„Stuttgart braucht einen Hundepark“

Stuttgart, für immer erste Liebe? In unserer Reihe erzählen Stadtkinder, was sie an ihrer City so lieben – und was sie so richtig nervt. Heute mit Kim Hoss – Illustratorin, Bauchfrau und Mops-Mama.

Stuttgart – Schnipp, schnapp, Haare ab – Kreativkopf Kim Hoss legte vor Kurzem selbst Hand an und schnitt sich die Haare ab, einfach so, weil sie Lust drauf hatte. Den Weg zur frechen Frise, ihre Gedanken dazu – „Im Endeffekt sind es ja auch nur Haare“ – und den gar nicht mal so gewagten Schnitt, äh, Schritt dokumentierte die Illustratorin, die das Freund & Kupferstecher Büdle gestaltete, in unzähligen Stories auf Instagram. Denn ihre Devise lautet nicht selten: Lachen hilft. Daran lässt sie die Menschheit nur allzu gern teilhaben. Das hat ganz viel mit Selbstironie, aber vor allem auch mit Selbstliebe zu tun.

„Es ist ziemlich gut, dass ich so bin wie ich bin“ – dieser Satz kommt Kim mittlerweile ziemlich locker über die Lippen. Doch das war lange nicht so. Vor einigen Jahren gab es einen Einschnitt im Leben der 30-Jähigen, sie machte sich selbstständig und keinen Sport mehr. „Und dann verändert sich so ein Körper schon mal. Ich habe mich immer dafür gehasst, dass ich so faul war. Doch dann überlegte ich: Will ich überhaupt anders aussehen und schlanker sein?“ Einen weiteren Gedanken-Anstoß gab ihr das Label Bauchfrauen und die Stuttgarterin, die ihre Weiblichkeit gern zur Schau trägt, rief sich selbst ins Gewissen: „Du musst mit diesen doofen Gedanken aufhören, nimm dich doch einfach so an wie du bist.“

Kim kreierte eine Selbstliebe-Liste, die sie kürzlich auf Instagram teilte, wo sie auch Frauen wie die Bauchfrauen und deren Message mit eigenen Grafiken unterstützt. „Gut, dass das Thema ‚Ich mag mich so wie ich bin‘ mal ins Rollen kommt“, findet sie. Denn auf Social Media würden auch viele Bilder von halbnackten, super schlanken und durchtrainierten Frauen die Runde machen. „Es ist schlimm, was junge Girls da an Bildern in ihr Gehirn gepresst bekommen. Ich bin froh, dass auch ich meinen Teil dazu beitragen kann, mit viel Humor, versteht sich.“

„Sich gegenseitig bestärken, ist mein Ziel für 2018“

Und es gehe der toughen Blondine auch um die gegenseitige Stärkung – vor allem unter Frauen. „Wir Frauen sind manchmal echt scheiße zueinander. Konkurrenzdenken ist da das große Stichwort.“ Doch so muss es nicht sein. „Nicht wir müssen uns verändern, sondern die Art wie wir über uns denken“, sei ein Zitat, das sie ebenfalls bei den Bauchfrauen aufgeschnappt habe.

Zwischen alle der Selbstliebe ist aber auch noch ganz viel Platz für anderes. Zum Beispiel sprang beim Posten auch eine Liebeserklärung für Mops Mochi heraus. Zusammen macht man schon ein Weilchen Stuttgarts Straßen unsicher. Kim kann und will nicht mehr ohne. Sie ist Mops-Mama aus Leidenschaft. Da zitiert sie dann auch gern mal Friedrich von Hagedorn mit: „Wo Möpschen war, war stets Freude.“

Und als wäre das nicht schon genug, verkauft der freche Blondschopf unter www.kimskrims.de selbstgemachte Bommel-Ohrringe und spricht von großer Bobbel-Liebe. „Handarbeit ist Therapie für mich und ich freue mich, wenn andere Freude daran haben.“ Außerdem gewann sie einen Pitch beim Kulturamt und gestaltet dort nur so drauf los.

