Streetartist Bordalo II verewigt sich in Stuttgart

Während sich Banksy offenbar sechsfach in Paris verewigte, stand gestern auch in Stuttgart alles im Zeichen von Streetart. Genau genommen im Café Lis, denn dort installierte der bekannte Straßenkünstler Bordalo II eines seiner „Trash Animals“.

Stuttgart – Streetart und Stuttgart, das geht nicht zwangsläufig aber doch ziemlich gut zusammen. Unter Beweis stellte das der portugiesische Installationskünstler Bordalo II, der am Abend seine aus Müll kreierte Installation im Café Lis vollendete. Das in Auftrag gegebene Pferd sei eines der kleineren Trash Animals, mit denen er weltweit für Furore sorgt. Warum? Weil er aufmerksam machen möchte – auf die bedrohte Tierwelt und die Zerstörung der Umwelt durch den Menschen. „Es war eine große Challenge Bordalo II überhaupt nach Stuttgart zu bekommen – wir haben zig Mails hin und her geschrieben“, berichtet Heiner Scholz, einer der Café Lis-Chefs.

Das Stuttgarter Rössle aus Müll

Eigentlich arbeitet der gefragte Künstler hauptsächlich an größeren Installationen, zuletzt kreierte er unter anderem eine riesen Robbe in San Francisco – andere Pieces sind auch mal ganze Häuserfassaden hoch, immer aus Müll gemacht. In Stuttgart fällt das Ganze eine Nummer kleiner aus. Die Auftragsarbeit, das Stuttgarter Rössle, wurde in Bordalos Atelier in Lissabon gefertigt und bekam im Café Lis seinen letzten Schliff. Und Heiner ist happy. Einen der Großen aus der Szene für sein Lokal gewonnen zu haben – da will ihm das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht weichen. „Ich habe ihn einfach über Facebook angeschrieben, auch weil ich seine Message richtig gut finde.“ Das Pferd strahle auch etwas Positives aus und sei so freundlich – gute Laune im Café ist also garantiert. Wer Bock auf die Entstehungsgeschichte des Werkes hat, sollte den Instagram-Account vom Café Lis checken und bei den Highlights „The Secret“ anklicken.

Zwei Tage und zwei Stunden

Und wie geht es dem Künstler? „Ich bin glücklich, aber auch richtig müde“, sagt Bordalo nachdem er sein Kunstwerk beendet hat. Insgesamt habe er zwei Tage in Lissabon und zwei Stunden in Stuttgart daran gearbeitet. Diese Variante käme für ihn nur bei kleineren Werken in Frage, ansonsten wird vor Ort gearbeitet – zu groß dürfe das Piece dann aber auch nicht sein. „Man verliert den Sinn für das Material – am liebsten sind mir zwei auf zwei Meter, das ist optimal.“

Trash-Animal-Reihe ganz zufällig entstanden

Vor etwa fünf Jahren begann Bordalo seine Reihe „Trash Animals“, anfangs ohne Message. „Das erste Trash Animal ist ganz zufällig entstanden, die Aussage dazu entwickelte sich nach und nach.“ Er habe einfach ein Tier aus Müll machen wollen. Für den Künstler ganz logisch. Denn Müll zerstört die Natur und tötet damit auch die Tiere. Bordalos Werken wurde immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt, auch wegen der aktuellen Brisanz und der immer weitreichenderen Problematik der Umweltverschmutzung. Mittlerweile folgen ihm über 100.000 Follower auf Instagram.

Wir müssen etwas ändern, sonst ersticken wir im eigenen Müll.

„Ich will das nicht für immer machen. Ich bin ein Künstler und denke es ist wichtig, sich auch weiterzuentwickeln und neu zu erfinden.“ Aber natürlich ermögliche ihm der Erfolg, den er vor allem auch den Trash Animals zu verdanken habe, spannende Reisen und Erfahrungen. Stuttgart kannte er vorher nicht. „Es ist ein kurzer Zwischenstopp, ich bin nur hier, um meine Installation zu vervollständigen“, gibt der Portugiese zu. Gleich am nächsten Tag gehe es weiter auf die Kanaren. Wer jetzt denkt, das klingt nach Urlaub, der irrt. Es sei ein Auftrag. Urlaub habe er erst im Dezember wieder. „Ich will den Umwelt-Aspekt, aber auch die soziale Seite noch mehr in meine Arbeiten einfließen lassen. Das ist das wichtigste an meiner Kunst. Werke kreieren, reich und ein Arschloch werden – nein, danke!“ Man habe als Künstler auch eine Verantwortung zu tragen, müsse etwas zur Bildung junger Leute beitragen – „und die Kunst ist ein wichtiges Instrument, um Kultur und Bildung zu vermitteln.“ Man könne etwas neues schaffen, die Leute zum Nachdenken bringen. „Deine Kunst sollte immer auch etwas aussagen, sonst hast du deine Chance vertan, etwas zu verändern.“ Auch beim Thema Müll. Es fange im Kleinen an. „Wenn du in eine Bar gehst und einen Drink bestellst, dann lass den Strohhalm weg. Jeder kann seinen Teil dazu betragen und wir müssen definitiv etwas ändern.“

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