Streetart Stuttgart: Die geklebten Denkanstöße von KalleKlex

Dreckig, hingeklatscht, kritisch: Mit seiner Kunst mischt KalleKlex seit geraumer Zeit den Kessel auf. Wir haben mit dem Streetartist, natürlich auf Stuttgarts Straßen, über seine Bilder-Sprüche-Kollagen geplaudert, die zum Nachdenken anregen.

Stuttgart – „Es geht um die Kunst“, der Name sei nicht wichtig, Anonymität das höchste Gut eines Straßenkünstlers, der nicht immer ganz legal unterwegs ist. Trotzdem wollen wir wissen, wer hinter den Zeichnungen und Sprüchen, die zum Nachdenken anregen, steckt. Als KalleKlex macht der Streetartist Stuttgarts Straßen nun schon ein ganzes Weilchen etwas bunter, urbaner und interessanter. Zuletzt sorgte er mit der SpazierGang für Aufsehen – bei der Aktion „Streetart gegen Hass„. „Unsere Wall of Love soll ein Zeichen gegen Hass, Diskriminierung und Rassismus setzen“, betonte man damals im Kollektiv. Die Wand wird übrigens noch ein knappes Jahr zu sehen sein, auf dem Züblin Parkhaus, aber das nur am Rande.

Aus jugendlicher Rebellion wurde echte Leidenschaft

Erstmal zurück auf Anfang. Mit 13/14 Jahren wurde KalleKlex zwar noch nicht von Bustas, dafür aber vom Hip-Hop-Virus infiziert, die Welle des Sprechgesangs riss ihn mit. „Wir waren am Rappen, Skaten, da lag es nahe, dass man auch schnell mal die Dose in die Hand nahm und anfing zu sprayen.“ Der Künstler spricht selbst von jugendlicher Rebellion, die sich schnell weiterentwickelte. „Ich glaube, das liegt mir, das macht mir Spaß“, waren seine Gedanken.

Vom Taggen habe er sehr schnell den Weg auf die Leinwand gefunden. „Erstmal ganz rudimentär, Landschaften gemalt – so ging die Reise los und wurde zügig zur echten Leidenschaft“, verrät KalleKlex. Bis heute sei er Autodidakt geblieben und habe über seinen Beruf, der mit Gestaltung und Malerei zu tun hat, viel über Farben und Materialität gelernt. „Es gab auch die Überlegung, ob ich Kunst studieren soll. Ich habe mich aber dann ganz klar dagegen entschieden.“ Auch weil man, um Künstler zu sein, kein Studium brauche, so der Streetartist.

Der Weg zum eigenen Stil – die größte Herausforderung

Es kam wie es kommen musste, KalleKlex stellte erstmals aus – vor zehn Jahren. „15 bis 18 großformatige Bilder, ein bunter Blumenstrauß an Landschaftsmalerei, aber auch schon mit kritischem Inhalt.“ Dabei trafen gerodete Wälder auf Abstraktes – man sei ja erstmal am Machen und Tun bis man seinen eigenen Stil finde. „Mir war immer wichtig, dass ich mit meinen Bildern etwas ausdrücke, meine Meinung kund tue.“

Der Mensch und sein Konsum

Das Dauerthema seiner Kunst sei: der Mensch und der Konsum. Dem aufmerksamen Beobachter dürften Parallelen zu Banksy auffallen. „Was wir mit dem Planten anstellen, was wir mit uns machen – von der Umweltverschmutzung über ‚wie gehen wir mit Ressourcen um‘, das sind Themen, die sich in meiner Kunst wiederfinden.“ Dabei will der Straßenkünstler nicht mit dem erhobenen Zeigefinger den Besserwisser raushängen lassen, er wolle seine Mitmenschen vielmehr für diese Thematik sensibilisieren. „Das ist mein Grundantrieb.“

Es folgten mehrere, kleinere Ausstellungen. Dann war erstmal Pause, mit Anfang/Mitte 20. „Ich habe immer weitergemalt, für mich, aber einfach nicht mehr so den Output gesucht.“ Erst vor einem Jahr fing KalleKlex wieder an intensiv zu malen, jeden Abend. Er habe sich vergraben und einfach nur, wie er selbst sagt, produziert. „Bis ich dann Ende letzten Jahres bei einer Gruppenausstellung im Alten Zollamt mit ausgestellt habe.“ Der Mensch, Portraits, seien das wiederkehrende Element seiner Kunst. „Ich bin nicht so der graphische Typ, eher klassisch, mit Acryl-Farben, es muss dreckig sein, hingeklatscht.“

Das interessiert mich, das Dekonstruierte, Dreckige, aber doch auch Schönes darin zu sehen. Das spiegelt ja auch unsere Gesellschaft wieder.

Von Graffiti über Leinwand und dann ist er den Schritt zurück auf die Straße gegangen. „Mich interessiert Paste-up-Kunst, weil sie mir entgegenkommt.“ Es gehe darum Zeichnung zu transportieren, beispielsweise mit einer Paste-up-Technik. „Wer entscheidet, wer Kunst sehen darf und wer nicht und wo sie zu sehen ist.“ Kunst in der Öffentlichkeit zu platzieren, dort wo man es für richtig halte, nicht ganz legal, aber für jeden zugänglich – „das ist für mich die Urform von Kunst.“

SpazierGang: Streetart gegen Hass – und mehr

Für eine (k)lebendige Stadt, setzt sich KalleKlex aber nicht nur allein, sondern vor allem auch mit der SpazierGang ein, einem Künstlerkollektiv, das – wie bereits erwähnt – mit der Aktion „Streetart gegen Hass“ für Aufmerksamkeit sorgte.

Das Kollektiv hat sich über Social Media kennengelernt. Gemeinsam und aktiv Streetart zu machen, sei das Anliegen und der Antrieb der Gang. „Es ist noch recht offen in welche Richtung es gehen wird. Das wird sich auch immer wieder verändern, je nachdem wer dabei ist und mitwirkt.“ Jeder bringe etwa anderes mit ein, das mache das Kollektiv aus.

Neue Aktionen, Projekte und Events sind in Planung, verrät KalleKlex, aber noch nicht spruchreif. Man darf also gespannt sein, was sich da noch tut. „Es wird in Richtung Streetart-Event gehen, da soll dieses Jahr schon noch einiges passieren.“ Abschließende Worte? „Kunst ist kein Hobby, sondern eine Leidenschaft, deshalb bleibe ich aktiv.“ In diesem Sinne: To be continued.

Fotos: Tanja Simoncev

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