Vielfalt braucht Verstärkung: Streetart, Live-Streams und mehr beim CSD 2020

Genauso bunt, nur anders: Der CSD 2020 wird stattfinden und das ist auch gut so! Aber eben kleiner und im Live-Stream. Gefeiert wird trotzdem oder gerade erst recht – und zu gucken gibt es auch wieder einiges, zum Beispiel Streetart mit Message von Sven Schoengarth aka SJKS.

Stuttgart – Versteckt, in einem Hinterhof, im besten Westen der Stadt hat Streetart ein neues Zuhause gefunden. Zumindest für das Kunstwerk von Sven Schoengarth. Und das bunte Piece hat eine wichtige Message. Es vereint, was zusammen gehört – ähnlich wie Streetartist Jack Lack, nur eben anders. Es geht um die LGBTQIA+ Community, Pride und den Kampf gegen Diskriminierung. Das darf neben der farbenfrohen Feierei nicht vergessen werden. Denn zu lieben, wen man will, stellt viele immer noch vor Herausforderungen und Selbstüberwindung. Und auch wenn unsere Gesellschaft immer vielfältiger beziehungsweise Vielfalt präsenter, selbstbewusster und sichtbarer gelebt wird, so braucht es weiterhin Verstärkung. Denn die Akzeptanz von Diversität ist kein Selbstläufer und keine Selbstverständlichkeit. Und da wären wir auch schon beim Motto des diesjährigen Christopher Street Days, kurz CSD: Vielfalt braucht Verstärkung!

Der CSD 2020 – kleiner, kreativer und kunterbunt

Aber erstmal zu Svens Kunstwerk. Über seine Ausstellung im Climax sei ein Stuttgarter Unternehmen auf ihn aufmerksam geworden, eines führte zum anderen, eine ganze Hauswand kam ins Spiel. Aber diese einfach so, mal auf die Schnelle, zwischen den Jahren zu bemalen, kam für den Stuttgarter Künstler nicht in Frage. „Wenn ich etwas mache, dann mit Herzblut.“ Kein Wunder kann sich das Endergebnis, trotz Herausforderungen wie den Glasbausteinen in der Wand, sehen lassen. Und auch wenn der Entwurf und die Konzeption von Sven sind, ist ihm wichtig zu betonen: „Ohne die Unterstützung von Busta170, MKG und Mario El Khouri hätte ich es nicht in der Geschwindigkeit geschafft.“ Die Rede ist von vier Tagen und einer fast schon nachbarschaftlichen Aktion. „Wir wurden mit Essen und Trinken versorgt.“ Alle hätten mit großem Interesse den Schaffensprozess verfolgt.

Stonewall Riots, Pride Movement, Queere Bewegung

Zum Hintergrund des Kunstwerks ist wohl ein kurzer geschichtler Exkurs von Nöten. Denn wer weiß wirklich, um was es beim CSD genau geht? Viele wollen feiern, farbenfroh, fulminant – doch dahinter steckt so viel mehr…

„Trans People of Color haben mit ihrem Engagement im Kontext der Stonewall-Riots* den Prozess für unsere heutige ‚Queere Bewegung‘ beschleunigt“, erklärt Sven. Aus diesem Grund würden die Farben der Transgender Flagge (zweimal Hellblau, zweimal Pink und einmal Weiss in der Mitte) inklusive der Farbe für People of Color (Braun) und Black People (Schwarz) die Grundlage für das Kunstwerk bilden.

Die Pride Rainbow Flag liegt darüber, um zu symbolisieren, dass Pride in der heutigen Form ohne den Einsatz der Trans People of Color nicht so weit gekommen wäre.

Die Aliens arbeiten weiter aktiv an den Bausteinen, die für die Weiterentwicklung der ‚Queeren Bewegung‘ stehen, während die Roboter die Weiterentwicklung passiv beobachten.

Und was lässt sich daran für die Zukunft ableiten? Was beobachtet Sven, was würde er sich wünschen?

