stories und Videos aus Zeiten geschickt, als es noch 56k-Modems gegeben habe, sagt er.

Und genau das gefällt ihm auch so gut an der Skater-Community: die gegenseitige Unterstützung. „Dir fehlt eine Schraube am Brett? Man organisiert dir eine neue. Dein Brett ist gebrochen? Man organisiert dir ein neues.“ Der ununterbrochene Support halte die Szene wie eine Familie zusammen. „Skaten ist dicker als Wasser“, resümiert Phil Anderson lachend. Man sei eine tolle Community, die beweist, „dass es uns nicht darum geht den öffentlichen Raum kaputt zu machen.“

Palais du  Beast: Das Stuttgarter Stadtpalais und die Crew von Arrow & Beast haben sich zusammengetan, um ein Stairbattle auf die Beine zu stellen. Samstag, 18. August, ab 14 Uhr im Stadtpalais. Mehr Infos gibt es hier >>>

Autoren: Nina Ayerle und Philip Stoeckenius

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