Mehr folgt nun im Fragebogen:

Dein Beruf in Eigendefinition: Singende Papierbuntmacherin mit Mops

Seit wann lebst du in Stuttgart? Seit Januar 2008

Wo wohnst du heute? Am schönen Marienplatz

Was gefällt dir an dieser Ecke besonders, was eher weniger? Mir gefällt, dass hier alles vorhanden ist in einem kleinen Radius. Hier ist immer was los am Marienplatz! Was mir nicht gefällt? Ich weiß nicht, ob es auch an anderen Stellen in Stuttgart so schlimm ist, aber Leute vermüllen die Straßen immer mehr. Das finde ich traurig.

Wann und wo hast du dich in Stuttgart verliebt? Was ist passiert? An einen bestimmten Moment kann ich mich gar nicht erinnern. Ich entdecke andauernd Neues hier und verliebe mich quasi immer wieder neu.

Wo ist deine Hood, wo hängst du am liebsten rum und warum? Ich habe schon im Osten, im Westen, in der Mitte Stuttgarts gewohnt und jetzt im Süden, studiert habe ich im Norden. Ich würde behaupten, ganz Stuttgart ist meine Hood!

Wo ist Stuttgart am schönsten? Wo am hässlichsten? Stuttgart von oben zu sehen ist für mich immer am schönsten, das empfehle ich auch immer Gästen! Am hässlichsten in Stuttgart ist momentan die allgemeine Baustellensituation.

Was wolltest du in Stuttgart immer schon mal machen, hast es aber noch nie geschafft? Ich habe es leider immer noch nicht geschafft, ins Hallenbad Heslach zu gehen, obwohl ich nur 900 Meter davon entfernt wohne…

Ein Daueraufreger in dieser Stadt ist… Stichwort Baustelle und Stau. Ich rege mich außerdem regelmäßig auch über die Parkplatzsituation auf.

Ein Geheimtipp, den du ausnahmsweise mit uns teilst: Im Sommer der Stadt entfliehen und doch in der Stadt bleiben: Der Villa Berg Park, Nähe Gaskessel. Hier ist fast nie jemand und man fühlt sich wie auf einer einsamen Insel!

Wie reagierst du, wenn jemand sagt, die Stadt sei hässlich? Ich lache und frage, was er von der Stadt schon gesehen hat. (Meist nur den Bahnhof…)

Dein Lieblingsrestaurant? Warum? Da ich großer Fan der japanischen Küche bin, steht auf meiner Nummer 1 das japanische Restaurant Kurose am Feuersee – authentisches Essen, tolles Ambiente.

Deine Lieblingskneipe? Ich treffe mich oft mit Freunden im Flora & Fauna am Mineralbad Leuze. Hier kann man sich (Jahreszeiten unabhängig) nach einem Spaziergang im Park niederlassen, es gibt leckeres Essen, Kuchen und: Hunde sind auch willkommen!

Wo bist du am häufigsten abgestürzt? Im Keller Klub und im 1210 (R.I.P.)

Wo gibt‘s die besten Konzerte? Ich habe tolle Konzerte im Wizemann erlebt, im Club Cann und in der Liederhalle!

Wie bist du in der Stadt unterwegs – Auto, Rad, zu Fuß? Meistens zu Fuß, mit Bus und Bahn und Car-Sharing.

Wo in Stuttgart macht Gassi gehen am meisten Spaß? In den umliegenden Wäldern wie dem Bopserwald, am Haigst, auf dem Killesberg oben. Es gibt super viele Wälder, die direkt an der Stadt dran sind, viele sie aber nicht kennen. Das schönste wäre aber, wenn es mitten in der Stadt einen Hundepark gebe, ähnlich wie ein Basketballplatz.

Was würdest du sofort ändern, wenn du OB wärst? Mehr Zebrastreifen, mehr Blitzer, autofreie Tage in der Stadt, einen Hundepark anlegen.

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