Kunstakademie: Studium mit Emotionen und Leidenschaft

Ab Freitag präsentieren Studenten der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart ihre Arbeiten beim alljährlichen Rundgang. Wir haben uns mit Studentinnen der Fachrichtungen Bühnen- und Kostümbild und Restaurierung getroffen und über ihre ungewöhnlichen Berufe gesprochen.

Stuttgart – Vom 20. bis 22. Juli öffnet die Akademie der Bildenden Künste Stuttgart ihre Türen. Nachdem wir einen Einblick in den Bereich Design bekommen haben, stellen wir nun zwei eher ungewöhnliche Studiengänge vor: Bühnen- und Kostümbild und Restaurierung.

Susanne Brendel, Bühnen- und Kostümbild, 8. Semester

Das Theater hat Susanne Brendel schon immer fasziniert. „Man taucht in eine komplett andere Welt ein und es regt zum Nachdenken an“, erklärt sie. Auch für Bildende Kunst hat die Studentin ein Faibel. Nach dem Abitur absolvierte sie ein Praktikum am Theater in Frankfurt. Das bestätigte Susanne in ihrem Wunsch, eines Tages dort zu arbeiten.

Für Stuttgart hat Susanne sich entschieden, weil die AKA mit der Akademie für Darstellende Kunst in Ludwigsburg kooperiert. Dort werden Regisseure, Schauspieler und Dramaturgen ausgebildet. Die Studenten inszenieren auf der Theaterbühne in Ludwigsburg gemeinsame Projekte. „Es ist wichtig, Leute kennen zu lernen und Kontakte zu knüpfen. Im ersten Jahr des Studiums haben wir zusammen mit Kunststudenten und Kunsterziehern Unterricht. Da baut man ein gutes Netzwerk auf und kann sich Input holen“, sagt Susanne. Ebenso schätzt die Studentin die Professoren und Dozenten an der Aka.

Theater ist an kein Alter gebunden

Beim Rundgang präsentiert Susanne ein Bühnenbild zu der Oper „Luci mie traditrici“ von Salvatore Sciarrino. Das Liebesdrama erzählt die Geschichte von einem Fürsten, der seine untreue Ehefrau ermordet.

„In der Oper gibt es den Inhalt, die Musik und den Text. Da muss man sich für einen Aspekt entscheiden und sich fragen: Was ist wichtig? Was interessiert einen oder was ist gerade gesellschaftlich relevant?“, erklärt Susanne. Es reicht also nicht, einen kurzen Blick auf das Stück zu werfen, man muss sich intensiv mit dem Geschehen auf der Bühne befassen. „Wir konstruieren nicht nur ein Bühnenbild, sondern gehen auch fiktiv die ganze Inszenierung durch“, sagt Susanne.

Die Studentin ist der Überzeugung, dass Theater an keine Altersgruppe gebunden ist. „Wenn es gutes Theater ist, dann spielt es keine Rolle, wie alt man ist“, meint sie. An alle, die in der Schule den ein oder anderen öden Theaterbesuch erlebt haben, rät sie: Schaut euch nicht nur die Klassiker an, es gibt so viel mehr!

Ihre Leidenschaft fürs Theater hat unter dem Studium nicht gelitten, im Gegenteil, es hat Susannes Neugier beflügelt. „Es gibt heute so viele Möglichkeiten, Theater zu machen. Da gibt es noch eine Menge zu entdecken“, sagt sie.

Isabel Schulz, Restaurierung, 6. Semester

Das Erste, das man über den Studiengang von Isabel lernt: Es heißt Restaurierung, nicht Restauration! Die 24-Jährige scheint die Leute an dieser Stelle oft korrigieren zu müssen, wenn sie über ihre Leidenschaft spricht. Im mittlerweile sechsten Semester lernt sie, wie man Kulturgüter wieder so herrichtet, wie sie früher einmal ausgesehen haben.

Dazu gehört weitaus mehr, als das Wieder-Aufhübschen von alten Gemälden und Denkmälern. An der Akademie werden die praktischen Übungen mit theoretischen Fächern untermauert: Chemie, Kunst, Kunstgeschichte, Ethik. Zur Restaurierung kommen dann auch noch Kenntnisse über Konservierung und Prävention, also die Vermeidung von Schäden, dazu. Die Akademie ist eine von nur drei Hochschulen in Deutschland, in denen man dieses Fach im Bachelor studieren kann, so die Studentin.

Unterschiedliche Vorstellungen der Auftraggeber

Mithilfe des umfangreichen Wissens müsse sich dann jeder Student seine Herangehensweise an die Restaurierung eines Objekts überlegen. „Jedes Modell ist anders. Man muss sich immer neu Gedanken machen, wie man es angeht.“ Besonders wichtig ist dabei, nicht zu sehr in das Gefüge einzugreifen, erklärt sie: „Oft dachten sich die Restauratoren, sie könnten das besser als der Künstler und haben die Werke zu sehr verändert. Dadurch haben sie sie gewissermaßen kaputt gemacht, weil sie einfach zu viel Herz und eigene Interpretation hineingesteckt haben.“

Manchmal ist es deswegen gar nicht so einfach, zu wissen, wie man ein Objekt restaurieren soll. Auch die Auftraggeber von Restauratoren haben da ganz verschiedene Vorstellungen: „Ein Museum möchte es ethisch korrekt, also so, wie es früher wirklich aussah. Kunsthändler wollen es am liebsten etwas hübscher haben und Kirchen wiederum wollen den Glauben über die Objekte bestmöglich vermitteln“, erklärt Isabel.

Beim Rundgang an der Akademie zeigen die Restauratoren unter dem Motto „In vino veritas“, was man bei der Restaurierung alles mit Alkohol anstellen kann. „Es gibt Mitmachstationen, bei denen man historische und aktuelle Methoden selbst ausprobieren kann.“ Außerdem zeigen die Studenten alle zwei Stunden eine Infrarot-Vorstellung, mittels derer man auf Gemälden verdeckte Malschichten erkennen kann.

Das Pflegen von Emotionen

Nach ihrem Abschluss kann Isabel Anstellungen in Museen und Forschungsinstituten finden. Rund 90 Prozent aller Restauratoren arbeiten aber freiberuflich, meint sie: „Das ist natürlich schwierig, aber wenn man gut ist, kann man so seinen Lebensunterhalt verdienen. Aufträge für uns gibt es sicher genug, aber meistens fehlt den Auftraggebern das Geld.“

Dennoch ist Isabel von ihrer Berufswahl begeistert: „Unsere Arbeit bedeutet den Menschen so viel. Einmal haben wir eine Madonna in einer Kirche restauriert. Ein alter Mann kam herein und hat sich so gefreut, weil er die Skulptur schon seit Kindertagen kannte. Wir pflegen und erhalten eben auch Emotionen.“

Mehr Infos zu dem Rundgang findet ihr hier.

Autoren: Lea Weinmann und Amelie Pyta

Rundgang an der AKA

Wann? 20 bis 22. Juli

Wo? Akademie der Bildenden Künste ( Am Weißenhof 1)

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