Streetart in Stuttgart-West: Zukunftsszenerie trifft auf Sporthalle

Die Graffiti-Landschaft im Kessel hat Zuwachs bekommen: An der Sporthalle der Hasenbergschule in Stuttgart-West haben sich die Jugendräte West gemeinsam mit Streetart-Künstler Maximilian Frank ausgetobt – das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Stuttgart – An der Hasenbergschule formt sich seit einigen Monaten eine bunte Zukunfts-Szenerie. Fertig ist sie, aller Voraussicht nach, im Laufe der Woche. Die Idee zur Verschönerung der Sporthalle kam von Felix Koch, dem Leiter des Jugendhauses West. Für die Leitung des Projekts fragte er den Sprayer Maximilian Frank an, der in Weil der Stadt selbst Jugendsozialleiter ist. „Wir kennen uns auch privat und haben schon zusammen studiert“, sagt der 37-jährige Streetart-Künstler. „Seit ich 14 Jahre alt bin gehört Hip-Hop zu meinem Leben.“ Deshalb findet er das Engagement, das Felix Koch für die Jugend und Graffiti aufbringt, klasse. Man müsse dem Hip-Hop schließlich endlich mal wieder ein positives Image verleihen.

Die Fridays-for-Future-Demo auf der rechten Seite des Graffitis ist ein Lichtblick inmitten der Zerstörung. | Foto: Jana Stäbener

Mit Streetart eine Art Denkmal schaffen

Um das zu erreichen, haben sich die beiden schon im Frühjahr zusammengesetzt und überlegt, wie sie die Jugend im Westen in das Graffito miteinbeziehen können. Denn laut Frank stellte sich bei Streetart im pädagogischen Bereich immer die Frage, wie man an das Projekt herangeht. „Der Anspruch war, an der Sporthalle eine Art Denkmal zu schaffen. Da kann man natürlich nicht sagen: `Hey, jetzt sprüht mal alle drauf los´“, erklärt Frank. Das wäre zwar auch schön, es sei aber unrealistisch, dass dabei etwas Gutes herauskommt. Denn selbst mit vielen Stunden Übung wird nicht jeder gleich zum Profi. Aus diesem Grund fertigte Frank nicht nur eine Papierskizze, sondern auch eine großflächige Vorlage an der Wand der Sporthalle an. Deren Flächen besprühten dann aber die Jugendlichen mit Farbe – der Künstler selbst übernimmt dieses Wochenende noch die finalen Schattierungen.

Insgesamt fast 20 Stunden arbeiteten um die sieben Jugendlichen am Streetart-Kunstwerk. Neben den Leitern des Jugendrats West und deren Freunden wollte Maximilian Frank auch vereinzelte Jugendliche integrieren, die auf den Straßen rund um die Hasenbergschule sowieso „rumhängen“. „Dadurch wächst die Toleranz für das Graffito selbst“, sagt der Pädagoge. So umgeht man das Problem, dass das Bild möglicherweise übersprüht wird. Außerdem sei es generell gut, wenn die Jugendlichen ihren eigenen Wohnort mitgestalten könnten. „Die Teens wissen dann auch, dass sie noch in zehn Jahren was von dem Aufwand haben“, sagt Frank. Dies sei für ihn auch das Argument schlechthin, warum sich der hohe Planungsaufwand für solche Graffiti-Projekte eigentlich immer lohne.

Atomlager, Krieg und Plastikmüll

Die Zukunft der Welt sieht auf dem Kunstwerk der Sporthalle West nicht besonders rosig aus. | Foto: Jana Stäbener

Was ist zu sehen?

Das Motiv, das auch noch in zehn Jahren die Gegend verschönern soll, hat der erfahrene Sprayer nur skizziert. Die Idee stammt allein von den Jugendlichen, die sich gemeinsam dafür entschieden, mit dem Graffito die Zukunft der Erde zu thematisieren. Mittelpunkt des Kunstwerks ist ein Mädchen, das Kopfhörer trägt und sich Gedanken um die Welt macht. Sie hält eine Kette hoch, auf der „Future“ steht und ist umgeben von verschiedenen Gedanken-Schwaden, von denen jeder einzelne ein anderes Problem aufgreift.

So zeigt der eine Atomlager, der andere Krieg, der dritte eine Insel aus Plastik, die im Ozean schwimmt. Auch ein Bitcoin-Dollar ist auf dem Wandbild zu sehen. Er verbrennt in lodernden Flammen und demonstriert, dass die Währung, einst ein Zukunftsthema, mittlerweile immer mehr an Bedeutung verliert. Neben negativen Gedanken gibt es jedoch auch einen Lichtblick: Die Fridays-for-Future-Demo auf der rechten Seite des Graffitos gibt Grund zur Hoffnung. Hoffnung, dass all diese Probleme der Zukunft lösbar sind.

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