Streetart in Stuttgart: Von Bustas Virus infiziert

Immer mehr, überall, an jeder Ecke – wie ein Virus breitet sich die Straßenkunst von Busta in Stuttgart aus. Doch wer ist der Streetartist, der die Stadt mit seiner Kunst infiziert? Wir haben den Kreativkopf zum Interview getroffen.

Stuttgart – Das Interessante: Die Kunst von Busta breitet sich nicht nur wie ein Virus aus, sie stellt auch einen Virus dar. „Und beim Virus weiß man ja meist auch nicht woher er kommt“, erklärt der Streetartist lachend. Es sei einfach sein Motiv, das beim Experimentieren entstanden sei. „Ich wollte ein Motiv schaffen, dass mit geringem Aufwand verändert werden kann, ohne es dabei komplett zu entfremden.“ 3D und kunterbunt seien nicht so sein Ding, dafür aber das Einfache und Klare. Ein bisschen Farbe kommt dennoch hin und wieder mit ins Spiel. Busta gesteht: „Ich mag Neon-Farben.“ Grafikdesign sei sein Hobby, bei dem er abschalten könne.

Wer ist Busta?

Viel mehr möchte der Straßenkünstler auch nicht über sich verraten. Streetart sei schließlich illegal, auch wenn man bei Klebe-Kunst immer von einem schmalen Grad spricht. Soviel sei aber verraten: Seit 2003 ist die gebürtige Stuttgarter in der Streetart-Szene aktiv.

Älles nur G’schmier

Doch nicht nur Busta, auch seine Familie greife gern mal in das Stadtgeschehen ein. „Wir ärgern die Politik einfach gern. Einer muss ja sticheln“, sagt er lachend. Er bedauere außerdem, dass die urbane Szene im Kessel nahezu verschwunden sei. Kein Rocker 33 mehr, keine Röhre, kein Nordbahnhof-Gelände, der Umzug von Contain’t – Subkultur wird es immer wieder schwer gemacht, zu wachsen. „Irgendwann hatte ich keinen Bock mehr zu kämpfen, schon wieder für etwas Neues, Urbanes, das es dann bald nicht mehr gibt.“ Busta habe das Gefühl, dass man die Kreativen aus der Stadt verjage.

Früher habe ich nicht verstanden, warum alle nach Berlin sind. Ich dachte: Hey, bleib‘ doch hier, dann sind wir mehr. Aber es ist tatsächlich so, dass in anderen Städten die urbane Szene gedeihen kann. Und hier ist es so: Ja, schön was du machst, aber bitte nicht vor meiner Haustür.

Und das macht’s schwierig.

Die Streetart-Szene hält zusammen

Während sich der Support oder besser gesagt die Anerkennung von außen im Rahmen halte, herrsche in der Streetart-Szene ein großer Zusammenhalt. „Es ist ziemlich entspannt und freundlich. Wir tauschen viel untereinander, man unterstützt sich. Auch zu Künstlern aus anderen Städte wie etwa Berlin, Hamburg und Köln habe ich gute Connections.“ Streetart habe für Busta nichts mit großen Schriftzügen zu tun. „Das sind die kleinen Sachen, die es zu entdecken gilt.“

Same same but different: Bustas Virus verändert sein Äußeres spielend leicht

Seit etwa zwei Jahren macht Busta so richtig Rabatz in der Stadt. Das fällt auf. Und er hat auch keine Scheu, seinen Virus immer weiter zu verbreiten. Ganz nach dem Motto ‚Dreistigkeit siegt‘ klebt er seine Kunst auf Häuser, Türen und Schilder – mitten am Tag, ganz egal. Die Tasche habe er immer vollgepackt mit seinen Utensilien, egal, ob es zum Arzt und sonst wo hingeht. „Man weiß ja nie, plötzlich ist man an einem Ort und denkt sich: Was für ein geiler Platz und keiner hier.“

Fan der schwäbische Mundart

Aber nicht nur Bustas Virus macht in Stuttgart die Runde. Auch ein mit Neonfarben eingefärbtes Gesicht sticht ins Auge, das nicht nur so, sondern mit schwäbischen Sprüchen geschmückt daherkommt. „Ich mag die schwäbische Mundart und finde, ein gesunder Patriotismus ist in Ordnung. Wir haben halt schon ’subbr‘ Wörter.“

Einfach mal machen: Urbane Streetart Galleries

Und wie geht’s weiter? „Es gibt Halls für Graffiti-Künstler, Sprayer, aber für Streetartists wie mich gibt’s hier halt nichts.“ Aus diesem Gedanken heraus und inspiriert von der Kreativszene in Köln, entstand die Idee, einfach mal selbst etwas in Stuttgart auf die Beine zu stellen. „Einfach mal machen“, so Busta.

Kluge Sprüche statt Meinungen

Es sei so tot hier, was Streetart angehe. „Und das ist schade, denn es gibt hier im Kessel viele Orte, die eigentlich sehr urban sind.“ Und da ergriff Busta seine Chance: Orte, die ein bisschen verfallen sind, einfach neu zu nutzen – und dem Ganzen ein bisschen Sticker-Liebe und -Leben einzuhauchen. Dann werden auch gern mal Sprüche wie „Wir sprechen zu viel und fühlen zu wenig!“ gespreadet.

Die Streetart-Galleries seien außerdem auch ein analoger Versuch, Kontakte zu knüpfen – mit anderen Streetartists aus Stuttgart. „Man kennt sich nicht. Ich laufe auch seit drei Jahren allein durch die Gegend und mir wird’s nicht langweilig, aber ich wollte eben auch wissen, ob es da draußen noch ein paar andere Künstler gibt.“ Und so langsam würde man auch zusammen losziehen – „das macht schon Spaß!“

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