Stadtpalais erinnert an legendäre Nächte im Rocker 33

Rauschende Raves in der Retrospektive: Mit der Ausstellung »Rocker 33 – The Years 2005–2011« zeichnen Fotograf David Spaeth und Christian Schiller – ehemaliger Mitbetreiber des Rocker 33 – ein Bild der Stuttgarter Subkultur um die Nullerjahre. Wir trafen die beiden vorab zum Interview.

Stuttgart – Vom 30. November bis zum 27. Januar kommen im Stadtpalais Nostalgiker und Trendsetter gleichermaßen auf ihre Kosten. Denn die Ausstellung blickt nicht nur auf ein vergangenes Jahrzehnt zurück, sondern ist der Beweis dafür, dass eine gewisse Ästhetik – eine Dekade später – erneut den Nerv der Zeit trifft.

Eine Hommage an Stuttgarts Club- und Subkultur

Wie eine Art Echo aus der Vergangenheit transportiert die Ausstellung »Rocker 33 – The Years 2005–2011« Strömungen aus der Kunst, Musik, Mode und Kultur ins Hier und Jetzt. „Egal in welcher Disziplin, gewisse Trends kommen und gehen in Intervallen. Mal ist etwas modern, dann ist es wieder ein bisschen ‚durch‘, bis schlussendlich wieder ein Hoch kommt“, erklärt Christian Schiller, ehemaliger Betreiber des Rocker 33. „Das Material für die Ausstellung ist nun an einem Punkt, an dem man sieht, dass beispielsweise authentische Fotografie wieder zeitgemäß ist“, so der 44-Jährige, der heute gemeinsam mit Julia Kühne die Agentur Gold & Wirtschaftswunder betreibt.

Nomen est Omen – Wenn der Arbeitstitel Bände spricht

„Love, sweat and tears“: So lautete der Arbeitstitel des Projekts. Dieses mündet in diesem Jahr in der Ausstellung im Stadtpalais und in der Veröffentlichung eines Bildbandes, der in Zusammenarbeit mit Matthias Straub und vielen weiteren helfenden Händen entstand. Drei Worte, die „diese Zeit wohl am besten wiederspiegeln“, rekapituliert Fotograf David Spaeth.

Aber nicht nur Liebe, Schweiß und Tränen bestimmten die Nächte des Clubs in der ehemaligen Bahndirektion am Stuttgarter Hauptbahnhof: Christian Schiller – der neben Pejo Babic, Steff Deininger, Thorsten Neumann und Matthias Straub einer der Betreiber des Rocker 33 war – beschreibt eine einzigartige Stimmung, die diesen Laden zu etwas ganz besonderem machte: „Man lief durch den Haupteingang, den Hof entlang und nahm die Treppe in eine andere Welt. Es herrschte einfach ein ganz spezieller Vibe, der an manchen Abenden fast schon zu euphorisch war.“

David Spaeth, der die Nächte damals als Freund des Hauses mit seiner Kamera begleitete, erinnert sich insbesondere an einen Abend: „Der Laden war randvoll. Es passte kein Mensch mehr hinein und es wurde schon Stage gedived, obwohl noch nicht einmal jemand auf der Bühne stand, geschweige denn Musik lief. Die Leute sind einfach so durchgedreht. Das war schon berührend.“

Von der Idee bis zur Umsetzung – Ein Reifeprozess

Die Idee, die einzigartige Stimmung des Rocker 33 in einem Magazin oder einer Ausstellung zum Leben zu erwecken, entstand bereits vor gut zehn Jahren. Die Umsetzung folgt heute. Aus gutem Grund, wie David Spaeth weiß: „Ich glaube, wir wollten es damals so sehr, dass es einfach nicht sein sollte. Wir waren irgendwann einfach zu verbissen. Manchmal hat es eben seinen Sinn, dass die Dinge so laufen, wie sie laufen. Und heute ist es so, dass die Bilder nicht alt oder eingestaubt wirken, sondern sie immer noch – oder gerade weil sie so lange reifen durften – wieder völlig zeitgenössisch sind. Die Sterne für dieses Projekt standen einfach noch nie so gut wie jetzt.“

Zurück in die Zukunft: Das erwartet die Besucher im Stadtpalais

„Ich glaube, was man nicht erwarten kann, ist eine klassisch autobiographische Dokumentation“, verrät Fotograf David Spaeth und führt weiter aus: „Was ich versucht habe war, eine gewisse Stimmung des Ladens festzuhalten. Also nicht ‚das ist das Haus‘, ‚das sind die Betreiber‘, sondern wirklich den Vibe einzufangen und ihn in diversen Aufnahmen festzuhalten. Völlig ungeschönt, mit Aufs und Abs und allem, was dazu gehört.“ Und auch aus fotografischer Sicht habe die Ausstellung – aufgrund der Analogaufnahmen – ihren ganz eigenen Charme.

Wer es nach diesen Worten nun kaum noch abwarten kann, einen Blick auf den Mikrokosmos „Rocker 33“ zu erhaschen, dem sei gesagt: Am 29. November findet bereits die Vernissage mit musikalischer Untermalung von St. Malo statt. Wir wünschen viel Spaß!

Mehr Infos findet ihr hier.

Vernissage
29.11.2018, ab 19 Uhr
Musik: St. Malo

Ausstellung
30.11.2018 – 27.01.2019,
Stadtpalais, Salon Sophie
Di – So, immer von 10 bis 18 Uhr
Eintritt frei

Fotos © David Spaeth Photography

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STADTPALAIS 30.11.2018 - 27.01.2019 #R33THEYEARS

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