Start with a Friend: Virtuell Freundschaften knüpfen

Die Initiative „Start with a Friend“ fördert Freundschaften zwischen Einwanderern und Locals. Während der Corona-Krise ist Improvisationstalent gefragt: Die Tandems treffen sich virtuell statt in echt.

Stuttgart – Durch Begegnungen den Zusammenhalt stärken, eine Gesellschaft der Vielfalt ermöglichen – das ist die Vision der bundesweiten Initiative „Start with a Friend“, die 2017 auch in Stuttgart gestartet ist. Basierend auf verschiedenen Kriterien wie Alter, Interessen, Hobbys oder Beruf bringen Ehrenamtliche Menschen, die aufgrund von Flucht oder Migration in Stuttgart leben, und Locals zu Tandems zusammen.

„Start with a Friend“ wird virtuell

Bei Infoabenden werden interessierte Locals befragt, die Einwanderer in Einzelgesprächen. Alle Interessierte kommen in eine Datenbank, anhand derer die Ehrenamtlichen passende „Matches“ suchen. Dann werden die Kontakte ausgetauscht und Tandems vermittelt. Die Tandems laufen anschließend für ein halbes Jahr – ob sie sich zu Sport oder gemeinsamem Kaffee trinken treffen, ist ihnen selbst überlassen.

Die Corona-Krise stellt nun auch Initiativen wie „Start with a Friend“ vor neue Herausforderungen. Infoabende können derzeit nicht veranstaltet werden. Auch gemeinsame Aktivitäten fallen aus. Die Vision aber bleibt bestehen. „Es sind nur andere Schritte notwendig“, sagt Johanna Dümmel. Die 26-Jährige studiert in Schwäbisch Gmünd Interkulturalität und Integration im Master und ist für den Stuttgarter Ableger verantwortlich.

Aus den Tandems werden E-Tandems

Statt sich zu gemeinsamen Aktivitäten zu treffen, werden jetzt Kaffee-Dates über Skype abgehalten, Foto-Challenges gemacht, Playlisten mit der Lieblingsmusik erstellt, Bücher gelesen und anschließend wird sich am Telefon besprochen oder gemeinsam Spanisch gelernt.

Wer etwas improvisiert, merkt schnell, dass auch in solch einer Ausnahmesituation ziemlich viel möglich ist. „Manche machen auch gemeinsame Pläne, was sie tun wollen, sobald das Social Distancing gelockert wird“, sagt Johanna. Und wer keine Ideen hat, dem schlagen die Ehrenamtlichen etwas vor.

Wohnzimmerkonzerte bis Yogastunden

Auch richtige Online-Sessions sind in den vergangenen Wochen ins Leben gerufen worden: Wohnzimmerkonzerte, Yogastunden, Spieleabende. Jeder, der mochte, konnte sich dazu schalten.

Die Kriterien der Vermittlung bleiben für Johanna und ihr Team auch während der Corona-Krise gleich: Tandems finden sich aufgrund gemeinsamer Hobbys, manche aufgrund ähnlicher Profession, wieder andere haben Interesse an einem Sprachtandem. Auch Hilfe bei der Job- oder Wohnungssuche bieten manche Locals an. Das aber ist nicht das vordergründige Ziel der Initiative. „Die Tandems sollen sich gegenseitig auf Augenhöhe begegnen“, sagt Johanna.  Es geht nicht um Hilfe für einen Hilfsbedürftigen, sondern um das Ankommen in der neuen Stadt.

Es ist eine schöne Gelegenheit, die freie Zeit sinnvoll zu nutzen.

Auch wenn viele, die sich anmelden neu in der Stadt sind, gibt es auch solche, die schon einige Jahre in Stuttgart leben und noch immer keinen Anschluss gefunden haben.

Die Nachfrage auf Seiten der Neu-Stuttgarter ist hoch. Die Warteliste ist noch immer lang. Vor allem Einheimische sind deshalb gesucht, auch ganze Familien oder Freundeskreise können sich bei der Initiative anmelden. Die Hürde sei während der Pandemie und den veränderten Möglichkeiten gerade höher als sonst, sagt Johanna. „Wir möchten aber zeigen, dass es auch jetzt gut funktioniert“, sagt sie. Und gerade jetzt sei ein guter Zeitpunkt. „Es ist eine schöne Gelegenheit, die freie Zeit sinnvoll zu nutzen.“ Und jemanden zum Zuhören oder Austauschen kann gerade jeder gut gebrauchen – Einwanderer wie Locals.

Das Team der Ehrenamtlichen besteht sowohl aus Locals als auch aus Zugezogenen. Gemeinsam stehen sie den Tandems auch nach der Vermittlung zur Seite. Das ist etwa bei Sprachbarrieren notwendig oder bei Missverständnissen, die entstehen können, wenn unterschiedliche Kulturen aufeinandertreffen. In schwierigen Fällen greift die Tandem-Beratung ein. Und wenn es gar nicht klappt, kann die Partnerschaft beendet werden. Das kommt aber nur selten vor.

Einen weiteren Austausch bieten gemeinsame Termine für alle in der Initiative engagierten – Einwanderer genauso wie Locals. Normalerweise wird dann etwa gemeinsam auf der Kulturinsel gegrillt. Jetzt passiert auch das bei einem Kaffee vor der Laptop-Kamera.

Teilnahme: Wer sich engagieren möchte, kann sich hier anmelden >>>

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