Ich würde mir wünschen, dass junge Leute – ohne groß darüber nachdenken zu müssen – lieben wen sie lieben wollen, ohne sich dabei schlecht fühlen zu müssen. Wie kann das funktionieren? Jeder kann in seinem persönlichen Umfeld seinen offen und unterstützenden Umgang mit der Community aussprechen. Und damit eine Realität schaffen in der mein Wunsch in Erfüllung geht.

Wer auf Instagram/Social Media Svens Mural mit dem Hashtag #pridmovement teilt, kann dadurch zum Beispiel virtuell ein Zeichen setzen, um seine Unterstützung der Community gegenüber auszudrücken. Und das geht auch in Zeiten von Corona ganz easy. Denn Vielfalt braucht Verstärkung – in diesem Sinne: Bleibt bunt und laut!

Details zum Kunstwerk:

Titel: Progression of a movement
Künstler: SJKS – Sven Schoengarth
Format: 4,80 x 6,60 Meter
Technik: Spraydose und Acrylfarbe
Kreation und Fertigstellung: Zwischen 2. und 5. Juli 2020

Standort:

Hinterhof Ludwigstr. 47
70176 Stuttgart-West

Mehr über Sven erfahrt ihr hier >>>

*Stonewall, kurz für Stonewall-Aufstand oder Stonewall-Unruhen, war eine Serie von gewalttätigen Konflikten zwischen Homo- sowie Transsexuellen und Polizeibeamten in New York City. Die ersten gewalttätigen Auseinandersetzungen fanden in der Nacht zum Samstag, den 28. Juni 1969 ab etwa 1:20 Uhr statt, als Polizeibeamte eine Razzia im Stonewall Inn durchführten, einer Bar mit homo- und transsexuellem Zielpublikum in der Christopher Street an der Ecke der 7th Avenue im Greenwich Village.

Da sich dort erstmals eine signifikant große Gruppe von Homosexuellen der Verhaftung widersetzte, wird das Ereignis von der Lesben- und Schwulenbewegung als Wendepunkt in ihrem Kampf für Gleichbehandlung und Anerkennung angesehen. An dieses Ereignis wird jedes Jahr weltweit mit dem Christopher Street Day (CSD) erinnert, der im englischen Sprachraum meist Gay Pride heißt. Mehr >>>

Fotos: Mario El Khouri / Tanja Simoncev

Alles rund um den CSD 2020

Live aus dem CSD-Studio:

Zahlreiche Programmbeiträge zu den Kulturtagen werden im Festivalzeitraum vorwiegend aus einem zentralen CSD-Studio im Gerber (Sophienstraße 21) online übertragen. Das heißt konkret: Es erwarten euch tägliche Live-Streams mit Diskussionen, Talkrunden, Infoabenden, Lesungen, Kultur und vielem mehr. Unter Einhaltung der geltenden Abstands- und Hygieneregeln ist eine begrenzte Anzahl an Zuschauern, nach Anmeldung, vor Ort im Studio zugelassen. Die Fläche im Gerber dient außerdem als Pop-up-Store für den CSD Stuttgart – dort gibt es das Programmheft, Fanartikel und vieles mehr rund um die Regenbogen-Community. Alles dazu findet ihr hier >>>

Weitere Programmpunkte:

CSD-Kundgebung im kleineren Format am Samstag, 25. Juli, anstelle der großen CSD-Polit-Parade statt + Live-Stream ins Netz, mehr erfahren >>>

Durchgängiger Online-Pride-Event am 25. und 26. Juli als virtuelles Straßenfest live aus dem Römerkastell – inklusive Publikum vor Ort, mehr Infos >>>

Linda Wirth widmet dem CSD Stuttgart den Song „Pride“

Die lesbische Singer-Songwriterin Linda Wirth will mit ihrem Lied für das CSD-Kulturfestival „anderen Mut machen, zu sich selbst zu stehen“.

Hier könnt ihr in den Song „Pride“ reinhören:

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